# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1863_S301 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. 301 cationen versehenen,*) Auflagen desselben, welche noch neben sechs verschiedenen Ausgaben der sämmtlichen Werke Luthers, die das Büchlein mitenthalten, erschienen sind;**) dies erhellt auch daraus, daß die Concordienformel sich gerade auf jenes Buch Luther's für ihre Lehre vom freien Willen beruft, wenn sie sagt: „Wie auch Dr. Luther von diesem Handel im Buch de servo arbitrio d. i. von dem gefangenen Willen des Menschen wider Erasmum geschrieben und diese Sache wohl und gründlich ausgeführt und erhalten.“ Daß aber die luth. Kirche etwa nichts destoweniger von der in jener Schrift enthaltenen Lehre vom freien Willen „völlig abgewichen“ sei, ist eine leere Behauptung, für welche, wenn sie Berücksichtigung verdienen sollte, erst von unserem Gegner der Beweis zu versuchen wäre. Der Beweis hingegen, daß Luther's Lehre in den Artikeln vom freien Willen, von dem Gnadenwillen Gottes, von der Erlösung, von der Berufung, von der Prädestination ꝛc. von der Lehre Calvin's über diese Artikel, trotz alles mitunter scheinbarem Zusammentreffens im Ausdruck, himmelweit verschieden sei, ist schon oft unwiderleglich geführt worden.†) Daß es, wie Hr. Kr. sagt, sehr wenige Lutheraner gibt, welche Luther's Buch de servo *) Deren schon Fabricius in seinem Centifolium Lutheranum einer bedeutenden Anzahl Erwähnung thut. S. 435. 822. 823. **) Unter den acht deutschen und lateinischen Ausgaben der Werke Luthers enthält nur die Zenaer deutsche, wie alle anderen ursprünglich lateinisch geschriebenen Schriften desselben, das Buch de servo arbitrio nicht und die ihrer Vollendung entgegengehende Erlanger Ausgabe ist leider! noch nicht so weit vorgeschritten, um auch diese Schrift mitzuenthalten. — Calvin's sämmtliche Werke — dies hier nur beiläufig — haben nur zwei Auflagen erlebt, von denen die letzte die Amsterdamer von 1671 ist. †) Wir erinnern hierbei nur an folgende Schrift: „Defensio pro theologis evangelicis seculo reformationis, sigillatim Luthero, Melanchthone, Bugenhagio, Sarcerio, Regio, Althamero, Corvino, Flacio, Heshusio, Sim. Pauli, Jac. Andreae, Brentio, Heerbrando, Balth. Bidembachio, L. Osiandro sen., Chemnitio, Kornero, Musculo, Kirchnero; adversus dicam particularismi ipsis impactam. Autore Gust. Lisseo. 1724.“ (4.), in welcher Schrift, wie der Titel schon bezeugt, nicht nur Luther, sondern alle bedeutenderen luth. Theologen des 16. Jahrhunderts durch Citate aus ihren eigenen Schriften wider die Anschuldigungen des Particularismus schlagend vertheidigt werden, nachdem ihnen gewisse Tübinger Theologen (J. C. Klemm, C. M. Pfaff) im Interesse der Union diesen calvinistischen Irrthum beigemessen hatten. Lisse nimmt seine Belege meist aus andern Schriften Luther's. Wir erinnern hier an folgende Stellen aus seiner Schrift de servo arbitrio: „Gott trauert nicht um den Tod des Sünders, den er wirket, sondern trauert um den Jammer und Tod, den er findet an dem Menschen, und wollte den gerne wegnehmen. Er will, daß alle Menschen sollen selig werden, 1 Tim. 2, 4., dieweil er durch das Wort des Geistes zu allen kommen ist; und ist unsers Willens Schuld, daß wir ihn nicht annehmen, wie der HErr Christus Matth. 23, 37. saget: Wie oft habe ich wollen deine Kinder sammeln, wie die Henne ihre Hühnlein unter die Flügel; und du hast nicht gewollt“ Warum aber die göttliche Majestät den Mangel unsers Willens nicht wegnimmt oder ändert in allen Menschen, so doch der Wille nicht in unserer Gewalt oder Macht ist, oder warum Gott das unserm Willen Schuld gibt, so doch der Mensch den Willen nicht kann noch vermag wegzulegen: das soll niemand forschen noch fragen. Und wenn du lange fragest, so findest du doch das nimmermehr, wie Paulus zun Römern am 9. v. 20. sagt: Wer bist du aber, der du wolltest Gott antworten?“ (Wir setzen hinzu: ein Calvinist weiß das alles vortrefflich, er