# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1863_S316 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 316 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. wir bedenken, wie willkürlich im Obigen das geistliche und weltliche Regiment einander völlig gleichgestellt sind; wie bodenlos leichtfertig die ganze Argumentation ist, die sich in einer so wichtigen Sache schier in lauter unbegründeten Behauptungen ergeht; wie da so gar nicht im geringsten gefragt wird, was doch das Wort Gottes davon sage, wie eigentlich die Kirche regiert werde; was es mit dem äußeren Kirchen⸗Regiment für eine Bewandtnis habe; wie sich das zur christlichen Freiheit stelle ꝛc.: so können wir schon im Voraus schließen, was das für ein Beweis sein werde. Ach, daß doch solche dürftige Kirchenregimentler lieber gleich zu ihrem Vater, dem Pabst gingen! Der thut es ihnen allen noch weit zuvor und versteht den Handel besser, hat ihn auch länger prakticirt. Seine göttliche Autorität sitzt die Jahrhunderte hindurch fest in den Gewissen von viel Hunderttausenden armer, verführter, betrogener und geknechteter Christenmenschen. Der sitzt, d. h. regiert, wirklich in dem Tempel Gottes — aber — als der Anti⸗Christ. C. Repräsentation in der Methodisten⸗Kirche. Unter dieser Aufschrift enthält der „Lutheran and Missionary“ in seiner Nummer vom 6ten August d. J. ein kleines Seitenstück zu dem Obigen aus der Gemeinschaft der Episcopal⸗Methodisten. Der kurze Bericht lautet wie folgt: „Die letzte Nummer des „Methodist Quarterly“ enthält einen Artikel über „„Laien⸗Repräsentation und Bereisen von Seiten der Bischöfe““ von dem Ehrw. Dr. Whedon, welcher zum Zweck zu haben scheint, der Strömung Einhalt zu thun, die nach einer populäreren Form des Regiments in der Methodisten⸗Kirche hingeht. Dr. Whedon behauptet, daß „„die Verfügung einer Repräsentation dem Bereisen widerspräche,““ und fügt dann hinzu: „„Zerstückelt, entkleidet, des Bischofthums beraubt, congregationalisirt ist die Episcopal⸗Methodisten⸗Kirche todt.““— Arme Kirche, die nicht lebt durch den unvergänglichen Samen des lebendigen Wortes Gottes, sondern mit der bischöflichen Verfassung steht und fällt! C. Curiosum. Ein solches ist uns jüngst durch die Post zugekommen, ein kleines gedrucktes Pamphlet mit dem langen Titel: „6666. d. i. Gedanken über die Zahl 666 der Offenbarung Johannis, oder vielmehr deren Erweiterung in die Zahl 6666. und Versuch einer Erklärung aller prophet. Stellen der h. Schrift aus dieser Zahl.“ Der anonyme Verfasser beginnt zwar mit der Bemerkung, daß es Verwegenheit wäre, wenn er seine seit 1850 vorgefaßte Meinung über den Schlüssel zur Offenbarung Johannis der Christenheit darlegen wollte, ohne zugleich seinen Aufblick zu dem zu richten, der vielleicht es zuläßt, daß hier etwas Besseres geboten wird, als bisher der Fall war; scheint aber in seiner possierlichen Naivität gar nicht zu ahnen, daß es schon Vermessenheit genug ist, seine „vorgefaßte Meinung,“ seine „Einfälle,“ seine „Annahmen“ als Ergebnisse fleißiger Schriftforschung in die Welt hineinzuschreiben. Da muß ja freilich die Strafe auf dem Fuß folgen und so geräth denn der bodenlose Schreiber, der Zeitströmung folgend, nicht nur in den Triebsand des tausendjährigen Reiches, sondern läßt auch zuletzt, der klaren Schrift 1 Mos. 9, 11. und 15. und 2 Petr. 3, 7., 10. und 12 geradezu zuwider, die Welt durch eine zweite Sindfluth untergehen und zwar nach seiner Annahme erst in etwa 3000 Jahren. Nun dann würde freilich eine zweite Sindfluth zwar nicht das Menschengeschlecht, aber doch den letzten Rest gesunden Menschenverstandes ersäufen, die bereits schon immer höher steigende Sindfluth solcher erbärmlichen Produkte unberufener, faselnder Schreiber. Doch der gütige Gott und Vater wird ja um dieses, wie um des vielen anderen Jammers willen mit seinem lieben jüngsten Tag früher, früher in Gnaden darein sehen. C. II. Ausland. Im Canton Waadt in der Schweiz ist ein neues Kirchengesetz gegeben worden, wodurch die Landeskirche der bisherigen schmachvollen staatlichen Bevormundung enthoben wird. Bekanntlich veranlaßte diese, nunmehr endlich beseitigte Bedrückung der Kirche vor Jahren den Austritt sehr vieler Prediger und Gemeinden und die Bildung der „freien Kirche“ von Waadt. (Evangelist.)