# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1863_S324 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 324 Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. selben entdeckt haben sollte, ist kaum zu glauben. So bleibt denn nichts übrig, als die Vermuthung, daß der Herr Licentiat diese Zärtlichkeit darin erblickt, daß sich die Lutheraner diese schriftlichen Documente, die sie von der alttestamentlichen Kirche aus der Zeit nach den Propheten geerbt haben, nicht nehmen lassen wollen und dieselben, damit auch das Volk sie haben möge, sie lesen und mit Gottes Wort vergleichen könne, den biblischen Büchern gesondert beibinden lassen. Wie dies aber Hrn. K. ein Grund sein kann, warum er nicht lutherisch, sondern Reformirt sein wolle, ist uns in der That kaum begreiflich. Wahrscheinlich wird er die große Bibel des Reformirten Tossanus jeder lutherischen vorziehen, aber auch in dieser finden sich die Apokryphen und zwar mit der Bemerkung, daß sie aufgenommen seien, weil es nicht unnützlich sei, sie zu lesen! Es ist allerdings wahr, daß schon die Dortrechter Synode damit umgegangen ist, die Apokryphen aus dem Convolut der kanonischen Bücher zu entfernen und daß sie allein um des Anstoßes willen, den sie davon fürchtete, nicht gewagt hat, dies auszuführen. Allein was ist die ängstliche Besorgniß der Reformirten Kirche, daß kein menschliches Buch mit den göttlichen Büchern zusammengebunden werde, wenn sie zugleich, wie sie thut, die Vernunft zur Richterin über Gottes Wort macht, wenn sie, wo ein Wort Gottes ihrer Vernunft widerspricht, dasselbe nach den Forderungen ihrer Vernunft umdeutet und in die kanonischen Bücher selbst ihre Menschengedanken einschwärzt? Was ist ein äußerliches Kniebeugen vor den vom heiligen Geiste eingegebenen Schriften, wenn sich ihre Vernunft, ihr Herz nicht davor beugen will? Es erinnert dies an die Juden, welche alle Sylben und Buchstaben des heiligen Codex zählten, aber durch die Worte: „Der HErr hat gesagt zu meinem HErrn," sich nicht fangen lassen wollten. So mag denn Hr. K. seine Reformirte Bibel ohne Apokryphen, aber mit seinen Zwinglianischen und Calvinischen Vernunftglossen behalten, wir wollen unterdessen bei unserer Lutherbibel mit den Apokryphen, aber ohne Vernunftauslegung, wie sie lautet, bleiben. In dem Folgenden geht nun der Hr. Licentiat zu immer wichtigeren Gründen für seinen Abscheu vor der lutherischen Kirche und für seine kindliche Anhänglichkeit an die Reformirte über. Er schreibt nehmlich: „Römischer Sauerteig ist die lutherische Zählung der 10 Gebote, bei welcher sie unbefugter Weise das zweite Gebot fortstreicht und das zehnte Gebot auseinanderreißt, um nur die Zehnzahl herauszubringen. Von dieser Verstümmelung und Verunstaltung des heiligen Gesetzes Gottes hat unsere Reformirte Kirche sich frei erhalten. Ebenso von dem undeutschen ebenfalls romanisirenden ,Vater unser' und von dem exegetisch völlig unhaltbaren; ,Erlöse uns vom Uebel,' was selbst von Luther im großen Katechismus verworfen wird, indem er unter dem poneros (?) Matth. 6, 13. den Bösen, den Teufel versteht." Randbemerkungen: Wir müssen gestehen, so läppische Gründe gegen die lutherische Kirche und für die Reformirte hätten wir von einem Licentiaten der Theologie nicht erwartet. Bekanntlich sagt die heilige Schrift selbst nicht, welches das zweite, welches das dritte Gebot u. s. f. sei, denn die