# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1863_S302 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 302 Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. arbitrio „sorgfältig gelesen haben,“ können wir (so wenig, wie Hr. Kr.) weder entschieden bejahen, noch verneinen, obwohl auch wir vermuthen, was Hr. Kr. behauptet. Und in der That verdient mindestens jeder lutherische Prediger eine ernstliche Rüge, wenn er es versäumt hat, jenes unvergleichliche Buch nicht nur zu lesen, sondern recht eigentlich zu studiren. Daß Gott alles in allem und der Mensch nichts, Gottes Wort Licht, die menschliche Vernunft Finsterniß ist, dies lehrt, nach der heil. Schrift selbst, wohl kein Buch in der Welt gewaltiger, als jene Schrift gegen den berühmten Humanisten von Rotterdam. Wollte Gott, Hr. Kr. hätte dieses Buch mit einem „einfältigen Auge“ gelesen, so würde er nicht geschrieben haben, „warum wir nicht lutherisch, sondern reformirt,“ sondern warum wir nicht reformirt, sondern lutherisch sind. Oder ist er bei seinem Lesen jenes Buches, um nur dieses Eine zu erwähnen, nicht auf jene Stelle in demselben gestoßen: „Ich sage aber also, man soll alle verdrehete und verblümte Worte (= Tropen) meiden und fliehen, wie Gift, und bei den dürren, klaren Worten bleiben, wo nicht die Schrift selbst zwinget (als, daß sich der einfältige Verstand gar nicht reimet), etliche Sprüche als ein verblümet Wort zu verstehen. Sehet doch nur, wie es Origeni gangen ist, der in Auslegung der Schrift allenthalben viele verdrehete Worte (Tropen) in der Schrift gemacht hat: wie gute Ursache gibt er Porphyrio, alles anzufechten, also, daß auch Hieronymus, der doch Origenem schützet, saget, es thue wenig zur Sache. Item, wie ists gangen den Arianern mit dem verdreheten Wort, welche Christum dafür hielten, daß er Gott mit Namen hieße und nicht mit Wesen Gott wäre, daß er also Gott ohne Gottheit wäre, wie ein Landsfürst ohne Land? Item, wie ist es bei unserer Zeit gangen den neuen Propheten“ (Carlstadt, Zwingli ꝛc.) „(mit den Worten Christi Matth. 26, 26.: Das ist mein Leib, da einer in dem Wörtlein ,das‘, der andere in dem Wörtlein ,ist‘, der dritte in dem Wort ,Leib‘ hat wollen ein verdrehet Wort (einen Tropus) machen? Ich habe sonderliche Achtung darauf gehabt, daß alle Ketzereien und Irrthum in der Schrift nicht aus den einfältigen Worten der Schrift oder der Bibel kommen sind (wiewohl durch die ganze Welt die Sophisten das Sprüchwort aufgebracht haben, die Bibel sei ein Ketzerbuch), sondern aller Irrthum ist daher kommen, daß man die klaren Worte hat fahren lassen und hat sonderliche Auslegung durch angeflickte Folgen und verblümete Worte aus eignem Gehirn erdichtet.“ (Luther's Werke, Walch's Ausg. XVIII. 2272. 2273.) Hr. Kr. sieht, es ist gefährlich, wenn es ein Reformirter öffentlich beklagt, daß die Lutheraner Luther's Schrift de servo arbitrio nicht sorgfältig lesen; denn, thun sie das, so ist dafür, daß sie Reformirt werden, auch die letzte Hoffnung verloren. (Schluß folgt.) sagt nehmlich: das alles kommt daher, weil Gott nicht will, daß solche Menschen selig werden, sondern sie von Ewigkeit zu Sünde und Verdammniß prädestinirt habe.) S. Luther's W. Walch's Ausg. XVIII, 2235. 2236. 2237.