# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1863_S292 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 292 Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. kennt, muß schon daraus, daß dieselbe gerade darum, weil sie allen Synergismus verwirft und verdammt, von den damaligen Philippisten nicht angenommen wurde, schließen, daß dieses Symbol von jedem Pelagianismus frei sein müsse. Die ersten Samenkörner des später in unserer Kirche so wuchernd emporschießenden Synergismus hatte bekanntlich gerade der von den Reformirten so hochgefeierte Melanchthon ausgesäet. In der geänderten Augsburgischen Confession, im 18. Artikel, hatte er geschrieben: „daß wir in der Wirkung einer geistlichen Gerechtigkeit in uns vom heil. Geiste unterstützt werden.“*) In der veränderten Ausgabe der deutschen Apologie: „Wir affirmiren jedoch, daß der freie Wille und die Vernunft in geistlichen Dingen allein nichts vermögen;“ und bald darauf: „Innerlich wiedergeboren werden und an Herz und Sinnen erneuert werden u. s. w., das wirkt der heil. Geist;“ in welchen Stellen das ausschließende Wörtlein „allein“ (nehmlich vom heil. Geist allein), welches in der ursprünglichen Ausgabe steht, weggelassen ist, während hingegen die negative Partikel „nichts,“ welche in der ersten Ausgabe den menschlichen Kräften alle Kraft abspricht, in der späteren veränderten Ausgabe durch die Hinzufügung des Wörtleins „allein“ wieder so eingeschränkt wird, daß der freie Wille in geistlichen Sachen nur allein nichts vermöge. In der Ausgabe der Loci, welche Melanchthon zwei Jahre nach Luther's Tod herausgegeben hat, findet sich die von Luther schon an Erasmus getadelte Definition des freien Willens: „Der freie Wille im Menschen ist das Vermögen sich zur Gnade zu appliciren, das ist, er hört die Verheißung und trachtet darnach, ihr beizustimmen, und legt die Sünden wider das Gewissen ab.“**) Ebendaselbst heißt es: „Du wirst sagen: Ich kann der Stimme des Evangeliums nicht Gehorsam leisten, den Sohn Gottes nicht hören, den Mittler nicht anerkennen. Ich antworte: Etlichermaßen kannst du das allerdings und während du dich durch die Stimme des Evangeliums aufrichtest, mußt du bitten, daß du von Gott unterstützt werdest.“†) Im Examen der zu Ordinirenden, im Artikel vom freien Willen, setzt Melanchthon drei Ursachen der Bekehrung, indem er sagt: „In der Bekehrung des Menschen concurriren diese Ursachen: das Wort Gottes, der heil. Geist, welchen der Vater und Sohn senden, damit er unsere Herzen anzünde, und unser beistimmender und dem Worte Gottes nicht widerstrebender Wille.“††) *) „Nos adjuvari a Spiritu Sancto in efficienda spirituali justitia in nobis.“ **) „Liberum arbitrium in homine est facultas applicandi se ad gratiam h. e. audit promissionem et assentiri conatur et abjicit peccata contra conscientiam.“ †) „Non possum, inquies, voci evangelii obtemperare, filium Dei audire, agnoscere mediatorem. Respondeo: Imo, aliquo modo potes et, dum te voce evangelii sustentas, adjuvari te a Deo petito.“ ††) „Concurrunt in conversione hae causae: verbum Dei, Spiritus Sanctus, quem Pater et Filius mittunt, ut accendat corda nostra, et nostra voluntas assentiens et non repugnans verbo Dei.“