# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1863_S317 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 317 In Baden giebt der Ober⸗Kirchenrath dem Andringen der liberalen Fortschritts⸗ parthei immer mehr nach. Dies hat er kürzlich wieder dadurch bewiesen, daß er aus dem neuen Katechismus 70 Fragen und 91 Sprüche, also etwa die Hälfte, als solche bezeichnet hat, die nicht auswendig gelernt zu werden brauchen. (Ebendas.) Von Dr. Sylv. Woodward, einem presb. Prediger in New Orleans, der am 30. Juni starb, wird in seinem Nachruf gesagt, daß er niemals seinen Text aus der Bi⸗ bel. sondern stets aus den Zeitungen nahm, an den politischen Fragen sich aber nicht bethei⸗ ligte. (Ebendas. Dr. Friedrich Strauß, der bekannte Verfasser der „Glockentöne,“ früher Predi⸗ ger in Elberfeld (seit 1822 Hofprediger und Prafessor in Berlin), ist, wie die Neue Ev. Kirchenzeitung vom 25. Juli meldet, vor Kurzem gestorben. Hannover. Daher schreibt ein Freund unter dem 5. August unter Anderem Fol⸗ gendes: — „Ich kann diesmal nur das Wenige beifügen, daß auf Betrieb der so oft erwähnten Kir⸗ chenfeinde die Regierung fortfährt, möglichst den Frieden zu erhalten und daher gegenwär⸗ tig überall Vorwahlen zu einer Synode angestellt werden. Man wählt wie ich höre ziem⸗ lich gerade die Männer wieder, die in Celle getagt hatten, als ich Ihnen zuletzt schrieb. Schöne Aussichten für die Zukunft! Wie wird es werden, wenn schon jetzt kein Prediger mehr die lutherische Agende vollständig gebrauchen darf? Wohl haben die ernstgesinnteren auf der Pfingst⸗Conferenz zu Hannover laut den Nachrichten die darüber im Umlauf sind, sich entschlossen, Stand zu halten. Aber selbst über scharfe Aeußerungen in der Predigt ist wie ich mich erinnere Jemand vor Gericht gezogen worden. Und die Schranken der Kanzel waren doch bisher dem alten Bekenntniß, so weit es sich hier hervorwagte, als enge Grenze noch gelassen. — Es scheint in der That über die Wahrheit verhängt zu sein, daß sie sich in unsern Tagen des Schutzes begeben soll, den sie in früheren Jahrhunderten bei Fürsten in der Landeskirche fand. Ich bin nur begierig zu erfahren, ob später bei uns Diejenigen, welche offenbar hinaus gedrängt werden, den Schutz und Schirm Abrahams erproben mögen.“ Pfarrer Bollart in Clodra, der sich, wie früher berichtet worden, von seiner Lan⸗ deskirche getrennt und eine gesonderte luth. Gemeinde, Adventsgemeinde genannt, gegründet hat, hat für letztere von der Regierung des Fürstenthums Reuß jüngere Linie, obwohl noch informell, Anerkennung erhalten. Derselbe gibt auch seit einem Jahre ein Blatt heraus, welches namentlich alles Landes⸗ und Staatskirchenthum bekämpft. Der Titel des Blattes ist: „Gideon. Kirchliches Blatt für evangelische Wahrheit und Freiheit.“ (Leipzig bei E. Bredt, Preis 11¼ Ngr. oder 42 Kr.) Der „Freimund“ sagt: „Sprach Freimund No. 32 die Besorgniß aus, es möchte „Gideon“ dem Fanatismus anheim fallen, so enthalten leider die späteren Nummern Belege genug, die diese Besorgniß rechtfertigen.“ Dr. Graul ist, wie wir aus einer deutschen Zeitschrift vom 1. Juli vernehmen, schon seit Jahr und Tag auf das Krankenbett gelegt. Möge der HErr den theuren Mann bald wieder aufrichten! Haag und Eichhorn. Der Prozeß um das Kircheneigenthum, zu welchem dieje⸗ nigen Glieder der Gemeinde Pastor Eichhorns, welche zu Haag abgegangen waren, ersteren gedrungen hatten, ist zu dessen Gunsten entschieden worden; obgleich nehmlich das Kirchen⸗ grundstück auf einen der Namen der Abgegangenen eingetragen war, so verloren sie doch, wie Eichhorn schreibt, ihre Sache, „weil sie von der Kirche, ihrem Kirchenregimente und von der Gemeinde erwiesener Maßen abgetreten und somit auch des Gesellschaftseigenthums verlustig geworden seien.“ Straßburg. Auch hier ist in Pastor Horning's Gemeinde eine Separation vorge⸗ gangen. Pastor Diedrich ist dabei der Vermittler gewesen. Was derselbe zur Rechtferti⸗ gung schreibt, klingt fast unglaublich. Er schreibt unter Anderem Folgendes in Ehlers Zeitblatt vom 1. Juli: „Seit ungefähr vier Jahren hatten sich etliche in St. mit großer Seelennoth an mich gewandt. Pastor Horning hatte es ihnen nämlich zur Sünde gemacht in seiner Kirche das