# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 30_S153 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Redigirt von C. F. W. Walther. Der Lutheraner. „Gottes Mort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. ö Hahrgang 4. St. Louis, Mo., den 30. Mai 1848. No. 20. votauszubezahlen und das Poſtgeld zu ENur die Briefe, welche N mihalten, unter der Adreſſe: Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Geſpräche zwiſchen zwei Lutheranern über den Methodismus.“) Erſtes Geſpräch. Der Hauptſitz der Krankheit. Philipp: Warſt du letzten Sonntag Abend in der Predigt bei der Vierteljahrs⸗Verſammlung? Martin: Ja! mein Vetter aus Deutſchland, der vor vier Wochen ankam, wollte das Ding doch auch einmal ſelber ſehen und bat mich, mit⸗ zugehen; denn ich habe mir mein Theil ſchon daraus genommen und allerdings gar Manches dort gelernt. Philipp: Du ſprichſt manchmal ſo närriſch, daß man gar nicht weiß, ob's Spaß oder Ernſt iſt; ich dächte aber, du wärſt noch ein härterer Lutheraner geworden, ſeit du vor'm Jahre öfter in den Methodiſten⸗Verſammlungen warſt. Martin: Das mag wohl ſein; die rechte Lehre und der rechte Brauch wird einem noch feſter und gewiſſer, wenn man Irrthum und Mißbrauch ſo recht handgreiflich vor Augen ſieht; und iſt man obendrein ſelber krank geweſen, ſo weiß man den Werth der Geſundheit um ſo mehr ſchätzen. Philipp: Heißt das, wenn man Methodiſt geweſen iſt, ſo weiß man den Lutheraner um ſo mehr zu ſchätzen? Du biſt ja niemals Methodiſt geweſen. Martin: Aeußerlich zwar nicht; aber inner⸗ lich habe ich dieſe Geſetzesſchule durchgemacht; Dieſe von Dr. Sihler in Fort Wayne, Ind., ver⸗ faßten Geſpräche über den Methodismus ſind ſchon einmal und zwar durch die Pittsburger „Lutheriſche Kirchenzeitung“ (S. Jahrgang VI) veröffentlicht worden. Wir nehmen ſie auch in den Lutheraner auf, weil wir (abgeſehen davon, daß ſie der großen Mehrzahl unſerer Leſer unbekannt geblieben und ihnen daher neu ſind) wünſchen und zuverſichtlich hof⸗ fen, daß ſich mit dem neuen Abdrucke dieſer gründlichen Belehrungen über eine unter unſeren Landsleuten eifrig miſſionirende Secte auch der augenſcheinliche Segen des erſten Abdrucks derſelben erneuern werde, zur Rettung Ver⸗ . führter, zur Befeſtigung Schwacher, und zum Unterricht und Erbauung für Jedermann. Wir gedenken übrigens dieſe Geſpräche auch in Pamphleiform abziehen zu laſſen, damit denſelben die möglichſt weiteſte Verbreitung gegeben werden könne. Die Redaction. auch habe ich mich durch meines Herzens Hoch⸗ muth unter göttlicher Geduld mehr als 10 Jahre in dieſer Schule aufgehalten, um ſie ziemlich ken⸗ nen zu lernen. Philipp: Du ſprichſt mir gar wunderlich; die eigentlichen Glieder der Methodiſten⸗Gemein⸗ den, die ihre Probezeit beſtanden haben und viel⸗ leicht auch ein oder etliche Male an der Bußbank geweſen ſind, rühmen ſich ja gerade, in die herr⸗ liche Freiheit der Kinder Gottes gekommen zu ſein und das Zeugniß des Heiligen Geiſtes nun erſt recht an ihrem Herzen zu erfahren, daß ſie Gottes Kinder ſind. Und du nennſt das ganze Weſen und Treiben der Methodiſten eine Ge⸗ ſetzesſchule. Wie reimt ſich das zuſammen? Rede doch deutlicher! Martin: Es reimt ſich auch gar wenig die⸗ ſer ſchwammige, methodiſtiſche Gefühlsglaube mit dem alten und kernhaften Bibel⸗ und Katechis⸗ musglauben unſerer Väter vor Alters. Da war das reine Wort und Sakrament und die geſunde Heilslehre im Schwange und die Leute konnten recht glauben und recht leben. x Philipp: Nun redeſt du wieder vom Ge⸗ fühlsglauben und kurz vorher vom Geſetzesweſen der Methodiſten. Iſt denn Beides dasſelbe? Mache mir die Sache doch klar. Martin: Nun ſiehſt du, Philipp, die Sache iſt die. Die Geſänge, Gebete und Predigten bei den Methodiſten gehen alle darauf los, daß die Leute ſo eilig wie möglich einen recht fühlbaren Bußſchmerz, ſüße Gnadengefühle und eine recht fühlbare Glaubensfreude kriegen. Darauf legen ſie nun einen beſondern Werth und ihr öffentli⸗ cher und Hausgottesdienſt, ſowie ihre beſondern Gebetsverſammlungen ſtehen mehr oder minder dahin, dieſe geiſtlichen Genüſſe wieder zu haben. Sie hängen ſich alſo z. B. bei der Predigt mehr an das Gefühl der Reue, Angſt und des Schreckens, den Gottes Zorn im Geſetz in ihnen bewirkt, und dann beim Evangelium wieder mehr an das Gefühl von der Gnade Got⸗ tes und der Liebe Chriſti, als an das Wort Got⸗ tes ſelber. Daraus kommen nun folgende Uebel und Krankheiten, die eben nur der am beſten kennt, der ſie vormals ſelber gehabt hat, und durch Gottes Gnade auch innerlich auf den rech⸗ ten Standpunkt unſerer lutheriſchen Kirchenlehre gekommen und darin geſund geworden iſt: 1.) Sie gerathen ſo unter der Hand in eine Art feiner, innerlicher Werkheiligkeit; denn da ſie immer das Herz im Maule haben, d. h. da ſie von nichts lieber reden als von ihren Bußſchmer⸗ zen, Bußkrämpfen und Glaubensfreude, und wie ſie in dieſer Nacht, bei dieſem und jenem Knie⸗ gebet im Kämmerlein oder Buſche die Nähe des Heilandes ſo tief gefühlt; und da ſie ziemlich mißtrauiſch und voll hochmüthigen Mitleids auf ſolche herabſehen, die von dieſen ihren beſondern Erfahrungen noch nicht ſo viel zu ſagen wiſſen: ſo geht daraus hervor, daß ſie einen beſondern Werth darauf legen und alſo gar leicht in ihren Bußſchmerzen und Bußkrämpfen eine Art mit⸗ wirkenden Verdienſtes zu finden meinen für die ſpäteren Gnadengefühle und Glaubens⸗ genüſſe; dies nenne ich aber Geſetzesweſen und Geſetzeswerk, weil es helfen ſoll für die Erwer⸗ bung der Gnade, ſie mögen es auch noch ſo ſehr in Abrede ſtellen. Und das liegt ſo ziemlich auf dem Teller und iſt zu greifen, daß ſolche feine Geſetzestreiberei und innerliche Werkheiligkeit mit einem Male viererlei Schaden thut; denn ſie ver⸗ dunkelt a) die freie und unverdiente Gnade Got⸗ tes; b) das allgenugſame und allein⸗gültige Ver⸗ dienſt Chriſti; e) die Zueignung desielben durch den Heiligen Geiſt in den heiligen Sakramenten, als in den von Gott geordneten Gnadenmitteln; d) die Ergreifung dieſer Mittel ſammt ihrem Juhalt allein durch den Glauben, das menſchliche Empfangsmiitel, gleichſam die Hand und den Mund der Seele, wenn gleich auch er ausſchließ⸗ lich nur durch die Gnade des Heiligen Geiſtes gewirkt wird. Den näheren Nachweis von dieſem Schaden will ich dir ſpäter geben, wenn du Luſt haſt. Jene feine innerliche Werkheiligkeit aber bei den Me⸗ thodiſten, für ihre Begnadigung und Beſeligung, halte ich für den Hauptſitz dieſer Krankheit des chriſtlichen Glaubens und Lebens, die da Metho⸗ diemus heißet in Amerika, in Deutſchland aber