# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1863_S328 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 328 Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. nommen werden, für die einzig richtige, und weil er die Worte: „Führe uns nicht in Versuchung," allein von den satanischen Versuchungen versteht, so meint er, die damit grammatisch verbundenen Worte: „Sondern erlöse uns ἀπό τοῦ πονηροῦ," handelten nothwendig wieder vom Satan, τοῦ πονηροῦ sei also nicht als neutrum, sondern als masculinum zu fassen. Es ist aber jene Voraussetzung ebenso willkürlich, wie diese Folgerung. Unter der Versuchung, um deren Abwendung uns Christus ohne Einschränkung bitten heißt, nur Eine Species derselben und unter τοῦ πονηροῦ, das ebenfalls durch keinen Beisatz eingeschränkt, noch durch seine grammatische Form oder durch die seines Artikels als masculinum bezeichnet ist, nur Eine Species der Uebel zu verstehen, ist reine Willkür; aber nicht nur ist es durchaus den Regeln der Sprache, sondern auch der Analogie des Glaubens und der Schrift (vgl. 2 Tim. 4, 18.), sowie der Stellung dieser Bitten, als der letzten, vollkommen entsprechend, hier alle Arten sowohl der Versuchungen, als der Uebel zu verstehen, wovon das „letzte" nach der Schrift nicht der Teufel, sondern der Tod ist, 1 Cor. 15, 24—26. Daher nicht nur Luther nach Cyprian's und Augustin's Vorgange das πονηροῦ als neutrum nimmt, sondern auch neuere Exegeten nicht infimi ordinis ihm darin beifallen. Um nur Einen derselben anzuführen, so schreibt Tholuck: „Verstehen wir nun πειρασμός, allgemeiner von jedem versuchenden Zustande, so daß es die θλίψεις (Trübsale) mit einschließt, dann muß auch πονηροῦ als neutrum gefaßt werden, denn dann entsteht nur ein passender Gegensatz, wenn πονηροῦ das ganze Gebiet der πειρασμοί bezeichnet. So fassen wir es denn auch mit Luther im kl. Kat. und zwar, indem wir annehmen, daß die Bedeutung Böses und die Bedeutung Uebel hier im griechischen Worte wie auch im Hebräischen und Lateinischen zusammenfließt, wie ja denn auch im πειρασμός das Uebel und das Böse uns zugleich drückt."*) (Philologisch-theol. Auslegung der Bergpredigt. 2. Ausg. S. 434. 435.) Wenn sich übrigens Hr. K. hierbei sogar auf Luthers großen Katechismus beruft, in welchem derselbe die Uebersetzung des πονηροῦ mit „Uebel" „verworfen" haben soll, „indem er unter dem poneros Matth. 6, 13. den Bösen, den Teufel verstehe," so scheint sich hier unser Reformirter Vorkämpfer auf Hörensagen zu stützen. Denn Luther sagt in seinem großen Katechismus nur dieses: „Im Griechischen lautet das Stücklein also: Erlöse oder behüte uns von dem Argen und Boshaftigen, und siehet eben, als rede er vom Teufel, als wollte er alles *) Daher entscheidet sich denn auch Tholuck für die Siebenzahl der Bitten des Vaterunsers. Er schreibt: „Versteht man unter πονηρός den Teufel, so würde der Nachsatz allerdings positiv aussprechen, was der Vordersatz negativ ausspräche, und das Ganze wäre Eine Bitte. Gerade daraus ergibt sich uns aber ein neuer Grund, warum wir unter πονηρός nicht den Teufel verstehen; es ist am angemessensten, in diesem kurzen Gebete möglichst wenig Tautologien zuzulassen" (wir sagen, in der h. Schrift nie wirkliche Tautologien anzuerkennen); „eine solche würde nun hier entstehen, indem der Nachsatz gar nichts Anders, als der Vordersatz, aussagen würde. Verstehen wir aber unter dem τοῦ πονηροῦ das ganze Gebiet des Uebels und des Bösen, so ist dieser Satz umfassender, als der vorhergehende, welches dann auch berechtigt, von sieben Bitten zu sprechen." A. a. O.