# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1863_S298 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 298 Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. absoluten Willen nicht selig machen wolle, sondern sie von Ewigkeit zur Sünde und zur Verdammniß bestimmt habe, und daher auch nicht ernstlich berufe, daß also Gott die Ursache der Sünde und Verdammniß sei; so behauptet sie keineswegs zugleich, daß hingegen die Ursache der Erwählung und Seligkeit der Auserwählten ihr besseres Verhalten, ihr beständiger Glaube oder irgend etwas in ihnen, sondern daß diese Ursache einzig und allein Gottes freie Gnade und Barmherzigkeit in Christo sei. Die Calvinisten machen den Schluß: hat Gott aus freier Gnade eine Anzahl Menschen zur Seligkeit erwählt, und thut Er allein alles, dieselben zum Glauben zu bringen, im Glauben zu erhalten und endlich selig zu machen, ohne daß dieselben auch nur das Geringste dazu beitragen: so muß natürlich, da alle Menschen von Natur in gleichem Verderben liegen, es hingegen allein an Gott liegen, daß die Anderen nicht zum Glauben kommen, oder nicht darin bleiben und nicht selig, sondern verdammt werden; es muß daran liegen, daß er jene durch eine unwiderstehliche Gnadenwirkung bekehrt und erhält, an diesen hingegen mit seiner Gnade vorüber geht und sie in ihrem Verderben liegen läßt, weil er ihre Seligkeit nicht will, sondern zur Verherrlichung seiner Gerechtigkeit zur Sünde, zum Tod und zur Verdammniß von Ewigkeit bestimmt und in der Zeit geschaffen hat. Und es ist ja freilich wahr, die unerleuchtete d. i. nicht dem Worte folgende Vernunft kann nicht anders; die Vernunft muß, wenn sie nicht nach der Schrift fragt und ihren eigenen Gedanken folgt, diesen Schluß machen. Nicht aber also unsere theuere Concordienformel und mit ihr die ganze rechtgläubige lutherische Kirche! Sie macht diesen Schluß nicht. Sie bleibt dabei: daß Menschen selig werden, das hat seinen Grund lediglich in Gottes freier Gnade; hingegen daß Menschen verdammt werden, das hat lediglich seinen Grund in des Menschen Sünde und Schuld. Sie sieht auch, daß sich dies nach der Vernunft nicht reimen lasse; sie sieht auch, daß nach der Vernunft, wenn Menschen nur um ihrer Sünde willen verdammt werden, die andern um ihres Besserseins willen selig werden müssen oder, wenn Menschen nur aus freier Gnade selig werden, die andern aus Mangel des Gnadenwillens Gottes verdammt werden müssen: aber weil beides in Gottes Wort steht, daß Gott die Erwählten allein nach dem Wohlgefallen seines Willens zu Lobe seiner herrlichen Gnade schon von Ewigkeit erwählt, und daß die Verdammten, während Gott aller Menschen Seligkeit wolle, um ihrer eigenen Sünde und Schuld willen verworfen sind*) — so glaubt, lehrt und bekennt die Concordienformel beides, schlägt nicht *) Wie denn gerade Röm. 9, 22. 23. der Unterschied gemacht wird, daß es von den „Gefäßen der Barmherzigkeit“ heißt: „Die er zuvor bereitet oder bestimmt hat zur Herrlichkeit“ (ἃ προητοίμασεν εἰς δόξαν), hingegen von den „Gefäßen des Zornes“ nur: „Die da zugerichtet sind zum Verderben“ (κατηρτισμένα εἰς ἀπώλειαν). Von den letzteren heißt es also zum Unterschiede, weder, daß sie Gott zugerichtet habe, noch, daß sie schon zuvor zugerichtet oder bestimmt, sondern allein, daß sie zubereitet sind zum Verderben; welcher Unterschied in Luther's Uebersetzung nicht so deutlich, wie im Urtext, hervortritt.