# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 30_S160 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) und wundert ſich, was ein ſo berühmter geiſtlicher Mann ſo oft vor dem Spiegel mache. Als ſie ihm nun einſt mit Lachen zuſah, wendet er ſeinen Spiegel unvermuthet um und hält ihr mit be⸗ trübtem Geſicht die traurige Geſtalt ihres gekreu⸗ zigten Heilandes entgegen. Ueber dieſen unver⸗ mutheten Anblick hat ſich das Weib dermaßen verändert, daß ſie dieſen Spiegel von dem Mönche begehrt, indem ſie ſagte, daß ſie ſich vor⸗ genommen habe, hinfort keinen andern zu gebrau⸗ chen, und dieſes Bild ihrem lüſternen Fleiſche, ſo oft es ihr etwas Böſes zumuthen würde, entge⸗ gen zu halten. Privatcorreſpandenz aus Elberfeld vam 4. April 1848. . . . Furchtbar entwickeln ſich hier die Zuſtände, ſo daß die hieſigen Chriſten an das Ende glau⸗ ben, und darüber beginnen nachzuſinnen, ob Ame⸗ rika der verheißene Zufluchtsort ſei, oder Jeru⸗ ſalem. . . Das ganze kirchliche und Schulſyſtem iſt geſtürzt.. . Du wirſt fragen: was wird das Proletariat (die Armen) thun? — In blinder Wuth zerſtören; und es zieht ein Gericht fürchter⸗ lich ernſter Natur gegen den Kaufmannsſtand, zu deſſen Füßen Europa geknechtet lag, herauf, daß man es nun einſieht: es iſt nicht gut, ſo viele Menichen von dem Willen eines Reichen abhängig zu ſtellen, es iſt eine Leibeigenſchaft, ärger als die im Mittelalter der Klöſter und Ritter; die achteten noch mehr im Menſchen, als dieſes ſtolze, kalte Geldvolk. Die hungrigen, unbeſchäftigten Ar⸗ beiter zerſtören bereits in Solingen, hier, Iſerlohn die Fabriken am hellen Tage in geſchloſſenen Co⸗ lonnen bis auf den Grund; in Weſtphalen, Süd⸗ deutſchland verbrennen ſie die Schlöſſer.. . Nun beginnt man zu ſpät darüber nachzudenken, wie man dem armen Volke helfen ſoll und kann. Reſultat: die politiſche Revolution iſt vorbei, die ſociale, communiſtiſche beginnt, und weil das Chriſtenthum hier bei uns nicht com⸗ muniſtiſch im edlen Sinne geweſen iſt, wird der Communismus ein ſchreck— liches Gericht halten. — Da wird es dich nicht Wunder nehmen, daß Schaaren ſich zur Auswanderung rüſten, und könnten alle ihre Güter verkaufen (aber keiner will jetzt was), ſo gingen viele jetzt, beſonders Chriſten. Die Zu⸗ ſtände ſind ſo fieberhaft und Gefahr verkündend, daß wir vielleicht ſehr bald um jeden Preis hin⸗ über müſſen, die nach Chriſtenthum noch was fragen.. . Es denken der Chriſten viele daran, Colonien dort zu gründen, u. ſ. w. (Der freie deutſche Katholik.) Beiſpiel papiſtiſcher Marienverehrung. In Mecklenburg, wo die Reformation ſchon im Jahre 1523 unter Herzog Heinrich die erſten Wurzeln ſchlug, wurde endlich im Jahre 1534 eine Kirchenviſitation gehalten und darüber ein Protokoll aufgenommen, aus welchem Dr. Engelcken (in der Vorrede zu Schomeri Colle- gium Antipontificium) Folgendes mittheilt: Zu Muchau bei Grabow hat ſich ein päbſtiſcher Prediger, mit Namen Heinrich Wackerbecke, ge⸗ funden, der noch heutiges Tages anſtatt des Wortes Gottes verführeriſche Teufe slehre vor⸗ trägt. Unter andern hat er am Tage Mariä Heimſuchung gepredigt: „Es war ein boſer, arger, mörderiſcher Menſch, der ſein Lebelang alle Schande und Sünde getrieben hatte. Da er nun ſterben wollie, begehrte er das Sacrament, wel⸗ ches ihm der Kirchherr (Prieſter) verweigerte, da er keine Buße thun wollte. Doch bat er, daß man ihm um der heiligen Jungfrau willen das Sacrament auf die Bruſi ſetzen ſollte. So 160 iſt er geſtorben und an den Himmel gekommen. Zu der Zeit iſt IEſus mit Maria eben ſpazieren gegangen und hat den Sünder nicht anſehen wol⸗ len. Da ſpricht Maria: Ach, lieber Sohn, er⸗ barme dich über dieſen Menſchen und laß ihn in den Himmel. JEſus antwortet: Er hat mir nicht gedienet noch geglaubt, darum ſoll er auch nicht ſelig werden: er kann auch nicht, denn ich bin allein die Thür zum Himmel. Maria fährt fort mit Bitten, aber IEſus hört nicht. So ſpricht denn endlich Maria: Nun, lieber Sohn, ob du wohl allein die Thür biſt zum Himmel, ſo bin ich doch wohl auch ein Fenſter; willſt du ihn nicht zur Thür hereinlaſſen, ſo ſoll er durchs Fenſter hinein kom⸗ men. Mit den Worten zieht ſie den Sünder durchs Fenſter in den Himmel, dieweil er ſie noch im Sterben angerufen hatte, und ſo wird er ſelig. Ihr ſehet, hat endlich der Redner geſchloſſen, ihr lieben Brüder, daß uns nicht allein Chriſtus, ſondern auch alle andere Heiligen mehr, und ſon⸗ derlich die heilige Jungfrau, in den Himmel hel— fen kann.“ Sei behutſam im Bekennen deiner Sünden. „Hernach ſo mußt du, o Seele, in ſolchem Be⸗ kennen ſehr behutſam ſein. Manche Anfänaer im Chriſtenthum meinen, wenn ſie die Sündenangſt drücket, ſie müßten jedermann alles offenbaren, durch welches unbeſonnene Verfabren ſie oft mehr Aergerniß und Schaden, als Nutzen ſtif⸗ ten. Nein, o Seele, haſt du deinen Nächſten heimlich z. B. mit Diebſtahl beleidiget, ſo mußt du zuvor wohl prüfen, ob der Beleidigte ſolches Bekennen könne tragen, daß er nicht dadurch in einen unverſöhnlichen Haß gegen dich verfalle. So darfſt du auch deine anderen heimlichen Sün⸗ den nicht jedem offenbaren: ſondern du mußt ſorgfältig zuſehen, ob derjenige, dem du deine heimlichen Sünden bekennen willſt, er ſei nun ein gemeiner Chriſt, oder ein Kirchendiener, treu, ver⸗ ſchwiegen und geſchickt ſei, dir in deinem verbor⸗ genen Seelenanliegen Unterricht, Rath und Troſt mitzutheilen, mit deinen Schwachheiten und Ge⸗ brechen Geduld zu haben und nicht nach der Schärfe mit dir zu verfahren; widrigenfalls du dir den größten Schaden zuziehen oder doch troſt⸗ los und elend bleiben würdeſt. Ueberhaupt merke davon Folgendes. Hätteſt du jemand beletdiget, der ſchwach wäre, ſo müßteſt du nur das bekennen, was ſelbiger ſchon weiß, von dir wider ihn gere⸗ det oder gehandelt zu ſein; das Uebrige aber, was ſonſt in deinem Herzen, dem Belerdigten unw ſ⸗ ſend wider ihn vorgegangen, müßteſt du Gott all⸗ ein beichten und abditten. Haſt du es aber gar mit Böſen zu thun, ſo mußt du noch viel behur⸗ ſamer und vorſichtiger ſein, weil ſelbige dein Be— kenntniß theils zu deinem Schaden, theils zu Ver— mehrung ihrer eigenen Sünden, theils zumn Aer⸗ gerniß anderer mißbrauchen dürften. Daher mußt du ſolchenfalls zwar, wenn ſie durch Unterlaſſung deines Bekenneniſſes ſich mehr verhärten und är⸗ ger werden möchten, gegen ſie bekennen, daß und wiefern du ihnen zu nade geihan, doch aber auch ihnen unnöthiger Weile keine Waffen wider dich in die Hände geben, damil ſie ſich ſchwerer an dir verſchulden könnten. Kurz, dein Bekenntniß muß aus der Liebe fließen und ſowohl auf die Wohl⸗ fahrt des beleidigten Nächſten, als deine eigene und anderer abzielen. Wurdeſt du nun aber durch unzeitiges und unumſchränktes Bekenntniß deinem Nächſten zu mehreren Sünden Anlaß geben, ſo würdeſt du an ſolchen mehreren Sünden mit Schuld werden und anſtatt des intendirten Nutzens dir und ihm, ja auch wohl anderen Schaden ver⸗ urſachen. Davor ſei gewarnt!“ (Jo h. Porſt's Theol. viatorum practica oder die göttliche Führung der Seelen. II. Bd. 22. B. § 13.9 — Der Binde⸗ und Loöſeſchlüſſel. „Der Bindeſchlüſſel treibet das Werk des Geſetzes, und iſt dem Sünder nütz und gut, damit daß er ihm dienet, offenbart ihm ſeine Sünde, vermahnet ihn zur Furcht Gottes, er⸗ ſchreckt und bewegt ihn zur Buße, und nicht zum Verderben. Der Löſeſchlüſſel treibet das Werk des Evangelii, locket zur Gnade und Barn⸗ herzigkeit, öſtet, und verheißt Leben und Selig⸗ keit, durch Vergebung der Sünde. Und Summa, ſie ſind Executores, Ausrichter und Trei⸗ ber des Evangelii, welches (während dieſes) ſchlecht dahin predigt dieſe zwei Stücke, Buße und Vergebung der Sünde. Lut. 24, 47.“ (Luthers Schrift von den Schlüſſeln vom J. 1530.) NB. Wir meinen, dieſer Ausſpruch Luthers zeige, daß auch jene Worte in der Harleß'ſchen Zeitſchrift eine orthodore (rechtgläubige) Deutung zulaſſen: „Die Vollmacht, Sünde zu vergeben, iſ mit der, das Evangelium zu predigen, nicht ein und dieſelbe. Etwas Anderes iſt es, lehren, durch wen und wie man Vergebung der Sünden erlangen könne; eiwas Anderes, dieſe Vergebung mittheilen.“ („Lutheraner“, Jahrg. IV, S. 84., Spalte 3.9 Schuhe vom Bäcker. Der Prediger Dr. Lyſius, ein durch Glau⸗ benefeſtigkeit und Gebetseifer ausgezeichneter Chriſt, war einſt ſo in Mangel, daß er in zer⸗ riſſenen Schuhen gehen mußte; und um ſeiner Frau dies zu verbergen, putzte er ſie ſich ſelbſt, und behielt ſie immer auf ſeinem Studirzimmer. Da ſchickte ihm ein Bäcker ein paar neue Schuhe. Seine Frau wunderte ſich nicht wenig, daß vom Bäcker nicht Brod komme, ſondern Schuhe. Der gläubige Beter aber antwortete: „Unſer himmliſcher Vater wußte wohl, daß noch Brod im Schranke, aber kein ganzer Schuh an meinen Füßen iſt.“ Hiermit wies er ſeiner Frau ſeine Füße, und ſie erſtaunte über dieſen Beweis der väterlichen Liebe Gottes. Dem ſchlechten Menſchen ſcheint die heilige Schrift ſchlecht, dem Thoren thöricht, dem Un⸗ reinen unrein, dem Eiteln überflüſſig; dem Wei⸗ ſen aber iſt ſie voll Weisheit und Wahrheit. Bonaventura. Die Deutſche Evangeliſch⸗Lutheriſche Synode von Miſſouri, Ohio u. a. St. hält ihre nächſten Sitzungen in St. Louis, Mo., vom zweiten Mittwoch nach Pfingſten an, am 21. Juni bis 1. Juli. Die eintreffenden Brüder wollen die Wohnung des Ortspfarrers erfragen bei Herrn L. Pechmann, Deutſche Glas⸗ und Porzellan⸗Waaren-⸗Handlung, No. 22 Main⸗ ſiraße, in der Nähe des Alten Marktes. Erhalten 50 Cts. von Hrn. Gottf. Rauſch für die Miſſions⸗Caſſe. $8.00 von Hrn. P. A. Hordof und ſeiner Gemeinde in Dayton, O., für die Gemeinde in Palmyra, Mo. $1.82 von der St. Jacobi-Gemeinde zu Wittenberg, Franklin Co., Ohio. $2.57 von der St. Johannis-Gemeinde daſelbſt. 61 Cts. von einem Ungenannien. $5.00 für das Seminar zu Altenburg, Perry Co., Mo. Bezahlt. Den 3. Jahrg. Hr. P. Hordorf. Den 4. Jahrg. Die HH. P. Albrecht, Conr. Bitten⸗ baum, jun., Chrn. Graß, P. Hordorf, P. Hengiſt, J. Hermann, Wilh. Hilskötter, F. Jaquet, P. Lautenſchlager, Heinr. Wesley. Für No. 20. des 4. Jahrg. bis mit No. 19. des 5. Jahrg. Die HH. John Boll, Geo. Gohn, H. Gerke. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.