# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1863_S287 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 287 aus. Indem dieselbe für die erhabenste Sache dieses Zeitalters kämpft, so hat sie sich kleinlicher Parteifragen gänzlich entschlagen und noblere Ideen und Impulse bewegen das Triebrad ihres Strebens. Beständige Todesgefahr, in welcher sie schweben, erzeugt ernstere Gedanken, und Angesichts der Ewigkeit betrachtet man Männer, Maßregeln und Ereignisse mit anderen Augen. So ereignet es sich, daß ein Mann, der in der Armee eingereiht ist und aktiven Dienst gethan hat, im Allgemeinen weit intelligenter und in seinen Ansichten frei- sinniger ist, als ein anderer, der bei seinen gewohnten Berufsgeschäften zu Haus geblieben ist. Der wohlbegründete Patriotismus unserer Armeen ist ebenso inbrünstig. Was immerhin die anfänglichen Beweggründe unserer Soldaten bei ihrem Eintritt in die Armee gewesen sein mögen, so hat die Thatsache, daß sie zwischen dem Lande und ihren Feinden standen, eine reinere und tiefere Flamme des Patriotismus, als je zuvor in ihren Herzen loderte, darin angezündet. Das Herz eines jeden wahren Soldaten ist ein Altar geworden, auf dem er das eigene Ich der Ehre und dem Ruhm seines Landes opfert. Jener entschiedene und heroische Patriotismus unserer Väter, welchen wir, die wir unser Leben noch nicht auf den Altar gelegt haben, nur theilweise besitzen, haftet in unseren Armeen.“ II. Ausland. Von der 14. Allgemeinen Deutschen Lehrerversammlung in Mannheim vom 26—28. Mai berichtet man der Leipz. Ill. Zeitung vom 13. Juni sehr denkwürdige Sachen. Da sprach gleich am ersten Vormittag der Stadtpfarrer Riecke aus Neuffen in der Trinitatiskirche begeistert von der einstigen Gleichstellung aller Confessionen mit Einschluß der Juden, wo man nicht mehr fragen werde: „was glaubst du?“ Derselbe Herr Stadtpfarrer eröffnete die Nachmittagssitzung mit einem Vortrage: „die Volksschule als Denkschule.“ Am Abend besuchte man die eigens für diese Versammlung angesetzte Festvorstellung des Hoftheaters „Don Juan.“ — Am zweiten Tage beehrte der liberale Großherzog von Baden die weiteren Ver- handlungen mit seiner Gegenwart, wobei er die Aeußerung that, „er fühle und theile die Bestrebungen, welche sie alle hierher geführt.“ Bei der Besprechung des vom Seminar- direktor Lüben eingeleiteten Thema: „Die Naturkunde (das stehende Thema dieser A. D. L. V.) in Seminarien,“ erlaubte sich einer der anwesenden Lehrer, Lohrer aus Mosbach, die Bemerkung, „es habe den Anschein, als solle die Natur vergöttert werden, die Natur, über welche doch wohl noch etwas Höheres zu setzen sei, nämlich Gott!“ — doch ward er „unter allgemeiner Entrüstung zum Schlusse gedrängt.“ — Die Worte des Mannheimer Pfarrers Schellenberg: „die Kirche wird den Tag nicht fürchten, an welchem sie der Aufsicht über die Schule enthoben werden wird, um nur auf ihrem eigenen Gebiete zu wirken,“ *) wurden mit Jubel aufgenommen. — Das Referat schließt mit den Worten: „Gegen 2000 deutsche Lehrer hatte das Fest vereint; sie sind nun in ihre Heimat zurückgekehrt, erfüllt von der Bedeutung dessen, was in ihrer Mitte verhandelt wurde. Sie tragen den Samen, welcher in diesen Versammlungen ausgestreut wurde, bis in die fernsten Enden Deutschlands, und wir hoffen, dieser Same wird aufgehen unter dem deutschen Volke und herrliche Früchte tragen.“ — Sapienti sat. In Dresden, Leipzig und Chemnitz wurden übrigens einzelnen Lehrern auch noch zur Reise dorthin 150 Thlr. von jeder Stadt aus Kommunalkassen gegeben. Alles in majorem gloriam sæculi. Das Bäuerlein, welches in seiner sancta simplicitas zu Hussens Scheiterhaufen noch Holz hinzutrug, glaubte das wenigstens zu Gottes Ehre und Dienst zu thun. (Sächs. Kirchen⸗ u. Schulbl.) Pastor Diedrich, der Anfänger der Neuseparation in Preußen, hat im Elsaß 11 Personen in seine lutherische Kirche aufgenommen. Dieselben wandten sich mit ihren *) Weiß dieser unirte Herr Pfarrer nichts von dem Worte des HErrn an seinen Apostel: „weide meine Lämmer! weide meine Schafe!“ Joh. 21?