# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1863_S299 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. 299 mit den Calvinisten eine Vernunftbrücke über den gähnenden Abgrund dieses unerklärlichen Geheimnisses, läßt beides stehen und betet in Demuth Gott in seiner unbegreiflichen Weisheit an, die Lösung dieses scheinbaren Widerspruch's im ewigen Leben erwartend. So erklärt denn die Concordienformel: „Wie Gott nicht ist eine Ursach der Sünden, also ist er auch keine Ursach der Straf der Verdammniß, son⸗ dern die einige Ursach der Verdammniß ist die Sünde.“ Sie schreibt ferner: „Demnach verwerfen wir folgende Irrthümer: 1. Als wann gelehret wird, daß Gott nicht wolle, daß alle Menschen Buße thun und dem Evan⸗ gelio gläuben. 2. Item, wann Gott uns zu sich berufe, daß es nicht sein Ernst sei, daß alle Menschen zu ihm kommen sollen. 3. Item, daß Gott nicht wolle, daß jedermann selig werde, sondern unangesehen ihre Sünde allein aus dem bloßen Rath, Vorsatz und Willen Gottes zum Verdammniß verordnet, daß sie nicht können selig werden.“ Zugleich aber verwirft sie als Irrthum: „4. Item, daß nicht allein die Barmherzigkeit Gottes und aller⸗ heiligste Verdienst Christi, sondern auch in uns eine Ursach sei der Wahl Gottes, um welcher willen Gott uns zum ewigen Leben erwählet habe. Welches alles lästerliche und erschreckliche irrige Lehren sein, dadurch den Christen aller Trost genommen, den sie im heiligen Evangelio und Gebrauch der heiligen Sacramente haben und dero⸗ wegen in der Kirchen Gottes nicht sollten geduldet werden.“ Was hier die Con⸗ cordienformel in der letzten Antithesis negativ ausdrückt, drückt sie anderwärts positiv aus, wenn es darin heißt: „Die ewige Wahl Gottes aber siehet und weiß nicht allein zuvor der Auserwählten Selig⸗ keit, sondern ist auch aus gnädigem Willen und Wohlgefallen Gottes in Christo Jesu eine Ursach, so da unsere Seligkeit und was zu derselben gehört schaffet, wirket, hilft und befördert; darauf auch unsere Seligkeit also gegründet ist, daß die Pforten der Höllen nichts darwider vermögen sollen; wie geschrieben stehet: Meine Schafe wird mir niemand aus meiner Hand reißen; und abermals: Und es wurden gläubig, so viel ihr zum ewigen Leben verordnet waren.“ So setzt denn die Concordienformel zum Schlusse hinzu: „Wann wir so fern in diesem Artikel gehen, so bleiben wir auf der rechten Bahn, wie geschrieben stehet Oseä 13.: Israel, daß du verdirbest, die Schuld ist dein; daß dir aber geholfen wird, das ist lauter meine Gnade.“ Hier⸗ mit stimmen denn auch alle rechtgläubigen Theologen unserer Kirche. So schreibt z. B. Johann Gerhard: „Durch keine Verdienste der Men⸗ schen, durch keine Würdigkeit des menschlichen Geschlechts, ja, auch nicht durch das Vorhersehen guter Werke oder des Glaubens ist Gott bewogen worden, daß er Einige zum ewigen Leben erwählte, sondern es ist dieses durchaus allein seiner unverdienten und unermeßlichen Gnade zuzuschreiben. Ephes. 1, 6.: Er hat uns erwählet zu Lobe seiner herrlichen Gnade. Röm. 11, 6.: Ist es aber aus Gnaden, so ist es nicht aus Verdienst