# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1863_S236 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 236 Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. werden. Sei es, wo es wolle, überall wird es das nämliche Wesen sein; aus jeder noch so heterogenen Verbindung wird es bei dem Zerfall derselben als dasselbe Atom wieder austreten, als das es eintrat. Nie und nimmer kann aber ein Atom neu entstehen oder aus dem Dasein verschwinden; es kann nichts, als seine Verbindungen wechseln. Aus diesen Gründen ist der Stoff unsterblich, und aus diesem Grunde ist es, wie schon früher dargethan, unmöglich, daß die Welt eine gewordene sei. Wie könnte etwas geschaffen worden sein, das nicht vernichtet werden kann!? Der Stoff muß ewig gewesen sein, ewig sein und ewig bleiben. „„Der Stoff ist ewig, es wechseln nur seine Formen.““ (Roßmäßler.) Es ist eine bis zum Ueberdruß gehörte und wiederholte Redensart vom „„sterblichen Leib““ und „„unsterblichen Geist.““ Eine etwas genauere Ueberlegung wird den Satz vielleicht mit mehr Wahrheit umkehren lassen. Der Leib in seiner individuellen Gestalt ist freilich sterblich, nicht aber in seinen Bestandtheilen. Nicht bloß im Tode, sondern auch im Leben verwandelt er sich, wie wir gesehen haben, ohne Aufhören; aber in einem höheren Sinne ist er unsterblich, da nicht das kleinste Theilchen von ihm vernichtet werden kann. Dagegen sehen wir das, was wir Geist nennen, mit dem Aufhören der individuellen stofflichen Zusammensetzung schwinden, und es muß einem vorurtheilsfreien Verstande scheinen, als habe dieses eigenthümliche Zusammenwirken vieler kraftbegabter Stofftheilchen einen Effect erzeugt, der mit seiner Ursache aufhören muß. [— Hier haben wir zur Abwechslung einmal wieder ein Zusammenwirken von kraftbegabten Stofftheilchen, die einen Effect erzeugen. Da nun dieser Effect nicht im Leeren schweben kann, sondern an einem wirklichen Wesen haften muß, die wirklichen Wesen aber nur die unveränderlichen Atome sind, so kann dieser Effect, nach materialistischer Lehre, allein in der veränderten Lage der Atome bestehen. Diese veränderte Lage also ist's, was der Materialist hier Geist nennt. Im ersten Kapitel war aber behauptet worden, daß die an der Materie sinnlich wahrnehmbaren Veränderungen, d. i. die Lagenveränderungen der Stofftheile, nicht die Wirkung von Kräften, sondern die Kräfte selbst seien! —] „„Wenn wir mit dem Tode nicht vernichtet werden,““ sagt Fechner, „„unsere bisherige Existenzweise können wir doch im Tode nicht retten. Wir werden sichtbarlich wieder zu der Erde, von der wir genommen worden. Aber indeß wir wechseln, besteht die Erde und entwickelt sich fort und fort; sie ist ein unsterblich Wesen und alle Gestirne sind es mit ihr.““ Hierauf bringt schließlich der Verfasser noch einige Belege dafür, „daß auch frühere Philosophen eine Kenntniß dieser folgenwichtigen Wahrheit besaßen, wenn auch mehr in unklarer und ahnender, als wissenschaftlich sicher erkannter Weise.“ Denn „den Beweis dafür,“ sagt er, „konnten uns erst unsere Wagen und Retorten liefern,“ so daß „heute die Unsterblichkeit des Stoffes eine wissenschaftlich festgestellte und nicht mehr zu leugnende Thatsache“ ist. Er citirt zuerst den berüchtigten Wiedertäufer Sebastian Frank, jenes „böse lästerliche Maul, das nichts kann, denn lästern und