# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1863_S240 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 240 Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. wenn, wie die Materialisten behaupten, es gar keine Seele giebt, wenn das, was man Seele nennt, nur entweder bestimmte Stoffabsonderungen des Gehirns oder veränderliche Effecte der Stoffverbindung dieses Organs sind, diese sogenannte Seele also in dem, alle vier Wochen eintretenden völligen Umtausch der den Menschen bildenden Stoffe so verflochten und einbegriffen ist, daß der Mensch nach Leib und Seele in je acht und zwanzig Tagen ein gänzlich anderes und neues Wesen wird. Die Seele wechselt dann zugleich mit dem Stoffe, ja eigentlich mit jedem Wechsel stofflicher Wirkung. Giebt's also eine moralische Verantwortlichkeit für Gesinnung und That, so ruht sie allein auf den Stoffen, die in dem Zeitraume von vier Wochen sich vollständig in die Luft, in das Wasser, zu den Elementen der mütterlichen Erde heimlich zurückgezogen und verloren haben und gleichsam höhnisch den Fremden, an ihren Thaten ganz unschuldigen, eine völlig neue Seele erzeugenden Stoffen die Folgen jener Thaten als Vermächtniß zurücklassen. Haben die Vertreter der neuen Lehre noch ein natürliches Rechtsgefühl, so müssen sie schon im Namen der gemeinsten Moral die Menschen vor solchem Betruge der heimlich entweichenden Stoffe warnen und eine völlige Umwälzung aller sittlichen Verhältnisse der Menschen fordern, damit nicht, wie jetzt in ihrem Sinne noch allgemein geschieht, Strafe und Verdienst den Schuldlosen und Unwürdigen treffe. Welche Ausdehnung eine solche Umwälzung der Grundlagen der Familie und der Gesellschaft überhaupt gewinnen würde, das wollen wir nun in einigen Andeutungen an einem Beispiel zu zeigen versuchen. Eine glückliche Familie wird soeben durch ein freudig überraschendes Ereigniß in große Aufregung versetzt. Der älteste Sohn des Hauses tritt plötzlich und unerwartet, von einer mehrjährigen Reise glücklich zurückgekehrt, in den Kreis der Familie ein. Alles eilt, ihn in die Arme zu schließen. Der Vater allein bleibt kalter und stummer Zuschauer in dieser ergreifenden Scene. Er ist ein Materialist, wie ihn die sogenannte moderne Wissenschaft nur wünschen kann, ein Forscher, der „sich von den ebenso einfachen, als unvermeidlichen Consequenzen einer vorurtheilslosen empirisch⸗philosophischen Naturbetrachtung nicht zimperlich zurückziehen mag, sondern die Wahrheit in allen ihren Theilen auch wirklich eingesteht." Der Sohn wirft sich auch ihm in die Arme, wird aber, wenn auch höflich, doch mit solcher Kälte abgewiesen, daß er erschreckt ausruft: Vater! kennst du mich nicht mehr? Oder hat irgend ein mir gänzlich unbekanntes Verhängniß deine väterliche Liebe mir entreißen dürfen? — Thörichter Fremdling! — beginnt der Vater, — Sie nennen mich Ihren Vater und beweisen damit, wie sehr Sie noch in jenem Aberglauben und finsteren Betruge gefangen sein müssen, den die Wissenschaft der Jetztzeit endlich aufgedeckt hat, indem sie dem Geiste das alle Nebel des Scheines und der Unwissenheit durchdringende und verscheuchende Licht der Wahrheit schenkte. Ich verzeihe Ihre Verwegenheit, die Sie hier ohne Einführung und Anmeldung eindringen ließ, denn ich kenne die Stärke jenes Betruges, in dem ich selbst allzulange befangen gewesen bin. Erfahren Sie denn, es ist jetzt eine wissenschaftlich festgestellte und nicht mehr zu