# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 30_S156 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) das Scheinbild der Wiſſenſchaft, nirgends ſie ſelbſt; öffentliche Streitſätze, Räthſel, lateiniſche Verſe, Lobreden, lauter nichtsnutziges Zeug. Zu⸗ dem eine Philoſophie, bei der es verboten iſt, ſich mit Gott zu beſchäftigen (questiones de Deo praetereantur)! — Keiner ſoll ſich je mit der erſten Urſache oder mit der Freiheit oder mit der Ewigkeit Gottes beſchäftigen. — Die Zöglinge ſollen Nichts ſagen, Nichts thun, nihil agant, nihil dicant! — Aber dieſer philoſophiſche Kur⸗ ſus währt drei Jahre! Wozu wird man ſie denn anwenden? Man laſſe ſie hingehen ohne Eramen, transeant non examinando. Und wenn Einer zur Philoſophie kein Geſchick hat, wenn ziemlich Beſchränkte und Dumme darunter ſind, wozu werden ſie taugen, wozu werden ſie gebraucht werden? Zum Studiren ſchwieriger Gewiſſens⸗ fälle („inepti ad casuum studia destinentur.“ Ratio stud. pag. 172.)]! Wie in der Wiſſenſchaft vom Jeſuitismus das Tiefe, das Wahre und Ganze den Pflegbefohlenen abſichtlich nicht geboten wird, ſo iſt es ihm in der Erziehung ſelbſt und in der Verbrei— tung desſchriſtlichen Weſens überhaupt nicht um das Tiefinnerliche, wahrhaft Heiligende und Wiedergebärende zu thun. Dem Herzen in ſeinem tiefen Falle und ſeiner Gottentfremdung, der Sünde als Zuſtand habitus) tritt er nicht entgegen mit der in Gottes Wort gebotenen Waf⸗ fenrüſtung, Epheſ. 6.: den einzelnen Sünden, den Laſtern wird der Krieg erklärt und Klug⸗ heitsregeln, Anſtandsvorſchriften, Nutz- und Scha⸗ denberechnungen ſollen dem tiefliegenden Verderben ſteuern. Iſt es dem Katholicismus überhaupt eigen, das Wort Gottes als das vorzüglichſte Erweckungs⸗, Erleuchtungs- und Heiligungsmit⸗ tel nicht in ſeinem freien Siegeslauf zu unter⸗ ſtützen und ſeiner Strömung alle Schleuſen zu öffnen, ſo weiß der Jeſuitismus insbeſondere eher tauſend Mitteln und Wegen menſchlicher Klug⸗ heit, als der ſtill und ſicher wirkenden Kraft des einfachen Bibelwortes zu vertrauen. Wo der evangeliſche Erzieher mit der Erweckung der Liebe zu Gottes Wort in ſeinen Schülern einen für alle Fälle ausreichenden Schutz, ein für alle Fälle Licht gebendes Urtheil gegeben weiß, da ſetzt der Jeſuitenlehrer Gewiſſensfälle über Gewiſſensfälle und erſchöpft ſich im Aufwande des Witzes und der Schlauheit, die Seinen mit Mitteln und Re⸗ geln für Einzelfälle auszurüſten. — Aus einem Buche des Jeſuitenpater Humbert, welches von dem Biſchof von Nancy und den Erzbi⸗ ſchöfen von Lyon, Beſangon und Bor⸗ deaux vor wenigen Jahren gebilligt iſt, kann man im Kleinen und nach einer Richtung die ganze Operation der Väter zum Heile der Welt und zur Bildung der Menſchheit erſehen. Ein Berichterſtatter ſagt darüber unter Anderem Fol⸗ gendes: „Das Werk zerfällt in Kapitel, deren jedes Ge⸗ ſchichten zum Belege für die vorhergehenden Vor⸗ ſchriften enthält. Verfaſſer den jungen Leuten Unſchuld, Keuſchheit, Enthaltſamkeit, aber durch die Art, wie er dieſen kitzlichen Gegenſtand behandelt, erreicht er ſehr oft Auf jeder Seite predigt der — 56 das Gegentheil von dem, was er will. Er über⸗ nimmt es, den Mädchen den Unterſchied zwiſchen einem gewöhnlichen Kuſſe und einem Kuſſe auf den Mund zu erklären. Ueberall finden ſich Schilderungen und Erzählungen, die das ſinn⸗ liche Feuer eher anfachen können, als dämpfen. Da ſteht z. B. eine romanhafte Geſchichte von einer Wirthshaustochter, die ſich einem Soldaten hingegeben hat und, ſchwanger geworden, einen Mönch als Vater angibt. Der Mönch unterwirft ſich allen Strafen, erzieht das Kind, und ſtirbt; als nun die andern Mönche die Leiche waſchen, ſehen ſie, daß ihr Mitbruder ein Frauenzimmer war: es war die heilige Marina. St. Marina thut alsbald Wunder und heilt zuerſt die Wirths⸗ tochter, die von der Zeit ihres Verbrechens an vom Teufel beſeſſen geweſen war. Um das Gefährliche ſchlechter Geſellſchaften zu zeigen, hält man jungen Menſchen die, Geſchichte der Juliane vor, die durch ihre Kameradin Thereſe verführt, krank wurde und ſtarb. Um Knaben die Trunkſucht zu verleiden, ſchildert man ihnen die That des Cyrillus, „der, aus dem Wirthshauſe kommend, ſeine ſchwangere Mutter auf offner Straße ſchänden wollte; die Frau ſtrengte ſich ſo gewaltſam an, um ſich zu vertheidigen, daß ſie zu früh niederkam. Ueber⸗ dem machte der unglückliche Trunkenbold einen Angriff auf die Keuſchheit einer ſeiner Schweſtern, die ſich von dem ſchändlichen Bruder lieber erdol⸗ chen ließ, als in ſolches Verbrechen willigte. Und als der Vater auf den Lärm herbeikam, tauchte der raſende Sohn ſeine Hände in das Blut deſſen, der ihm das Leben gegeben hatte: ja er erdolchte noch eine andere Schweſter, die ihren Vater ver⸗ theidigen wollte. O Himmel, welche Gräuel und Verbrechen!“ (S. 285.) „Wozu dergleichen wirkliche oder erdichtete Gräuel der Jugend vor Augen ſtellen, wozu ihre Phantaſie aufregen, indem man den Mädchen ewig vorpredigt, ſie ſollten nicht mit bloßem Halſe gehen und nicht auf die Knaben hören; den Kna⸗ ben, ſie ſollten ſich nicht putzen, um den Mädchen zu gefallen; indem man ſogar Lehren über ge— meinſchaftliches Baͤden und Ankleiden gibt?“ Wir könnten noch eine ganze Menge der ſkan⸗ dalöſeſten Geſchichten aus dieſem Buche anführen, aber wir fühlen uns jetzt ſchon genöthigt, den Leſer um Verzeihung zu bitten, daß wir das Obige mitgetheilt haben; man muß jedoch die Bücher der Herrn Jeſuiten um ſo mehr ans Licht ziehen, jemehr ſie ſich vor den Augen des Publikums ver⸗ bergen wollen. Uebrigens bitten wir nicht zu vergeſſen, daß das Buch, aus welchem obige Aus⸗ züge genommen ſind, für Schüler beſtimmt iſt. Dieſes Mücken ſeihen und Kameele verſchlucken, dieſes Wirken für das, was man ſehr treffend „Konduiten-Moral“ d. i. Sittenlehre für die äußerliche Aufführung genannt hat, iſt ſo recht das Element, in welchem ſich die Jeſuiten-Er⸗ ziehung gefällt. — Es herrſcht im Jeſuitismus durchweg ein geheimer Rationalismus, wie dies ſelbſt der berühmte katholiſche Theologe Möhler anerkennt, und eben dieſer Rationalis⸗ mus kann nicht anders, als Alles in der Erziehung der Weisheit anvertrauen, die von unten her iſt. Welcher Schaden daraus für die Seelen der Kin⸗ der erwachſen muß, iſt gar nicht zu verkennen, und man darf daher den Eltern, welche ihre Kin⸗ der Jeſuitenſchulen anvertrauen, mit Recht zu⸗ rufen: ſehet wohl zu, was ihr thut! Gott wird ... fordern, wenn ſie durch eure Schuld verloren ge⸗ hen. Darum laſſet euch nicht durch äußeren Schein blenden. Es mag ſein, daß eure Kinder in den Jeſuitenſchulen in kurzer Zeit einen äußer⸗ lich glatten Anſtrich und eine Art oberflächlicher Bildung bekommen, aber was iſt damit gewon⸗ nen, wenn die Seelen unterdeſſen vergiftet ſind? Hier in Amerika, wo man leider nur gar zu leicht mit einer äußerlichen Zuſtutzung zufrieden iſt und Alles nur ſo ſchnell wie möglich fertig haben will, dürfte jene Warnung am wenigſten am un⸗ rechten Ort ſein. (Schluß folgt.) Warum ſind die Einſetzungsworte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, eigentlich zu verſtehen? (Schluß.) 6. Wir haben in der letzten Nummer als fünften Grund, warum die Einſetzungsworte eigentlich zu verſtehen ſeien, die Pauliniſche Stelle angeführt: „Welcher unwürdig iſſet und trinket, der iſſet und trinket ihm ſelber das Gericht, da— mit, daß er nicht unterſcheidet den Leib des HErrn“ (1 Cor. 11, 29.). Auf dieſt Stelle müſſen wir noch einmal zurückkommen; dieſelbe gibt uns nemlich einen ſechsten Grund für das „eigentliche“ Verſtändniß der fraglichen Worte an die Hand. Abgeſehen nemlich davon, daß jene Worte Pauli es ſchon ausdrücklich ſagen, daß diejenigen das heilige Abendmahl ſich zum Gericht genießen, welche nicht glauben, daß der Leib des HErrn im heiligen Abendmahl ſei, ge⸗ reicht und genoſſen werde, ſo enthalten dieſe Worte offenbar die Erklärung, daß von der rechten Vor⸗ ſtellung, die man ſich von dem Inhalte des heiligen Sacramentes macht, Leben und Tod, Segen und Fluch, Seligkeit und Verdammniß, Gnade und „Gericht“ abhänge. Da es nun aber eine ſolche Bewandniß mit dem heiligen Abendmahl hat, ſo iſt es außer Zweifel, daß Chriſtus von dem Inhalte dieſes Sacramentes ſo geredet haben müſſe, daß es auch der Einfältigſte, auch ein Kind verſtehen und, wenn es von den Worten der Einſetzung nicht muthwillig abgeht, nicht irren kann. Dies müſſen wir daraus ſchließen, weil Chriſtus die Liebe ſelbſt iſt; denn wäre es nicht grauſam, wenn Chriſtus denen, welche ſein Mahl von anderen Mahlen nicht recht unterſcheiden würden, das Gericht gedroht, und wenn Er dennoch ſelbſt davon bildlich, figürlich, verblümt, uneigentlich, alſo, wir wollen nur ſagen für Einfältige, dunkel und zweideutig geredet hätte? Ohne Zweifel. So gewiß daher Chriſtus die Liebe iſt, ſo gewiß hat er in ſein Verſöhnungs— mahl nicht eine geheime Angel gelegt, die ein⸗ fältigen Seelen zu fangen und in das Gericht zu führen; ſo gewiß hat er nemlich in den Ein— ſetzungsworten einfältig — eigentlich geredet. die Seelen eurer Kinder dereinſt von eurer Hand