# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1863_S330 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 330 Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. gehören und gegeben sind; wie denn solches mit hellen und gewissen Ursachen genugsam kann erwiesen werden. Denn gleichwie die Verheißung des Evangelii gewiß und ohne Mittel (immediate) der ganzen Kirche zugehört, also gehören die Schlüssel ohne Mittel (und principaliter, ursprünglich) der ganzen Kirche; dieweil die Schlüssel nichts anders sind, denn das Amt, dadurch solche Verheißung jedermann, wer es begehrt, wird mitgetheilet; wie es denn im Werk für Augen ist, daß die Kirche Macht hat, Kirchendiener zu ordiniren. Und Christus spricht bei diesen Worten: Was ihr binden werdet ꝛc., und deutet, wem er die Schlüssel gegeben, nehmlich der Kirche: Wo zween oder drei versammelt sein in meinem Namen ꝛc. Nu ist je das Predigtamt an keinen gewissen Ort noch Person gebunden, wie der Leviten Amt im Gesetz gebunden war, sondern es ist durch die ganze Welt ausgestreut, und ist an dem Ort, da Gott seine Gaben gibt, Apostel, Propheten, Hirten, Lehrer,“ (d. i. Männer mit apostolischen, prophetischen, Hirten⸗ und Lehrer⸗Gaben) ꝛc. „Und thut die Person gar nichts zu solchem Wort und Amt, von Christo befohlen, es predige und lehre es, wer da wolle; wo Herzen sind, die es glauben und sich daran halten, denen widerfähret, wie sie es hören und gläuben *) ... Darum folget, wo eine rechte Kirche ist, daß da auch die Macht sei, Kirchendiener zu wählen und ordiniren; wie denn in der Noth auch ein schlechter Laie einen andern absolviren und (so) sein Pfarrherr werden kann; wie St. Augustin eine Historie schreibt, daß zween Christen in einem Schiffe beisammen gewesen, deren einer den andern getauft und darnach von ihm absolvirt sei. Hieher gehören die Sprüche Christi, welche zeugen, daß die Schlüssel der ganzen Kirchen und nicht etlichen sondern Personen gegeben sind, wie der Text sagt: Wo zween oder drei versammelt sind ꝛc. Zum letzten wird solches auch durch den Spruch Petri bekräftigt, da er spricht: Ihr seid das königliche Priesterthum. Diese Worte betreffen eigentlich die rechte Kirche, welche, weil sie allein das Priesterthum hat, muß sie auch die Macht haben, Kirchendiener zu wählen und zu ordiniren.“ (Anhang 1 und 2.) Hierher gehört noch, was die Apologie der Augsb. Conf. schreibt: „So heißet Liturgia griechisch eigentlich ein Amt, darin man der Gemeine dienet; das schicket sich wohl auf unsere Lehre, daß der Priester da als ein gemeiner Diener denjenigen, so communiciren wollen, dienet und das h. Sacrament reichet.“ (Art. 3 von den Mißbr.) Mit diesen Erklärungen unserer *) Daher sagt denn Luther nicht nur in seiner Kirchenpostille in der Predigt über das Ev. Dom. Quasimod.: „Darum muß man es recht verstehen, wenn Christus spricht: Welchen ihr die Sünden erlasset ꝛc., daß da wird nicht eingesetzet die Gewalt deß, der da spricht, sondern deren, die da glauben.“ (Walchs Ausg. XI, 1002.) In der Apologie der Augsburgischen Confession heißt es auch: „Die Gewalt der Schlüssel die verkündigt uns durch die Absolution das Evangelium. Denn das Wort der Absolution verkündigt mir Friede und ist das Evangelium selbst.“ (Art. 12.) Welche daher die Absolution für eine außer dem Evangelio befindliche „sonderbare“ Predigergewalt ansehen, irren weit ab und sind keine Lutheraner.