# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1863_S239 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. 239 tungen des Körpers sind nicht unmittelbar Zwecke des Lebens, sondern bestimmt, die Bedingungen zu unterhalten und herzustellen, die zur Erfüllung jener beiden Zwecke nothwendig sind. Die Zersetzungsmassen, die aus der Abnutzung durch die Function entstehen, rühren daher vorwiegend vom Nervensystem und den Muskeln her; der Nerv, indem er den empfindungs⸗ oder den bewegungserzeugenden Vorgang in sich leitet, vermag dies nur um den Preis einer leisen Zersetzung und Störung seiner chemischen Constitution; der Muskel, indem seine einzelnen Molecüle zur Erzeugung einer mechanischen Kraft sich zusammenziehen, kann diese verstärkte Attractionskraft ebenfalls nur durch veränderte chemische Zustände entwickeln und geht so durch seine Function in Zersetzung über. Beide Theile, mit der activsten Function unter allen Organen begabt, bedürfen am meisten der fortdauernden Regeneration durch den Blutstrom, ihre Kraft erlischt schnell, sobald der fortwährende Ersatz durch das arterielle Blut fehlt, und wir sind deshalb berechtigt, in ihnen einen sehr bedeutenden Stoffwechsel und einen großen Beitrag aus demselben für die Secretionen zu erwarten. Die übrigen Theile functioniren entweder überhaupt nur passiv, wie Knochen, Ligamente, Sehnen; ihre physikalischen Eigenschaften, die allein in Anspruch genommen werden, bedingen keine chemische Zersetzung, und da auch ihr Gefüge um seiner Function willen so fest beschaffen sein mußte, daß es nicht selbst zu einer leichten Zersetzung neigt, so ist in diesen Theilen die spontane Auflösung ebenso langsam und unbeträchtlich, als die durch die Function, während sie in jenen ersten Theilen, wie die Fäulniß nach dem Tode zeigt, bedeutend ist. . . . Wir haben also hier den speculativen Grund der Nothwendigkeit des Stoffwechsels klar genug erkannt; viel schwieriger ist es, zu entscheiden, welche chemischen Processe hier in seinen beiden Zweigen, der Anbildung und Rückbildung, wirklich vorgehen." Bei diesem aufrichtigen Geständnisse eines nahmhaften Physiologen müssen wir freilich erwarten, die Klage wiederholen zu hören, daß es kaum begreiflich erscheine, wie Männer von Fach die in dem Gehirn von Vogt, Czolbe, Büchner, Moleschott und Consorten so überzeugend zu Tage getretenen großen Entdeckungen der Naturwissenschaft so verkennen und übersehen können. Um nun unserem Materialisten keinen Anlaß zur Klage zu geben, daß wir in Bezug auf den Stoffwechsel die betreffende Fachwissenschaft gegen ihn zum Zeugen aufgerufen haben, wollen wir einmal seine Worte vollständig als Wahrheit gelten lassen, daß wir nämlich uns so rasch verwandeln, daß wir in einem Zeitraume von vier Wochen ganz andere und neue Wesen geworden sind. — Für den, welcher das Dasein und die Unsterblichkeit der Seele glaubt, ist jener Satz in religiöser und sittlicher Hinsicht völlig gleichgültig, da nur die Seele allein, die trotz allen Wechsels ihrer inneren Zustände der Substanz nach immer dieselbe bleibt, für das gesammte Thun und die Gesinnung des Menschen verantwortlich ist. Ganz anders verhält sich die Sache jedoch,