# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1863_S288 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 288 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Klagen und Vorstellungen über den Jammer der lutherischen Kirche im Elsaß an ihn, und er forderte den treuen und entschiedenen Pastor Horning in Straßburg auf, an ihrer Spitze aus der Landeskirche zu treten, nachdem er so erfolgreich für das Recht der lutherischen Kirche gekämpft hatte. Etwa neun Pastoren mit 12000 Seelen führen den Kampf mit ihm. Da Horning nicht antwortete, reiste Diedrich selbst hin und nahm die 11 Seelen durch Gottes- dienst und Abendmahl in seine Kirche auf, ohne vorher bei Horning vorzukehren und die nöthigen Erkundigungen einzuziehen. Es macht sich das geschwind nach der neuen Kirchenordnung, und wird auch so verlaufen. (Münkel's Zeitbl.) Synode und Bekenntniß. Was wir hier nun schon seit einer Reihe von Jahren gegen die hiesigen Synoden bezeugt haben, die nur ein auf Schrauben gestelltes Bekenntniß zu den kirchlichen Bekenntnissen von ihren Mitgliedern fordern, wie namentlich die hiesige s. g. luth. Generalsynode, das bezeugt gegenwärtig Dr. Münkel der in Hannover demnächst einzurichtenden Synode gegenüber. Er schreibt in seinem Neuen Zeitblatt vom 15. Mai u. A. Folgendes: „Wer auf die Vorsynode gehen will, kann es nur unter dieser Voraussetzung thun, daß er die Schrift und die Bekenntnisse als Maßstab der Synodalverhandlungen zu einer deutlichen und unzweideutigen Anerkennung zu bringen sucht, und so das Versäumte nachholt und den Makel der Abtrünnigkeit von der Synode in diesem Theile entfernt. Würde dann die Synode eine solche unzweideutige Erklärung umgehen oder ver- werfen, so bliebe freilich nichts anders über, als die Synode selbst zu verwerfen, die sich da- mit von der Kirche losgesagt hätte. Da würde das Wort gelten müssen: Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Es ist fortan auf der Synode nichts gedeihliches mehr zu schaffen, und der Kampf außer der Synode fortzusetzen. Hat sich die Mehrheit der Synode gegen die Geltung der Schrift und der Bekenntnisse bei ihren Beschlüssen erklärt, so wird die Minderheit in jeder entscheidenden Frage unterliegen, und sie handelt thöricht, wenn sie dennoch dazu hilft, daß unter ihrer Mitwirkung verderbliche Beschlüsse gefaßt werden. Denn wenn sie auch dagegen stimmt, so erkennt sie doch wenigstens die Synode durch ihre Gegenwart und Theilnahme als eine lutherische an, obgleich sie solche Beschlüsse zum Ver- derben der lutherischen Kirche faßt. Wo die Schrift und die Bekenntnisse nicht anerkannt werden, da fehlt uns der feste Boden, auf welchem wir mit Erfolg kämpfen können. Wir sind in die Luft gestellt und werden Luftstreiche führen. Jede Politik, welche das aus dem Auge verliert, wird ihre Rache in sich selber tragen; sie wird da noch meinen zu retten, wo sie die Hauptsache schon verloren gegeben hat, und nach erfolgtem Schiffbruch nur noch die Fahrt in die Tiefe übrig behalten.“ Jugend. Pastor Brunn sagt in einem in Dr. Münkel's Zeitblatt erschienenen Artikel über Volks⸗ und Freikirche u. A. Folgendes: „Diese Schwäche zeigt sich auf schreckenerregende Weise besonders in dem fast allgemeinen Verderben der Jugend in unsern Gemeinden, welches so groß und offenbar ist, daß umgekehrt, wie Luther in der Jugend die Hoffnung der Kirche aufblühen sah, wir in unsrer Jugend den unseren lutherischen Freikirchen nahe bevorstehenden Untergang vor Augen sehen müssen, wenn es nicht Gottes Barmherzigkeit ist, die uns einen kleinen Samen überbleiben läßt.“ Leider müssen wir hier in dieselbe Klage einstimmen. Namentlich in den ältern Gemeinden erfüllt der Anblick der Jugend, anstatt mit Hoffnung, nur mit Furcht vor der Zukunft, wenn man daran denkt, daß dieses heranwachsende Geschlecht das begonnene heilige Werk fortführen soll. Möchte nur nicht vielfach die Ursache gerade bei den „christlichen“ Eltern zu suchen sein, die eine fast räthselhafte Verzagtheit zeigen, mit christlicher Zucht entschieden einzugreifen, um ihre Jugend vor den Einflüssen des gegenwärtigen Zeitgeistes zu verwahren, ja nur zu oft die größte Willigkeit, ihre Kinder diesem Moloch in seine glühenden Arme zu legen. Mit Entsetzen erinnert man sich hierbei des Ausspruches Luthers, daß Eltern sich an nichts leichter Himmel und Hölle verdienen können, als an ihren Kindern.