# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1863_S246 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 246 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Schwestern und Verwandten überhaupt, die nichts als gehässige Schranken zwischen Gliedern derselben Spezies zogen und dem natürlichen Streben nach augenblicklichem Genuß nur hindernd in den Weg traten, sind der Thierwelt unbekannt. Vergeblich sehen wir uns in der gesammten Thierwelt um nach jenen Stätten der Qual, der Tyrannei, des Betruges, den Kirchen, Gerichtshöfen und Gefängnissen. Nur über die Menschen konnte Mephistopheles die bittere Klage erheben: Es erben sich Gesetz und Rechte wie eine ewige Krankheit fort; sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte, und rücken sacht von Ort zu Ort. In der Thierwelt finden wir allein das einzig natürliche Recht, das des Stärkeren und den einzig richtigen allumfassenden kosmopolitischen Standpunkt, den des Ubi bene, ibi patria. Darum ist auch in ihr die heiterste Lebensanschauung in der reinsten Natürlichkeit uns zur Nachahmung und Regeneration vorgezeichnet; zu ihr die Menschheit von den vielen Abwegen zurückzulenken ist die große Aufgabe unserer Zeit, damit in dem ewigen und unaufhaltsamen Wechsel alle Bestandtheile unseres Wesens, indem wir aus Thieren zu Menschen und aus Menschen zu Thieren uns unaufhörlich zusammensetzen, wir in gleicher Weise in allen Phasen unseres Daseins dem Drange der Naturnothwendigkeit allein hingegeben, das herrliche Leben der Natur genießen können unentstellt und unverkümmert durch das sogenannte angeborene Sittengesetz, dessen einzelne Bestandtheile sich bei näherer Betrachtung als — Paragraphen des Strafgesetzbuches erweisen. *) Brechen wir endlich den Monolog ab. Wer noch einen Werth legt auf das, was den Menschen vom Thiere unterscheidet, auf Vernunft und Sittlichkeit, wird die Consequenzen und das Ziel der neuen Lehre darin mit Abscheu und Grauen erkennen. Die Strafe des Hochmuths, die einst den Chaldäerkönig Nebukadnezar vom Throne stieß, hat sich an den aufgeblasenen Wissenschaftlern unseres Zeitalters vollzogen, das menschliche Herz ist von ihnen genommen und ein viehisches Herz ihnen gegeben, damit sie, wenn das noch möglich, ist, aus der Tiefe ihrer Wissenschaft wieder ihre Augen aufheben möchten gen Himmel, wieder zur Vernunft kommen und den Höchsten loben. (Dan. 4.) ——◆◆—— Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. America. Die Presbyterianer Alter Schule debattirten bei Gelegenheit der Abhaltung ihrer General⸗Assembly Ende Mai in Peoria, Ill., über die Frage, „ob ein Kirchenglied, wenn es öffentlich und gewissenhaft erklärt, daß es noch nicht bekehrt sei, vom Besuch des heil. Abendmahls zu entschuldigen sei.“ Es wurde beschlossen: „solche Entschuldigung zu erlauben, wenn das Glied sonst regelmäßig im Besuch des Gottesdien⸗ *) Die Hauptstellen dieses Monolog's sind mit Ausnahme der Wortstellung wörtlich dem Werke Büchner's entnommen.