# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1863_S262 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 262 Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. Leugnet er aber dies nicht, wie? sollte denn Gott zwar aus Nichts einen heiligen Menschen haben schaffen, aber aus einem geschaffenen und erlösten Menschenkinde kein wiedergebornes Gotteskind machen können? Doch unser Polemiker sagt selbst: „Daß die freie Gnade Gottes auch in kleinen Kindern das neue Leben wirken kann und in der That in einzelnen Fällen wirkt, soll dabei nicht in Abrede gestellt werden.“ Dieses Zugeständniß macht Schreiber jedenfalls hauptsächlich darum, weil er fürchtet, man werde ihm das Beispiel Johannis des Täufers vorhalten, der schon im Mutterleibe mit dem heil. Geiste erfüllt worden sei und bei dem Gruße der Mutter des HErrn mit Freuden gehüpft habe. Mit diesem Zugeständniß widerlegt aber unser Antilutheraner sich selbst so gründlich, daß es eigentlich über diesen Punct gar keiner berichtigenden Bemerkung von unserer Seite bedarf. Denn selbst ein Kind sieht ein, wenn eingestandenermaßen die „freie Gnade Gottes“ die Wiedergeburt ohne Taufe wirken kann, so ist es geradezu absurd, zu behaupten, es sei jedoch der Gnade Gottes nicht möglich, dieselbe mit, in und durch die Taufe zu wirken! Oder hört etwa die Gnade Gottes auf, eine freie zu sein, wenn ein Gnadenmittel hinzukommt? — Das hätte wohl einen Sinn, zu sagen: die Gnade Gottes gebiert die Kinder durch die Taufe wieder, aber Gott kann dies nach seiner freien Gnade auch ohne Taufe wirken; aber völlig sinnlos ist es, zu sagen: es ist zwar „ein unfaßbarer Gedanke, daß bei einem noch nicht zum Bewußtsein gelangten Säugling eine Wiedergeburt vorgegangen sein könne“ durch die Taufe, aber ein faßbarer Gedanke ist es allerdings, daß sie vorgegangen sei durch die „freie Gnade Gottes in der Taufe.“ Es ist klar, unser Herr Lic. sträubt sich gegen die Annahme einer Wiedergeburt der kleinen Kindlein nicht darum, weil er darin etwas Widersprechendes sieht, sondern weil er gern beweisen möchte, daß die luth. Kirche noch nicht, wie seine Reformirte, ganz und völlig mit Rom gebrochen habe; in der Hitze seines Sturmlaufens gegen die ihm so verhaßte luth. Kirche hat er aber aus Versehen nicht nur die morsche Waffe eines Vernunfteinwandes ergriffen, sondern dieselbe auch schließlich selbst zerbrochen und weggeworfen. Ein anderer Grund, den Hr. Lic. Krummacher dafür anführt, daß die lutherische Lehre von der Taufe verwerflich sei, liegt in dem Zusatz: „von der“ (= von welcher Wiedergeburt) „sich in dem Wesen des Kindes bei dessen Entwickelung keine Spur zeigt.“ — Hierauf ist einfach zu bemerken: wenn Hr. K. an getauften Kindern keine Spur der in der Taufe derselben in ihnen vorgegangenen Wiedergeburt gemerkt hat, so ist damit nur bewiesen: theils daß solche Gnadenwerke eben nicht wie sinnliche Dinge, z. B. wie die geschehene leibliche Geburt, wahrgenommen werden können; theils daß nur er, Hr. K., nicht das Glück gehabt hat, Kennzeichen der auch später kräftigen Taufgnade an getauften Kindern wahrzunehmen, die schon Tausende wahrhaft christlicher Eltern wahrgenommen haben und noch täglich wahrnehmen. Es ist ja freilich, leider! wahr, daß im Ganzen diese Wahrnehmungen ebenso selten oder auch noch seltener sind, als die, daß zum Glauben gekommene