# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1863_S343 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Bericht der sechsten ord. Synodalversammlung der norweg. evang.-luth. Kirche. 343 wahrscheinlich, daß Christus in der angeführten Stelle gerade den jüdischen, mosaischen Sabbath meine, denn er habe ja das Wort gebraucht, um sich gegen die Beschuldigung der Pharisäer zu verantworten, daß er denselben übertreten habe. Hier sehe man also, welch einen unsichern Grund Clausen selbst in dieser seiner Hauptstelle habe. Zugleich wurde wiederholt hervorgehoben, wie Clausen so sonnenklaren Stellen als Röm. 14. Gewalt anthun müsse, während er aus den dunkelsten alles mögliche herausbringen wolle, und da er sich hier abermals darauf berief, daß seine Auslegung dieser Stelle auch die von trefflichen, rechtgläubigen Lehrern sei, so wurde wieder darauf geantwortet, daß man menschlichen Lehrern nur folgen solle, wenn sie die Wahrheit d. i. die heil. Schrift auf ihrer Seite haben; zugleich solle man wohl merken, daß ein Grund, warum sich mehrere rechtgläubige Lehrer unklar, ja unrichtig über den Sonntag aussprächen, der sei, daß zu ihrer Zeit noch kein Streit darüber aufgekommen war und daß sie sich deshalb noch nicht genöthigt fühlten, sich darüber so scharf und bestimmt auszudrücken. Wenn man Röm. 14., wo „alle Tage“ steht, darunter verstehen kann „ausgenommen den Sonntag,“ so könnte man auch 1 Tim. 2, 4. „Gott will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntniß der Wahrheit kommen,“ Ausnahmen setzen. Mehrere äußerten jetzt ihre Freude darüber, daß sie durch diese Verhandlungen über die Sache zur Klarheit gekommen seien, und da man auf diese Frage bereits so viele Zeit verwendet hatte, so wurde eine Umfrage in der Form gestellt: Kennt einer außer dem 3. Gebot irgend ein Wort Gottes, welches uns Christen verpflichtet, den Sonntag oder irgend einen andern Tag in der Woche auszunehmen zu einem heiligen oder Feiertag? Auf diese Frage antwortete nur Past. Clausen mit: Ja. In der nächsten Sitzung nahm er jedoch sein Ja wieder zurück und erklärte: Er habe von seiner Jugend auf die Ueberzeugung gehabt, daß der Sonntag nicht bloß eine menschliche, sondern eine göttliche Ordnung sei, und mit dieser Ueberzeugung sei er zur Synode gekommen. Er müsse gestehen, daß er sich hierbei wohl meist auf menschliche Lehrer verlassen habe, die er hoch zu achten gewohnt gewesen sei, und erkenne es als eine Schwachheit von seiner Seite, daß er oft und also auch zum Theil während dieser Verhandlungen eher an seine eignen früheren Gründe denke, als an die gegen ihn geführten Beweise, doch wolle er Gottes Wort die Sache entscheiden lassen, und ein einziges Wort Gottes sei ihm genug. Nun müsse er gestehen, daß ihm einige Zweifel über die Richtigkeit seines bisherigen Standpunkts aufgestiegen seien, aber er wolle ernstlich zur Klarheit zu kommen suchen und bitte die Synode, ihm zu vergeben, was er in seiner Verfahrungsweise versehen haben möge, desgleichen das Aergerniß, das er gegeben haben dürfte; auch bäte er, daß man die Sache auf der nächsten Synode wieder aufnehmen wolle. Für diesmal achte er sich kaum mehr im Stand, an der Verhandlung dieser Frage Theil zu nehmen.