# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1863_S277 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Bericht der sechsten ord. Synodalversammlung der norweg.-evang.-luth. Kirche. 277 von brünstigem Dank gegen ihn für seinen reichen geistlichen Segen erfüllt und von seinem gnädigen Beistand in künftigen Zeiten fest überzeugt werden sollten, auch daß wir entflammt würden zu noch größerer Treue und Fleiß in dem Werke des HErrn, zu noch größerem Eifer, Freimüthigkeit und Ausdauer in dem uns vorgeschriebenen Kampf und zu noch größerer Geduld und Freudigkeit in den uns betreffenden Drangsalen. Und wie diese letzteren gewiß auch in der Zukunft nicht ausbleiben werden, so ist auch der Feind, den wir zu bekämpfen haben, nicht fern, schläft auch nicht. Nein, mitten in unseren Gemeinden ist er, da wirket er mit seiner großen Tücke und List. Nur durch einen steten, ernsten und getrosten Kampf in der Rüstung des HErrn können wir seiner Meister werden und den Sieg behalten. Ich habe bereits oben gesagt, daß meine persönliche Bekanntschaft mit den Gemeinden unseres Verbandes weder umfassend noch gründlich ist. Doch glaube ich, daß ich, theils durch Gespräche besonders mit meinen Amtsbrüdern, theils durch die von mir gehaltenen Visitationen, insonderheit aber durch eigene Erfahrung während einer kürzeren oder längeren Bedienung von circa 35 verschiedenen Gemeinden in nun bald zwölf Jahren, zu einiger Kenntniß gekommen bin, welcher Art der Zustand in unserer Gemeinschaft ist, so daß ich kaum weit fehlgreifen werde, wenn ich von den Hauptgebrechen, daran unsere Gemeinschaft leidet, und worauf ich die besondere Aufmerksamkeit der Synode lenken will, folgende nenne: Obenan steht die Versäumniß, Gleichgiltigkeit und Verachtung gegen das Wort Gottes, öffentlich und privatim, in Kirche und Haus, sowohl zum Zweck der eigenen Belehrung als der Erbauung anderer. Wir mögen Gott danken, daß wir in allen unseren Gemeinden einen tüchtigen Stock fleißiger und gewiß auch aufrichtiger Kirchengänger haben, aber es kann nicht verschwiegen werden, daß überall genug solcher gefunden werden, die es ganz in der Ordnung zu finden scheinen, nach jedem Besuch der Kirche wieder ein und das andere Mal davon fern zu bleiben; endlich fehlt es auch in einigen Gemeinden gewiß nicht an solchen, die es so ziemlich als überflüssig ansehen, zu anderen Zeiten in die Kirche zu kommen, außer wenn sie zum Abendmahl gehen wollen, oder Gevatter stehen müssen. Je mehr die große Entfernung, in welcher manche in unsrem Vaterland von der Kirche ab wohnten, dazu beigetragen haben kann, daß unser Volk in eine solche üble Gewohnheit gerathen ist, desto mehr gilt es, unserem Volk das zur lebendigen Erkenntniß zu bringen, daß es eine große Sünde und Verachtung des Wortes Gottes ist, wenn man von den Gottesdiensten wegbleibt, es sei denn, daß man wirklich verhindert werde. Aber leider steht es nicht besser mit dem Gebrauch des Wortes Gottes zu Hause. Selbst die dürftigste Hausandacht wird an manchen Orten versäumt; der falsche jüdisch⸗reformirte Verstand vom 3. Gebot hat gewiß auch nicht wenig zu der so gemeinen Meinung beigetragen, daß es alles sei, was man von einem Christen erwarten könne, wenn er seine Postille mit Text an den Sonntagen liest, so daß es selbst Verwunderung erregt, wenn man fragt, ob denn Gottes Wort auch an den Wochen⸗