# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 10 13_S152 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Schuld? Wir ſuchen ſie auf alle Weiſe zu zwin⸗ gen, daß ſie beſſer werden, und wir richten doch Nichts aus.“ „Ihr zwingt ſie“, antwortete Anſelm. „Sagt mir doch, mein lieber Abt, wenn Ihr einen Baum in Eurem Garten pflanztet, und Ihr ſchlöſſet ihn ſogleich von allen Seiten ein, ſo daß er ſeine Zweige nach keiner Seite hin ausbreiten könnte, und Ihr ſetztet dann nach eini⸗ gen Jahren einen ſolchen Baum wieder in's Freie, was für ein Gewächs würde es wohl ge⸗ worden ſein? Gewiß ein unbrauchbarer Baum mit krummen, in einander gewachſenen Zweigen. Und weſſen Schuld anders wäre es, als Eure Schuld, die Ihr den Baum ſo ſehr eingezwängt habt?“ * „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Ein um des Glaubens willen Vertriebener ſprach Dr. Luthern an um eine Gabe. Da er ſelbſt nur einen Joachims-Thaler in ſeiner Kaſſe hatte, den er lange aufgeſpart, rief er fröhlich nach in var Bedenken: „Joachim heraus, der Heiland Die Wahrheit fürchtet nichts, als — verdeckt zu werden. ö Tertullian. (Eingeſandt.) Göttliche Bewahrung eines Kindes. „Der Könige und Fürſten Rath ſoll man ver⸗ ſchweigen, aber Gottes Wort ſoll man herrlich preiſen und offenbaren.“ Tob. 12, 8. Auf dem hohen Thüringer Walde, in der Ge⸗ gend von Hildburghauſen, trug ſich während des Winters im Jahre 1819 eine Geſchichte zu, die als ein Beweis der beſonderen Vorſehung Goties eine erneuerte Bekanntmachung und Beherzigung verdient. Der Herausgeber der Hildburghäuſer Dorfzeitung erzählt die Geſchichte folgendermaßen: Unſere Gegend auf dem hohen Thüringer Walde hatte dieſen Winter immer ſo viel Schnee, daß wir Alten Holz anſchleifen, und unſere Jungen ihre gewöhnlichen Schlittenparthieen anſtellen konnten, ob ſie gleich keinen Pelz, ſondern nur ein tüchtiges Hemd auf dem Leibe haben. Ein ſol⸗ cher Hemdläufer, ein Knabe von vier Jahren, be⸗ gegnete uns geſtern Abend draußen vor dem Dorfe und wollte zu ſeinem Vater, der in's Holz gegan⸗ gen war. Der krauſe Kopf des kleinen rothbacki⸗ gen Jungen war ſchnerweiß von Rrif, denn es war furchtbar kalt. Wir ſagten ihm, der Vater wäre nun wohl zu Haus, und brachten ihn ſo, wiewohl weinend, wieder mit zu ſeiner Mutter. Dieſe hatte, weil ſie eben Erdäpfel wuſch, kaum Zeit, ihn etwas auszuzanken; gab ihm Hübners bibliſche Hiſtorie mit Bildern zum Spielen hin, und als die Erdäpfel im Ofen ſtanden, war der Junge ſchon wieder draußen im Schnee. Die Mutter ruft im Hof und im Dorf, weil ſie aber nichts von ihm hört und ſieht, ſo wird ihr angſt; doch denkt ſie: er wird wohl mit dem Vater kommen, und legt ein Stück Holz mehr in den Ofen. Aber der Vater kommt und bringt nichts mit, als Holz, und hat auch ſeinen kleinen Jungen nicht geſehen. Nun erwacht die mütterliche Angſt und treibt, weil der Junge im ganzen Dorfe nicht zu finden war, uns Nachbarn alle mit Laternen hinaus in den finſtern Wald, immer voran die Mutter mit ihrem älteſten Sohne an der Hand, daß ſie ihn nicht auch verliert, und er ſchreien könne, wenn ſie nicht mehr kann. Der ganze Wald wird hell und lebendig, wir vertheilen uns, rufen und ſuchen in allen Schluchten aber vergeb ich. Wir kommen wieder zuſammen, es iſt Mitternacht, und noch keine Spur von dem Jungen. „Wenn er nur ſeine neuen Schuhe mit Nägeln anhätte“, meint der Bruder, „ſo ſähen wir ihn doch im Schnee.“ „Oder ſeine neuen Weihnachts⸗ höschen“, meint die Mutter, „er muß ja erfroren ſein in der ſchrecklichen Kälte.“ Wir alle zittern vor Froſt, nur der Mutter iſt glühend heiß. — Und ob wir gleich alle wiſſen, er muß todt ſein, wenn er noch im Walde iſt; ſo wollen wir doch die unglückliche Mutter nicht ver⸗ laſſen, die über den kniſternden Schnee in alle Schluchten hineinläuft und heiſer hineinſchreit. „Da liegt er todt!“ ruft auf einmal in einer ſolchen tiefen Schlucht der älteſte Bruder, und die Mutter ſtürzt ſich ſchreiend auf ihren Benjamin, der mit dem Geſicht auf dem Schnee liegt. Da wacht der kleine Junge auf, ſieht ſich, verwundert über die Menſchen und Lichter, um, klagt über keinen Froſt, und hängt ſich freundlich an ſeine Mutter. Wie dieſer zu Muthe war, das kann nur von einer Mutter nachempfunden werden, die jemals in einer ſolchen oder ähnlichen Lage geweſen iſt. Nachdem der kleine Junge uns alle erkannt hatte, erzählte er: Er ſei nach ſeinem Va⸗ ter gelaufen, habe immer gerufen, aber da er den Vater nicht gefunden und es ihn gefroren, habe er wieder nach Haus zur Mutter gehen wollen. Er habe aber keinen Weg gewußt und bitterlich geweint, und da ſei er, wie der kleine Samuel in der Bilderbibel, niedergeknieet und habe den lie⸗ ben Gott um Hülfe angerufen. Da ſei der liebe Gott in einem ſchönen, ſchneeweißen, glänzenden Kleide gekommen, habe ihn bei der Hand genom⸗ men, in die Schlucht, wo kein Wind gehe, ge⸗ führt, auf das Geſicht gelegt, und gar freundlich zu ihm geſagt: „Da ſchlafe, bis die Mutter kommt.“ Er ſei eingeſchlafen und habe fortgeſchla⸗ ſen, bis ihn die Mutter geweckt habe. Jedem Chriſten, der die Bibel als Gottes Wort glaubt, wird es durch dieſe rührende Geſchichte von neuem beſtätiget, daß unſere Kindlein unter dem beſondern Schutze der Engel Gottes ſtehen, die auf Befehl des HErrn, deſſen Angeſicht ſie allezeit ſehen, herbeieilen, um unſern von Gefah⸗ ren umringten Kindern insbeſondere da die Hände unterzubreiten, wo die Vater- und Mutterhand den Liebling nicht erreichen kann. Wie wurde nicht die Verheißung Gottes Pſ. 91, V. 11. und 12. ganz wörtlich an dem Kleinen erfüllt! Wie gnädig erhörte nicht auch der große Gott das ein⸗ fältige kindliche Gebet des Knaben, nach ſeiner Zuſage: Pſ. 103, 18.: Er wendet ſich zum Gebet der Verlaſſenen, und verſchmähet ihr Gebet nicht. Möchten doch alle lieben Kinder lernen, ihr Anliegen ſo kindlich ihrem lie⸗ ben himmliſchen Vater vortragen, dann würden ſie ſchon in früher Jugend aus eigner Erfahrung lernen, wie gut es ſei, auf den HErrn vertrauen, der überſchwänglich thun kann über alles, was wir bitten und verſtehen. Uns Aeltern zeigt uns dieſe Geſchichte auch noch recht deutlich, wie nützlich und heilſam es iſt, den Kindern ſchon in früher Jugend, ſobald ihr Ge⸗ müih etwas zu faſien vermag, ſtatt der vielen un⸗ nutzen Bilder, die oft in ihre Hände kommen, lie⸗ ber bibliſche Bilder vorzulegen und die darauf abgebildeten Geſchichten kindlich zu erzählen; dies macht oſt einen ſehr tiefen Eindruck auf ihr Herz, und es wäre daher wohl ſehr zu wünſchen, daß ein chriſtlicher Künſtler ſich entſchlöſſe, eine Samm⸗ lung ſolcher bibliſchen Bilder zu billigem Preis zu liefern, wenn dergleichen nicht etwa ſchon vor⸗ handen ſind. J. N. Ein Wort Luthers gegen falſche Union. Sie kehren das Vaterunſer um, und ſuchen erſtlich Ruhe und Friede, unangeſehen, wo das Erſte, nemlich Gottes Name, Reich und Wille, bleibe. Was iſt es, daß man die Mücken ſeiget und die Kameele verſchlinget? Will man in der Religion Vergleichung ſuchen, ſo hebe man erſt an, da die gründlichen Stücke (Hauptſtücke, Grundartikel) ſind, als Lehre und Sacra⸗ mentz wenn dieſelbigen verglichen ſind, wird das andere äußerlich, das ſie Neutralia (Mitteldinge, Ceremonien) heißen, ſelbſt ſich ſchicken, wie es in unſern Kirchen geſchehen iſt, ſo wäre Gott mit in der Concordia und würde die Ruhe und Friede beſtändig. Wo man aber die großen Stücke will laſſen ſtehen, und die Neutralia handeln, ſo iſt Gottes vergeſſen; da mag denn ein Friede ohne Gott werden, dafür man lieber möchte allen Un⸗ fried leiden. Es wird doch gehen, wie Chriſtus Matth. 9. ſpricht, der neue Lappe auf einen alten Rock macht den Riß ärger, und der neue Moſt zer⸗ ſprengt die alten Fäſſer. Man mache es entweder gar neu, oder laß das Flicken anſtehen, wie wir gethan haben, ſonſt iſt es alles vergebliche Arbeit. (Luthers Bedenken, an den Canzler Brück ge⸗ ſtellt. Opp. Hal. Tom. XVII, p. 835.) Unterſchied zwiſchen einer rationaliſtiſchen Kirche und einem Comödienhaus. Als der Rationaliſt Teller zu Berlin einſt den Schauſpieldirektor Iffland fragte: wie kommt es, unſere Kirchen werden täglich leerer, und eure Schauſpielhäuſer täglich gefüllter? — antwortete jener: das macht, ihr gebt die Wahrheit als Dichtung, und wir geben die Dichtung als Wahrheit. Paulus ein Lutheraner. Ein Biſchof von Augsburg fand das Neue Teſtament in einem Wirthshauſe hinter dem Tiſche. Da er's aufmacht, kommen ihm die Worte St. Pauli vor, Röm. 3, 28.: „So halten wir es nun, daß der Menſch gerecht werde, oh ne des Geſetzes Werk, allein durch den Glauben.“ Da er das lieſet, ſpricht er: „Siehe, biſt Du auch lutheriſch?“ und ſchmeißt das Buch auf die Bank. Troſt für Prediger und Ermunterung für Zuhärer. Dr. Luther fuhr an einem Sonntage über Land, und als man in einem Dorfe zur Kirche läutete, ſtieg er mit ſeinen Gefährten ab, ging hin⸗ ein und hörte die ganze Predigt aus. Auf dem Wege nachher redete man von der Predigt. Als nun Einer ſagte, der Pfarrer hätte das Evan⸗ gelium richtiger faſſen können, ſagte Luther: „Ach, wenn ein Lehrer Chriſtum einfäl⸗ tig aus dem Katechismus predigen kann, ſo iſt er ein ſeliger Prediger; man hat nicht allein goldene und ſilberne Geſchirre in Moſis Zelt, ſondern auch kupf rne und eiſerne, doch dienen ſie alle dem ewigen Sohne Gottes.“ Die Deutſche Evangeliſch-Lutheriſche Synode von Miſſauri, Ohio u. a. St. hält ihre nächſten Sitzungen in St. Louis, Mo., vom zweiten Mittwoch nach Pfingſten an, am 21. Juni bis 1. Juli. Die eintreffenden Brüder wollen die Wohnung des Ortspfarrers erfragen bei Herrn L. Pechmann, Deutſche Glas⸗ und Porzellan-Waaren-Handlung, No. 22 Main⸗ ſtraße, in der Nähe des Alten Marktes. — Bezahlt. Den 4. Jahrg. Die HH. Golmar, Grüninger, P. Röb⸗ belen (4 Ex.) Gedruckt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.