# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1863_S243 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. 243 Unwissenheit gegründeten falschen Wahne nicht länger nachzuhängen. Wir sind frei, meine Liebe, frei von jeder Beschränkung. Nur unsere Bequemlichkeit kann uns forthin Gesetzgeber sein. Jedes andere verpflichtende Band haben die großen Erwerbungen auf naturwissenschaftlichem Gebiete als unwürdige Fesseln uns abgestreift. Genieße die Freiheit, die auch dir das Licht der Wissenschaft erworben hat und zeige dich als des neunzehnten Jahrhunderts würdige Zeitgenossin. — Indeß sind Freunde eingetreten, deren traurige Blicke und heimliches Flüstern dem Anhänger der neuen Lehre verrathen, daß sie ihn als einen Menschen bedauern, der den Verstand verloren. Seufzend ruft er aus: O ihr erhabenen Lehrer des höchsten Lichtes, wie wenig ist noch die große Masse der Menschen fähig, die Ergebnisse eurer Forschung zu fassen! Es fehlt nicht viel, so schließen diese hier mich, euren nüchternen, klaren, consequenten Schüler, in Eisen und verwahren mich zwischen nackten Wänden, wie einen Wahnsinnigen. Wie viel bleibt auch noch zu thun übrig! Ihr habt bis jetzt nur den Grund gelegt zu einer naturgemäßen und freundlichen Auffassung von Welt und Leben, wann wird's euch gelingen, die Menschheit im Großen und Ganzen aus den unnatürlichen Fesseln jenes kalten und herzlosen Dogmatismus der christlichen Religion zu erlösen und ihr den richtigen Blick für das Natürliche zurückzugeben! Ihr sagt, ihr habet durch eure großartigen Entdeckungen und Erfindungen dem Blicke der Einzelnen und der Völker ganz neue, umfassende und kosmopolitische Gesichtspunkte eröffnet und durch eure ganze, jeder Art von Autoritätsglauben und geistiger Unfreiheit feindliche Richtung eine Bewegung in die Welt gebracht, deren letzte Resultate ebenso überraschende, als erfreuliche sein werden. Meine Erfahrung zeigt sie mir allerdings als überraschende, aber warum sind sie noch nicht allgemein erfreuliche? Die neue Bewegung ist eingeleitet, aber die letzten Resultate sind noch nicht zum Gemeingut aller gemacht; und ich sehe, es ist klug gehandelt, noch nicht mit der vollen Wahrheit herauszutreten. Das würde das Gelingen unserer beabsichtigten Revolution, die den jüngsten Tag für alle bisherigen Grundlagen des socialen Lebens in Familie, Kirche und Staat herbeiführen muß, in Frage stellen. Es bleiben uns bis jetzt keine anderen Mittel, als nur den allgemeinsten wissenschaftlichen Grundsätzen unserer Auffassung von Welt und Leben durch die Presse die weiteste Ausbreitung zu verschaffen, um die Gemüther der Menschen auf die letzten Consequenzen vorzubereiten und zugleich wenigstens auf politischem Gebiete die Beherrschung und Leitung der Massen zu erringen. Nur allmälig können wir die gewaltigen Schwierigkeiten, die unserem Ziele im Wege stehen, überwinden. Noch starren allerorten dem geistig Freien düstere Gefängnisse entgegen, in denen sogenannte Verbrecher für Thaten schmachten, die sie nicht verübt, die nur auf längst aufgelöste, dem Menschen unerhaschbare Stoffverbindungen zurückgeführt werden können; noch zittert der Schuldner vor seinem Gläubiger und Richter der Schulden wegen, die er nicht bezahlen kann oder mag und nicht bezahlen sollte, da sie nur ein ganz anderes Wesen unter dem trügerischen Schein desselben Namens, derselben Gestalt, derselben Umge⸗