# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1863_S245 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. 245 Welt und des menschlichen Lebens, sein richtiger Blick für das Natürliche hieß ihn der unter den Einflüßen herzloser Religion und Moral seufzenden und vor Scham glühenden Unglücklichen die Worte in den Mund legen, daß nur menschliche Sorgfalt so boshafte Gesetze geben konnte, die neidisch verweigern, was die Natur uns gestattet, was sie der Kuh und dem Rosse, dem Bock und dem Vogel nie versagt hat. Aber Jahrhunderte mußten verlaufen, bis die Wissenschaft die herrliche Zeit herbeiführte, da, wie Büchner es treffend ausdrückt, nichts leichter ist, als wissenschaftlich nachzuweisen, daß der Mensch nichts weiter, als ein höchstorganisirtes Thier ist; daß er auf gar keine andere Weise entstehen konnte, als in Folge einer Entwickelung aus der ihm zunächst stehenden Thierwelt, daß sich die Seele der Thiere nicht der Qualität, sondern nur der Quantität nach von der menschlichen Seele unterscheidet, der Mensch nur eine größere Menge der thierischen Geistesthätigkeiten producirt, als die so eben genannten Thiere. Was kann es dem Menschen helfen, sich gegen Thatsachen zu setzen? Wir haben Welt und Natur nicht erfunden, wir sind also auch nicht verantwortlich für das, was sie in uns thun. Die Natur hat uns — das drängt sich jedem, wenn auch durch das Bewußtsein seiner vermeinten göttlichen Bestimmung noch so hochnässigen, menschlichen Individuum vor die Augen — klar unsere Bestimmung in der Thierwelt vorgezeichnet, zu der wir einmal gehören, rechte darüber, wer da will, mit seinem Schöpfer, nicht mit uns, die wir die Sache uns ganz leicht machen und einfach sagen könnnen, so ist die Sache! erklärt sie, wie ihr wollt! Es kann ja nichts Höheres geben, dem wir zu folgen hätten, als die Natur; ihren, auf den ewigen und unveränderlichen Naturgesetzen beruhenden, Trieben widerstehen, heißt sein eigenes Dasein verkrüppeln; ihren Trieben offen folgen, gleich den anderen Thieren, deren natürliche Impulse nicht in menschlicher Unnatur durch sogenannte Scham verhüllt werden und selbst der rigoröseste theologische Fanatismus nicht wagen dürfte, Sünde und Verbrechen zu nennen, heißt nur den heuchlerischen Firniß von den Wangen streichen, der uns anders scheinen macht, als wir sind. Die gesammte Thierwelt, deren Thun man mit Unrecht aus dem Instinkt herleitet, sondern nicht unschwer als Ausfluß bewußter geistiger Thätigkeit sich nachweisen läßt, da das Thier überlegt, bedenkt, Erfahrungen sammelt, sich an die Vergangenheit erinnert, für die Zukunft sorgt, empfindet, — in einem geistigen Proceß, der vollkommen derselbe ist, wie beim Menschen, legt uns jene heitere und genießende Weltanschauung, welche unsere Erkenntniß als die einzig natürliche bezeichnen muß, offen und klar vor Augen; sie bestätigt zugleich unsere wissenschaftlichen Resultate von der schnellen Verwandlung thierischer Organismen nicht undeutlich. Kein Thier hat seine Lebenslust sich verbittert durch thörichten Kummer über ein vermeintlich verwahrlostes und ungerathenes Kind in dem Wahne, etwas an der früheren Ausbildung desselben versäumt zu haben. Die nur aus Unkenntniß jener wissenschaftlichen Thatsache hervorgehenden künstlichen Verhältnisse zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern, zwischen Brüdern,