# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1863_S300 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 300 Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. der Werke, sonst würde Gnade nicht Gnade sein. 2 Tim. 1, 9.: Der uns hat selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Vorsatz und Gnade, die uns gegeben ist in Christo Jesu vor der Zeit der Welt.“*) An einer anderen Stelle wiederholt dies Gerhard mit folgenden Worten: „Wir bekennen mit lau⸗ ter Stimme, daß wir dafür halten, daß Gott nichts Gutes in dem zum ewigen Leben zu erwählenden Menschen gefunden habe und daß er weder auf gute Werke, noch auf den Gebrauch des freien Willens, ja, auch nicht auf den Glauben selbst so gesehen habe, daß er, da⸗ durch bewogen, oder um deßwillen Einige erwählt habe: sondern wir sagen, daß einzig und allein Christi Verdienst dasjenige sei, dessen Wür⸗ digkeit Gott angesehen und daß er aus bloßer Gnade den Rathschluß der Erwählung gefaßt habe.“**) Wie nun hiernach ein Mann mit gesundem Verstande unserer Kirche auch nur einen Hauch von römisch⸗katholischem Pelagianismus oder Semi⸗ pelagianismus zumessen kann, das ist völlig unerklärlich. Daß Hr. Lic. Krummacher dies thut, können wir uns, wie gesagt, nur daraus erklären, daß er die Bekenntnisse unserer Kirche entweder gar nicht kennt, oder dieselben doch nur im höchsten Grade flüchtig und mit der gefärbten Brille seiner calvinischen Vorurtheile durchblättert habe, oder daß er die Lehre unserer Kirche nach den falschen Propheten beurtheilt, die auf unseren Lehrstühlen sitzen. Welche von diesen Lösungen aber immerhin die richtige sein möge, eine jede derselben ist für einen Licentiaten der Theologie, der sogar öffentlich als Polemiker auftreten will, höchst beschämend, und zeigt, daß er seine Wahl zwischen der lutherischen und Reformirten Kirche mit verbundenen Augen traf. Wenn Hr. Kr. übrigens sagt: „Die luth. Kirche ist in dieser Beziehung von der Lehre Luther's in seinem Buche de servo arbitrio völlig abgewichen; sie ignorirt dieses Buch, das Luther selbst noch in seiner späten Lebenszeit als sein bestes Büchlein anerkannt hat“ — so ist das einfach eine Unwahrheit. Daß die luth. Kirche das Buch nicht ignorirt habe, zeigen nicht nur die sehr zahlreichen, zum Theil mit ausführlichen Commentarien und Vindi⸗ *) „Nullis hominum meritis, nulla humani generis dignitate, quin nec praevi- sione operum, vel fidei motus est Deus, ut quosdam ad vitam aeternam eligeret, sed soli indebitae et immensae ipsius gratiae in solidum hoc asscribendum. Eph. 1, 6. Rom. 11, 5. 2 Tim. 1, 9.“ Loc. de electione et reprobatione § 52. **) „Sonora voce profitemur, nos statuere, quod Deus nihil boni in homine ad vitam aeternam eligendo invenerit, quod nec bona opera, nec liberi arbitrii usum, neque adeo ipsam etiam fidem ita respexerit, ut hisce motus vel propter ea quos- dam elegerit; sed unicum et solum Christi meritum illud esse dicimus, cujus dig- nitatem Deus respexerit et ex mera gratia decretum electionis fecerit.“ L. c. § 161. Es ist hiernach ein großer Unterschied, ob man sagt: Gott hat diejenigen erwählt, von denen er voraussah, daß sie glauben und im Glauben bleiben würden; oder ob man sagt: Gott hat Einige erwählt, weil er voraussah, daß sie glauben und im Glauben bleiben würden, oder um ihres Glaubens willen. Ersteres ist ganz richtig nach Röm. 8, 29., Letzteres pelagianisch.