# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1863_S241 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. 241 leugnende Thatsache, daß der Mensch nichts weiter ist, als eine Combination von Stoffen, welche regelmäßig alle vier Wochen durch neue ersetzt werden und deren wandelbare Lagenveränderung in dieser Combination während ihres ewigen und unaufhaltsamen Wechsels und Flusses Effecte hervorbringen, welche wir bisher thörichter Weise einem mythologischen Wesen zuschrieben, das wir Seele nannten. Wir werden darum, eigentlich geredet, kaum vier Wochen alt. Als Sie geboren wurden, oder vielmehr diejenige stoffliche Verbindung entstand, auf welche Sie Ihr Dasein zurückführen, da war ich noch nicht. Und Sie selbst sind im Laufe Ihrer Jahre nahezu dreihundert mal ein ganz anderer und neuer Mensch geworden. Lassen Sie sich nicht irren, daß ich sage, Sie haben das erlebt. Unsere Sprache hat noch nicht mit den neuesten Entdeckungen gleichen Schritt halten können und es ist schwer, in Kürze mit der, der alten Finsterniß angepaßten Weise des Ausdrucks die neue Erkenntniß mitzutheilen. Sie waren vor vier Wochen noch eine Anzahl hin und her zerstreuter Atome, ein Theil der die Luft, das Wasser, die Erde, die Früchte, das Fleisch der Thiere u. dgl. in der Umgebung und in der Ferne bildenden Bestandtheile. Ich habe Sie jetzt zum ersten male und mich haben Sie nie gekannt. Diese Erklärung wird hinreichen mich zu entschuldigen, wenn ich Sie bitte, mir jetzt Ihre Gegenwart zu entziehen und mir zu erlauben, daß ich einige Worte an diese Frauen richte, welche, in dem Wahne, Sohn und Bruder vor sich zu sehen, nicht anstanden, vor meinen Augen einen gänzlich Unbekannten zu umarmen. — Die Schwester, die von dieser Erklärung kein Wort begriffen hat, spricht bestürzt über des Vaters kalte Zurückweisung ihres Bruders: Vater, lieber Vater! kennst du ihn wirklich nicht mehr, deinen Sohn, meinen lieben Bruder? Erkannte ich ihn doch in demselben Augenblicke, da er eintrat. Wie wenig haben sich seine Züge verändert. Nur kräftiger, männlicher, schöner ist er geworden in der Zeit, da wir ihn entbehren mußten. — Schweig, Thörin! erwiedert ihr mit finsterem Ernste der Vater. Die Aehnlichkeit, die du zu erkennen glaubst zwischen diesem hier und einem Wesen, das du gekannt haben willst, ehe du selbst warst, als dich noch das Thierreich, das Pflanzenreich, das Mineralreich als zerstreute Elemente einschloß, ist bloßer Schein. Fremde Stoffe können wohl in eine Verbindung eintreten, die einer früheren ähnlich ist, sie ist darum aber nicht die frühere Verbindung selbst, da jeder Stoff nur in seiner eigenen Verbindung mit anderen stehen kann, und weder du noch er haben jene frühere Verbindung gesehen. Dieses vermeinte Wiedererkennen ist nichts als eine traurige Sinnentäuschung, und wahrhaft lächerlich ist der Wahn, es könne in Wirklichkeit je Bruder und Schwester geben, die nicht Zwillinge und unter vier Wochen alt sind! — Zitternd und bis auf den Tod erschreckt, wirft sich jetzt sein Weib mit Thränen an seine Brust. Mein theurer Gemahl! jammert sie, welch böser Traum hält dein Gemüth gefesselt? Schau doch um dich! Sieh hier deinen und meinen Sohn, sieh dein treues Weib hier an deiner Brust! Die übergroße Freude hat dir geschadet. Laß, ach laß die bösen Gedanken fahren und sammle dich wieder und danken