# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1863_S289 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang IX. October 1863. No. 10. Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. (Fortsetzung.) Herr Licentiat Pastor Krummacher fährt also fort: „In der Lehre von der freien, an keine Leistung und vorangegangene Gesinnungswürdigkeit irgendwie gebundene Gnade ist die lutherische Auffassung ebenfalls von einem römisch⸗katholischen Pelagianismus oder doch Semipelagianismus⸗ inficirt, indem sie ein Entgegenkommenkönnen des in Sünden und Uebertretungen todten Sünders statuirt, wogegen die reformirte Lehre auf das entschiedenste protestirt, indem sie den leisesten Hauch eines wahrhaftigen Sehnens nach Gott und seiner Gnade lediglich der freien von Ewigkeit her und vor Grundlegung der Welt erwählenden und in der Zeit berufenden Gnade zuschreibt, und das neunte Capitel des Briefes an die Römer sagen läßt was es sagt, und dasselbe nicht durch allerlei exegetische Kunstgriffe und Einschiebsel abschwächt und verunstaltet, wie der Schreiber dieser Zeilen in seinem Buche über das Dogma von der Gnadenwahl und seiner darin befindlichen Auslegung des 9. 10. und 11. Capitels im Brief an die Römer für jeden vorurtheilsfreien Leser bewiesen zu haben lebendig überzeugt ist. Die lutherische Kirche ist in dieser Beziehung von der Lehre Luther's in seinem Buche de servo arbitrio völlig abgewichen; sie ignorirt dieses Buch, das Luther selbst noch in seiner späten Lebenszeit als sein bestes Büchlein anerkannt hat, und es gibt sehr wenige Lutheraner, welche dasselbe sorgfältig gelesen haben. Unsere theure reformirte Kirche gibt der freien Gnade ihre volle, unverkümmerte Ehre und schrickt vor keinen Consequenzen zurück, wodurch man sie ad absurdum zu führen vermeint, ebensowenig als dies bei dem Ap. Paulus Röm. 9, V. 19—21. der Fall ist. Dem Menschen nichts als Sünde, Ohnmacht, Schuld und Fluch übrig lassend, gibt sie der freien von allem Verdienst und aller Würdigkeit, von allem Sein, Können und Haben abstrahirenden, das leiseste Sehnen und Ahnen wirkenden Gnade die alleinige und volle Ehre.“ Randbemerkungen: Wenn Hr. K. hiernach die evangelisch⸗lutherische Kirche eines „römisch⸗katholischen Pelagianismus oder doch Semipelagianismus“ bezüchtigt, so sind wir weit davon entfernt, von dieser verdammlichen Ketzerei alle diejenigen lossprechen zu wollen, welche sich je Lutheraner und lutherische Theologen genannt haben und noch nennen. Es ist