# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1863_S327 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. 327 aber in „Jacob Grimms Grammatik der hochdeutschen Sprache unserer Zeit. Für Schulen und Privatunterricht bearbeitet von J. Eiselein, Prof. Belle-Vue bei Constanz. 1843." S. 351: „Die Form Vater unser ist kein Gräcismus, sondern kerndeutsche Fügung, wie der Bruoder sin; diu niftel min; frouwe min ꝛc." Hr. K. sieht, wollte er auch, als eine höhere Autorität, die Jacob Grimms nicht gelten lassen, so müßte er doch den von letzterem beigebrachten Beweisen sich fügen. So viel ist also gewiß, ist Hr. K. nicht lutherisch, sondern Reformirt geworden aus Besorgniß, dann mit dem lieben Gott „undeutsch" reden zu müssen, so kann er sich nun über diesen hochwichtigen Punkt beruhigen. Sollte ihm aber noch immer im Wege stehen, daß, „Vater unser" zu sagen, etwas „Romanisirendes" sei, so wissen wir keinen andern Rath, als daß er das Vaterunser griechisch bete; dies würde ihn dann aller Gefahr überheben, entweder gegen seine Reformirte Orthodoxie, oder gegen die Syntax des Kerndeutschen zu verstoßen. Wenn nun in diesem Abschnitt Hr. Lic. K. endlich auch das als einen Grund anführt, warum er nicht lutherisch, sondern Reformirt sein wolle: weil sich die Reformirte Kirche „frei erhalten" habe von dem lutherischen, aber „exegetisch völlig unhaltbaren: ‚Erlöse uns vom Uebel',“ — so können wir erstens unser Erstaunen darüber nicht verhehlen, daß Hr. K. hiernach zur Bedingung seines Anschlusses an eine Kirche auch dieses macht, daß dieselbe nicht nur nichts dogmatisch Unhaltbares (denn darin würden wir mit ihm übereinstimmen), sondern auch nichts exegetisch Unhaltbares über den Sinn einer Bibelstelle angenommen habe. Es ist das etwas durchaus Unerhörtes, indem bis jetzt die rechtgläubigen Christen mit Paulus nicht mehr gefordert haben, als daß die „Weissagung dem Glauben ähnlich" sei.*) Es ist aber auch nichts, als eine dreiste leere Behauptung, wenn Hr. K. sagt, die Lutherische Uebersetzung und die darin zugleich liegende Auslegung sei exegetisch unhaltbar. Oder womit will dies unser Herr Antagonist beweisen? Glaubt er etwa, daß Luthers Auslegung in diesem Falle einen griechischen Solöcismus involvire, wie bei „Vater unser" einen deutschen? Da würde er hier ebenso gründlich jrren, wie dort. Welches hermeneutische Princip wäre es aber sonst, vermöge dessen Luthers Uebersetzung sich als unhaltbar heraus stellen sollte? Wir vermuthen, Hr. K. hält die reformirte Eintheilung des Vaterunsers in sechs Bitten, bei welcher die sechste und siebente Bitte für Eine Bitte (wie das neunte und zehnte Gebot für Ein Gebot) ge⸗ in der deutschen Grammatik allein von ihm lernen können, das wünsche ich nicht allein allen Lehrern, sondern auch den Schülern der Gymnasien ernstlich an das Herz zu legen, zumal in einer Zeit, in welcher die Meisterlosigkeit an der Tagesordnung ist, und jeder lieber mit seinen eigenen halben Gedanken denkt, als mit den ganzen eines Meisters." Die hier hervorgehobenen Worte sind von Vilmar selbst unterstrichen. *) Haben wir doch auch im September-Heft gesehen, daß Hr. K. im Widerspruch mit seiner gegenwärtigen Behauptung selbst nicht mit der Exegese seines Reformirten Symbols, des Heidelberger Kat., übereinstimmt, welcher nach Fr. 71. Tit. 3, 5. von der Taufe auslegt.