# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1863_S293 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. 293 Ferner eignet sich Melanchthon daselbst das Wort des Basilius an: „Du mußt nur wollen, und Gott wird dir zuvorkommen.“*) Ferner das Chrysostomische: „Gott zieht, er zieht aber den, der da will.“**) Ferner: Christus „will, daß wir unsere Sünden erkennen und Befreiung suchen, dieselben nicht wider das Gewissen beibehalten; der Wille ist daher nicht müßig.“†) Endlich schreibt Melanchthon: „Der freie Wille heißt die Fähigkeit des Willens, das zu wählen und zu begehren, was ihm vorgehalten wird, und dieses zu verwerfen. Welche Fähigkeit in der unverderbten Natur weit vorzüglicher war, nun vielfach gehindert ist.“††) Dieses waren denn die fruchtbaren Keime des Synergismus, die sich bereits in Melanchthon's späteren Schriften finden und von den Synergisten in der Folgezeit weiter entwickelt worden sind. Wie hat sich nun die Concordienformel dagegen gestellt? Sie hat nicht nur die groben Consequenzen des Synergismus, sondern auch jene subtileren Anfänge desselben auf das entschiedenste verworfen und verdammt, und sich nicht abhalten lassen, das Anathema auch über letztere auszusprechen, obgleich sie auf einen so hochgefeierten Mann, wie Melanchthon war, zurück geführt wurden und zurück geführt werden konnten. In dem Artikel vom freien Willen, in der Wiederholung, stellt sie die Hauptantithesis, wie folgt, hin: „Der eine Theil hat gehalten und gelehret, obwohl der Mensch aus eignen Kräften nicht vermöge Gottes Gebot zu erfüllen, Gott wahrhaftig trauen, fürchten und lieben, ohne die Gnade des heil. Geistes; doch habe er noch so viel natürlicher Kräfte vor der Wiedergeburt übrig, daß er etlichermaßen sich zur Gnade bereiten und das Jawort, doch schwächlich, könne geben;*†) aber wann die Gnade des heil. Geistes nicht dazu komme, damit nichts ausrichten könnte, sondern im Kampf darniederliegen müßte.“ Als ihre eigne Lehre hingegen setzt die Concordienformel vorerst Folgendes fest: „Daß in geistlichen und göttlichen Sachen des unwiedergebornen Menschen Verstand, Herz und Wille aus eignen natürlichen Kräften ganz und gar nichts verstehen, gläuben, annehmen, gedenken, wollen, anfangen, verrichten, thun, wirken oder mitwirken könne, sondern sei ganz und gar zum Guten erstorben und verdorben, also, daß in des Menschen Natur nach dem Fall, vor der Wiedergeburt nicht ein Fünklein der geistlichen Kräfte übrig geblieben, noch vorhanden, mit welchem er ihm selber sich zur Gnade Gottes bereiten oder die *) Μόνον θέλησον, καὶ θεὸς προσαπαντᾷ. **) Ὁ δὲ ἕλκων τὸν βουλόμενον ἕλκει. †) „Vult nos agnoscere peccata et quaerere liberationem, non retinere ea contra conscientiam: non igitur est otiosa voluntas.“ ††) „Vocatur liberum arbitrium facultas voluntatis ad eligendum ac expetendum ea, quae monstrata sunt, et ad rejiciendum eadem. Quae facultas in natura integra longe praestantior fuit, nunc multipliciter impedita est.“ *†) „Reliquum esse, ut aliquo modo se ad gratiam Dei praeparare, applicare et assentiri, languide tamen, possit.“