# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1863_S297 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. 297 Erbsünde sei nur eine äußerliche Hinderniß der guten geistlichen Kräfte und nicht eine Beraubung und Mangel derselben, als wann ein Magnet mit Knoblauchsaft bestrichen wird, dadurch seine natürliche Kraft nicht weggenommen, sondern allein gehindert wird.“ Es ist nun allerdings wahr, die letzte Probe, ob eine Darstellung der Lehre des Evangeliums pelagianischen oder semipelagianischen Sauerteig enthalte, ist in der Darstellung der Lehre von der Gnadenwahl zu suchen. Die Erfahrung bezeugt es leider, daß viele Lehrer in ihrer Lehrdarstellung die pelagianischen Irrwege nur so lange melden und daran glücklich vorbei kommen, bis sie die Lehre von der Gnadenwahl oder Prädestination zu behandeln sich anschicken. Hier wird es endlich nur zu oft offenbar, daß sich selbst unter denjenigen, welche das Bekenntniß der Concordienformel von der Erbsünde und vom freien Willen Wort für Wort unterschreiben zu können vermeinen, solche befinden, welche von allen pelagianischen Vorstellungen noch keinesweges geheilt sind. Es sind dies nehmlich alle diejenigen, welche glauben und lehren, daß, wie der von Gott vorausgesehene halsstarrige Unglaube Vieler die Ursache sei, daß Gott von Ewigkeit beschlossen habe, sie zu verwerfen und zu verdammen, so sei auch der von Gott vorausgesehene bis an das Ende beständige Glaube einer Anzahl von Menschen die Ursache, daß sie Gott von Ewigkeit zur Seligkeit erwählt habe. Wer aber so lehrt, der stellt offenbar den beständigen Glauben nicht als ein reines Gnadengeschenk Gottes, sondern als eine Leistung des Menschen dar, die die äußerliche bewegende Ursache für Gott gewesen sei, eine Anzahl Menschen anderen vorzuziehen und sie zur Seligkeit auszuerwählen. Denn ist der Glaube ein Geschenk der freien Gnade Gottes, so kann dieser Glaube Gott nicht erst bewogen haben, einen Menschen zu erwählen. Der Glaube wird somit zu einer Art Verdienst der Menschen, die Wahl hört auf, eine Wahl freier Gnade zu sein, wird eine auf menschliches Verdienst und auf Bessersein des Einen vor dem Andern sich gründende, und der letzte Grund der Seligkeit des Menschen wird so nicht in das ewige freie Erbarmen Gottes in Christo, sondern in den Menschen selbst, in sein Wollen, in sein Annehmen, in sein Zustimmen, in seine Treue und Beständigkeit gesetzt, kurz, aus Gottes Händen herausgenommen und in des Menschen Hände gelegt. Lehrten dieses auch unsre Concordienformel und die ihr treu folgenden Theologen unserer Kirche, so gäbe Hr. Licentiat Krummacher unserer Kirche allerdings nicht mit Unrecht Schuld, daß sie trotz ihres sonstigen reinen Bekenntnisses von Erbsünde und freiem Willen dennoch von „einem römisch⸗katholischen Semipelagianismus inficirt“ sei. Aber, Gott sei ewig dafür Lob und Preis! auch diese Probe besteht unser herrliches Schlußbekenntniß. Unsere theuere Concordienformel hat sich nicht, wie spätere Theologen innerhalb unserer Kirche, den Calvinischen Determinismus auf das andere Extrem, sei es auch der subtilste Semipelagianismus, drängen lassen. Während sie nehmlich leugnet, daß Gott, wie die Calvinisten sagen, die größte Anzahl der Menschen nach seinem