# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1863_S260 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 260 Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. gen. Es gehört ein fürsichtiger bescheidener Geist dazu, der unter ihm lasse bleiben, was Gottes Tempel ist, und wehre seinem Zusatz, damit er den Tempel Gottes zerstöret.“ So weit Luther. Sollte aber der Herr Licentiat unter Rom, mit dem die lutherische Kirche nicht völlig gebrochen habe, die römische Curie oder das Pabstthum mit seinen antichristischen Lehren verstehen, so wäre das einfach lächerlich. Ohne einen Luther d. i. ohne einen Mann, wie Luther war und wie nur er war, würde es gar keine vom römischen Antichrist und seinen Greueln errettete Reformirte Kirche geben. „Als Luther von Rom verdammt wurde, bezog Zwingli noch eine Pension von Rom,“ berichtet Leopold Ranke (den man gewiß keiner altlutherischen Parteilichkeit bezüchtigen wird,) in seiner Deutschen Geschichte im Zeitalter der Reformation, III, 54. Und nicht nur Zwingli selbst hat, als er noch nicht von Luthers Lehre abgefallen war, nehmlich im Jahre 1523, in der „Auslegung zu seinen Schlußreden“ das Zeugniß abgelegt: „Luther ist ein so trefflicher Streiter Gottes, als in tausend Jahren auf Erden nimmer gewesen ist, und mit dem mannlichen unbewegten Gemüth, damit er den Pabst zu Rom angegriffen hat, ist ihm keiner nie gleich worden, als lang das Pabstthum gewähret hat. Gott sei Lob! durch ihn wird eine unzahlbarliche Welt mehr, denn durch mich und andere, zu Gott geführet.“ (S. Unterricht von kirchlicher Vereinigung von E. S. Cyprian. 2. Aufl. 1726. S. 166.) Auch Calvin gibt in einem Briefe an Bullinger vom 25. Nov. 1544 Luthern folgendes Zeugniß: „Das, bitte ich, wollet ihr euch zu Gemüthe führen: erstlich, was für ein großer Mann Luther sei und durch was für große Gaben er sich auszeichne, mit welchem Muthe, mit welcher Beständigkeit, mit welcher Geschicklichkeit, mit welcher durchdringenden Kraft zu lehren er bisher das Reich des Antichrists zu stürzen und zugleich die Lehre des Heils zu verbreiten sich habe angelegen sein lassen. Ich pflege oft zu sagen: wenn er mich auch einen Teufel nennete, so würde ich ihm doch so viel Ehre erweisen, ihn als einen ausgezeichneten Knecht Gottes anzuerkennen.“ *) Doch im Folgenden scheint Herr Lic. Krummacher selbst die Lehren der lutherischen Kirche specificiren zu wollen, welche beweisen sollen, daß dieselbe „in der Lehre nicht ganz mit Rom gebrochen“ habe. Er fährt nehmlich folgendermaßen fort: „Die lutherische Lehre von der Taufe, welche auf völlig irrthümlicher „Auffassung dessen, was das Neue Testament von der Taufe der erwachsenen „Gläubigen sagt, beruht, trägt ganz den römisch-katholischen Charakter. *) „Haec cupio vobis in mentem venire, primum quantus sit vir Lutherus et quantis dotibus excellat, quanta animi fortitudine et constantia, quanta dexteritate, quanta doctrinae efficacia hactenus ad profligandum antichristi regnum et simul propagandam salutis doctrinam incubuerit. Saepe dicere solitus sum: etiamsi me diabolum vocaret, me tamen hoc illi honoris habiturum, ut insignem Dei servum agnoscam.“ Joh. Calvini epistolar. et responsor. ed. sec. Lausannae 1576. p. 113.