# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1863_S344 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 344 Ueber den eigentlichen Krebsschaden der deutschen Kirche. Der Vorsitzer glaubte im Namen der ganzen Synode deren Freude über diese Erklärung und deren Willigkeit, ihm zu vergeben, aussprechen zu dürfen. Ein anderes Glied stimmte von Herzen diesen Worten des Vorsitzers bei, meinte jedoch, daß ein Ausdruck wäre, welchen Clausen jetzt ausdrücklich zurücknehmen sollte und könnte, nämlich daß er die reine Lehre falsch genannt habe. Zwar läge eine solche Zurücknahme bereits in seiner jetzt gegebenen Erklärung und er wolle ihn für den Augenblick nicht weiter drängen, sondern gern diese seine Forderung zurücknehmen, wofern sie als ungeeignet erfunden würde, doch würde es ihn innig freuen, und er glaube, daß es auch für Clausen vortheilhaft sein würde, wenn er dieser Aufforderung nachkommen könnte. Clausen erwiederte, daß dies natürlich für sich selbst folge, daß er, wenn er nicht gewiß sei, ob seine eigne Meinung recht wäre, auch nicht gewiß sein könne, daß die entgegengesetzte falsch sei. (Schluß folgt.) (Eingesandt.) Ueber den eigentlichen Krebsschaden der deutschen Kirche spricht sich P. Brunn mit ebenso zutreffender Wahrheit als großer Offenheit im „Neuen Zeitblatt“ No. 23. folgendermaßen aus: „Das ist der Jammer und das Elend unserer Zeit und unserer Kirche, das ist die Wurzel des Uebels auch in unsrer Freikirche. Ach, wären wir einig in der Lehre! Hätten wir das große „Es ist genug“ der Augsb. Confession, „daß Gottes Wort einträchtiglich gelehrt werde!“ Und täuschen wir uns nicht; der das ganze Gebiet unsrer Theologie noch beherrschende Zwiespalt betrifft nicht bloß unwesentliche, das Lebensgebiet der Kirche kaum berührende Fragen der Wissenschaft, sondern die tiefgehendsten Principien christlicher Lehre, er betrifft namentlich auch Lehrfragen, die bei allen kirchlichen Neubildungen so ganz unmittelbar praktisch werden und ins tiefste Leben eingreifen, ja, ohne deren gesunde und bekenntnißmäßige Lösung und volle Klarheit gar keine gesunde Kirchenbildung sich denken läßt, ich meine die Frage von Kirche, Predigtamt, Schlüsselgewalt und Kirchenregiment. Ich möchte statt alles Weiteren schließlich nur einige Thatsachen mittheilen aus eigner, tief schmerzlicher Lebenserfahrung. Mit welch zerrissenem Herzen über die unter uns vorhandene völlige theologische Verwirrung und Zerrissenheit, ja, ich möchte sagen, mit welchem Gefühl des Vernichtetseins verließ ich vor drei Jahren unsre lutherische Generalsynode in Breslau, nachdem wir vier Wochen dort über Kirche, Predigtamt, Kirchenregiment, auch über Chiliasmus und anderes geredet und gestritten! Waren wir doch am letzten Tage der Synode um nichts weiter gefördert, als am ersten, sondern völlig ungelöst blieben alle Gegensätze stehen, nur der Eindruck eines allgemeinen Wirrwarrs war es, den ich wenigstens mit hinwegnahm. Denn nicht nur die beiden großen Hauptparteien in der Kirchenverfassungsfrage