# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1863_S244 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 244 Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. bung gemacht haben konnte. Noch fordert man das Halten von Eiden, von Versprechen, von Bündnissen, von Verträgen und Contracten im Verkehre der Einzelnen und der Völker in dem finsteren Wahne, es könne den freien Geist etwas binden, das wenige Tage zuvor, und wäre es zu ewiger Verpflichtung, eingegangen war. Noch werden Thaten als Verbrechen gebrandmarkt, nicht nur von der kalten und herzlosen christlichen Religion, nein auch sogar von den viel gelesenen Werken der classischen Heidenwelt, Thaten, welche, wie die Wissenschaft als unleugbare Thatsache festgestellt hat, in dem ihnen gegebenen Sinne rein unmöglich sind. Bezeichnet doch sogar der als leichtfertig geltende Ovid eine von ihm besungene That als etwas Scheußliches, von dem sein Lied Töchter und Eltern verjagen und, hilft das nicht, sie wenigstens bitten soll, ihr nicht zu glauben, und wenn ja sie sie glauben, auffordert, doch wenigstens auch der Strafe der That Glauben zu schenken; wünscht selbst er dem Lande Glück, das den Gegenden fern liegt, welche so schrecklichen Greuel erzeugten; schwatzt er doch in einer langen Reihe von Versen davon, wie nicht Cupido's Geschoß, nein, der Natternhauch der Furien allein zu solchem Frevel getrieben haben konnte, während zugleich das böse Gewissen jene schrecklichen Schwestern erblicken ließ, um durch ihre Schreckensgestalt, behaart mit greulichen Schlangen und Gesicht und Augen der vermeintlichen Verbrecherin mit wüthigen Fackeln bestürmend von solcher Sünde abzumahnen; wie diese nun an ihrem Gürtel sich aufzuknüpfen versucht, um lieber den Tod, als die Erfüllung ihrer rasenden Wünsche zu empfangen; wie bei der schauerlichen Entdeckung dieser Wünsche die eisigen Glieder der Amme ein Beben durchdrang und das gebleichte Grau des starrenden Haares auf der Scheitel sich struppig erhob; wie, als nun die Unglückliche mit schlotternden Knieen, von Farbe und Blut in ihrem Schauder verlassen, sich zur Begehung ihrer gräßlichen That aufmacht, der Mond vom Himmel floh, schwarzes Gewölk die Gestirne verdeckte und die Nacht ohne ihr Licht war — und was war es? — Myrrha hatte in Liebe das Lager ihres Vaters gesucht! Was konnte unschuldiger sein? Es ist jetzt unleugbare Thatsache, daß eine solche Verbindung so wenig Verbrecherisches an sich hat, als irgend eine, die je christliche oder heidnische Bräuche im Namen ihrer Götter weiheten. Denn die eheliche Verbindung zwischen Vater und Tochter ist in jedem Falle eine naturwissenschaftliche Unmöglichkeit, und keine Sitte und kein Gesetz darf in dieser Hinsicht dem Drange der Natur Beschränkungen auflegen, da sie ihren Ursprung allein in Unwissenheit und Irrthum haben. Solche Schreckensgestalten des Aberglaubens aber schleppten sich fort von einem Zeitalter zum andern, bis sie endlich durch die letzten, erfreulichen, heiteren und freien Resultate der modernen Wissenschaft verdrängt, den Ausbau des Staates und der Gesellschaft auf der gelegten Grundlage nicht mehr hindern werden und das wahre Ziel der Menschen, ihr Leben so nutz⸗ und genußbringend als möglich für den Einzelnen wie für die Gesammtheit einzurichten, erreicht wird. Und doch hat Ovid schon das Richtige gesehen. Seine heitere und freundliche Auffassung der