# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1863_S323 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. 323 unsere Kirche ihre Bekenntnisse zwar nur für menschliche „Zeugnisse;" aber nicht für Zeugnisse der Irrthümer früherer Zeiten, sondern der Wahrheit angesehen hat und noch ansieht und weil sie daher demjenigen, welcher ihr Diener werden will, erst die Frage vorlegt, ob er ihre Bekenntnisse, nicht nur insofern, sondern weil sie mit Gottes Wort übereinstimmen, annehme und nach denselben sein Amt verwalten wolle. Nichts aber kann thörichter sein, als darum unsere Kirche der Symbololatrie zeihen zu wollen. Wäre das wirklich Symbolvergötterung, zu behaupten, daß die in den Symbolen enthaltene Lehre die reine göttliche Wahrheit enthalte, so könnte kein Prediger, ohne Abgötterei zu begehen, sagen, daß er seiner Gemeinde das reine Wort Gottes gepredigt habe. Nur ein Skeptiker, der überhaupt an dem Auffinden der reinen Wahrheit verzweifelt hat, der immerdar lernt, aber nimmer zur Erkenntniß kommt, kann in der Behauptung, daß kirchliche Bekenntnisse die lautere Wahrheit enthalten, Symbololatrie erblicken. Hat also Hrn. K. die Freiheit, die er etwa in der Reformirten Kirche hat, von deren Bekenntnissen abzugehen, die er freilich in der lutherischen Kirche in Absicht auf die Bekenntnisse derselben nicht findet, von dieser abgestoßen und zu jener hingezogen, so liegt bei ihm der Grund, warum er nicht lutherisch, sondern Reformirt sein will, unter Anderem auch in seinem Skepticismus. Ob aber dieser Grund seiner Wahl wirklich für und nicht vielmehr gegen den angeblichen Vorzug der von ihm auserkornen Kirche spricht, bedarf, meinen wir, keines Nachweises. Der andere Schlag, welchen Hr. K. hier unserer Kirche zu versetzen sucht, ist ein ziemlich gnädiger. Er wirft derselben nehmlich zugleich nur eine „gewisse Zärtlichkeit gegen die Apokryphen" vor. Worin freilich diese Zärtlichkeit bestehen soll, ist schwer zu sagen. Etwa darin, daß diese Bücher in der Lutherbibel die Ueberschrift tragen: „Apokrypha, das sind Bücher, so der heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind?" Oder darin, daß in allen lutherischen Dogmatiken und polemischen Schriften gegen die Papisten auf das ausführlichste mit vielen Gründen der äußeren und inneren Kritik nachgewiesen wird, daß die Apokryphen nicht zum Kanon gehören, ja, daß sie grobe dogmatische und historische Irrthümer enthalten, mit sich selbst im Widerspruch stehen und daß daher aus ihnen kein Beweis für irgend einen Glaubensartikel geholt werden könne? Oder steckt etwa jene „Zärtlichkeit" darin, daß Luther, weil sich die Papisten für ihre Messe auf die Bücher der Maccabäer beriefen, ihnen das Zugeständniß gemacht hat: „Wiewohl dies Buch Maccabäorum nicht in der Zahl der heiligen Schrift ist, so wollen wir doch diesmal zum Ueberfluß und zum Dienst den Lügnern diesen Text lassen gelten, als sonst eines frommen heiligen Mannes Rede, der dennoch wohl zuweilen etwas Gutes und Wahrhaftiges reden könnte, ob man gleich nicht schuldig ist, dasselbe zu glauben, weil er ohne Schrift und Gottes Wort redet?" (Widerruf vom Fegfeuer vom J. 1530. S. Luthers WW. Erl. Ausg. XXXI, 187.) Daß Hr. K. in dieser Behandlung der Apokryphen eine besondere Zärtlichkeit gegen die⸗