# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 10 13_S151 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) haftig gegenwärtig und vermittelſt des Brodes und Weines gereicht werden. Der Calviniſt ſpricht zwar, er glaube auch, jenem apoſtoliſchen Ausſpruche gemäß, eine Gemeinſchaft des Leibes und Blutes Chriſti im Sacrament; der Glaube erhebe ſich nemlich bei der Feier des heiligen Abend⸗ mahls in den Himmel und trete auf dieſe Weiſe durch die Kraft des Heiligen Geiſtes in des Lei⸗ bes und Blutes Chriſti Gemeinſchaft; aber nach dieſer Lehre müßte der Apoſtel geſagt haben: das Brod und der Kelch iſt die Abweſenheit von dem Leibe und Blute Chriſti und die Gemein⸗ ſchaft dieſer himmliſchen Güter iſt der Glaube und Heilige Geiſt. Uebrigens ſetzt der heilige Apoſtel hinzu: „Denn Ein Brod iſt es, ſo ſind wir viele Ein Leib; dieweil wir alle Eines Brodes theilhaftig ſind.“ (1 Cor. 10, 17.) Hieraus geht hervor, daß der Apoſtel von einer Gemeinſchaft rede, in welche alle Communicanten treten, auch die keinen Glauben haben, die ſich alſo nicht mit ihrem Glauben in den Himmel erheben und ihn nicht geiſtlich genießen können. Doch dieſes geht noch deutlicher aus einer anderen Stelle hervor; derſelbe Apoſtel ſchreibt nemlich 1 Cor. 11, 27. 29. alſo: „Welcher nun unwürdig von dieſem Brod iſſet, oder von dem Kelch des HErrn trinket, der iſt ſchuldig an dem Leibe und Blute des HErrn. Wel— cher unwürdig iſſet und trinket, der iſſet und trin⸗ ket ihm ſelber das Gericht, damit, daß er nicht unterſcheidet den Leib des HErrn.“ Dieſe Stelle geleſen zu haben, und doch noch daran zweifeln, ob die Worte Chriſti: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, eigentlich zu ver⸗ ſtehen ſeien, ob nemlich laut dieſer Worte im hei⸗ ligen Abendmahl wirklich der Leib und das Blut Chriſti in, mit und unter dem Brode und Weine dargereicht und mit dem Munde genoſſen werde, das ſcheint unmöglich zu ſein. Denn was ſagi hier der Apoſtel? Er ſagt, daß diejenigen, welche die geſegneten Elemente unwürdig genießen, da⸗ durch ſchuldig werden nicht überhaupt an Chriſto und ſeiner Stiftung, ſondern an ſeinem Leibe und Blute, und ſich das Gericht eſſen und trinken, und zwar darum, weil ſie nicht unterſcheiden den Leib des HErrn. Offen⸗ bar genießt hiernach auch der, welcher das heilige Abendmahl unwürdig genießt, den Leib des HErrn, denn eben durch den unwürdigen Genuß dieſes Leibes wird er ſchuldig des Gerichts und dieſer ſein unwürdiger Genuß beſteht eben darin, daß er das Mahl, in welchem er den Leib des HErrn genießt, nicht von andern Mahlzeiten unterſcheidet, wo der Leib des HErrn nicht genoſſen wird. Genießt aber nun derjenige auch den Leib des HErrn, der ſich daran das Gericht ißt, ſo iſt es unwiderſprechlich gewiß, daß der Leib des HErrn wirklich und wahrhaftig im heiligen Abendmahl gegenwärtig ſei und daß er, da ihn der Ungläubige nicht mit dem Munde des Glaubens genießen kann, auch mit dem leiblichen Munde, obwohl nicht natürlicher, ſondern unbegreiflicher Weiſe genoſſen werde. So iſt es denn gewiß, die Worte: „Das iſt 15¹ mein Leib; das iſt mein Blut“, können nicht anders, als eigentlich verſtanden werden; wer, um das darin ausgeſprochene Geheimniß nicht annehmen zu müſſen, dieſe Worte für bildliche Ausdrücke erklären will, den werden daher auch jene Worte an jenem Tage anklagen und richten. (Schluß folgt.) (Eingeſandt.) Einige offene Bekenntniſſe eines Philoſophen. Jacobi, einer der Edelſten von denen, die auf dem Wege der Vernunft die Wahrheit zu finden ſuchten, ſchreibt von Claudius: „Ihm iſt ſein Glaube nicht blos höchſte und tiefſte Phi⸗ loſophie, ſondern etwas noch darüber hinaus, wie ich mir das auch wohl wünſchen könnte, aber nicht zu verſchaffen weiß.“ An den frommen Hamann ſchreibt derſelbe: „Wir ins⸗ geſammt an Geiſt reicher oder ärmer, höher oder geringer, mögen es angreifen, wie wir wollen, wir bleiben abhängige, dürftige Weſen, die ſich durch⸗ aus nichts ſelbſt geben können; un ſere Sinne, un ſer Verſtand, unſer Wille ſind öde und leer, und der Grund aller ſpeceu⸗ lativen Philoſophie nur ein großes, bodenloſes Loch, in das wir vergeblich hineinſehen.“ Wem fällt hier nicht ein, was der Prophet ſagt: „Mich, die lebendige Quelle, verlaſſen ſie, und machen ihnen ſelbſt hie und da Brunnen, die doch kein Waſſer geben“; oder was der Apoſtel ermahnt (Col. 2, 7. ff.): „Seid ge⸗ wurzelt und erbauet in Ihm (IEſu Chriſto) und ſeid feſt im Glauben, wie ihr gelehret ſeid, und ſehet zu, daß euch Niemand beraube durch die Philoſophie und loſe Verführung (eigentlich leere Irreführung, Verlockung vom rechten Weg) nach der Menſchen Lehre und nach der Welt Satzun⸗ gen und nicht nach Chriſto. Denn in Ihm wohnet die ganze Fülle der Gottheit leibhaf⸗ tig.“ — Derſelbe Jacobi ſchreibt nach dem Tode ſeines Sohnes und ſeiner Gattin an denſelben Hamann hinwieder: „Philoſophiren da hin⸗ auf werden wir uns mit und aus unſerm natür⸗ lichen Leibe nicht, ſondern wenn es eine gewiſſe Gotteserkenntniß für den Menſchen gibt, ſo muß in ſeiner Seele ein Vermögen liegen, ihn da hin⸗ auf zu organiſiren. Ich glaube, HErr, hilf meinem Unglauben!“ — Der Leſer wird das wohl etwa nicht ganz verſtehen, es iſt aber im Grunde nichts anderes damit ge⸗ ſagt, als: Ich erkenne, daß unſere Philoſophie uns nicht in den Himmel helfen kann, es gehört etwas anderes dazu, nämlich Das, was Chriſtus auch jenem Nicodemus zu Gemüthe führt Joh. 3.: „Ihr müſſet von neuem geboren werden; es ſei denn, daß Jemand von neuem geboren werde, ſo kann er das Reich Gottes nicht ſehen.“ Der Apoſtel aber ſagt: „Iſt jemand in Chriſto, ſo iſt er eine neue Creatur.“ — Endlich noch am Abend ſeines Lebens ſchreibt Jacobi: „Du ſiehſt, lieber Reinhold, daß ich immer noch derſelbe bin; durchaus ein Heide mit dem Verſtand, mit dem Gemüthe ein Chriſt, ſchwimm ich zwiſchen zwei Waſſern, die ſich mir nicht vereinigen wollen, ſo daß ſie gemeinſchaftlich mich trügen, ſondern wie das eine mich unaufhörlich hebt, ſo verſenkt zu⸗ gleich unaufhörlich mich das andere.“ Du aber, chriſtlicher Leſer, gedenke nach ſolchem allem des Gebetes deines Heilandes: „Ich preiſe Dich, Vater und HErr Himmels und der Erden, daß Du ſolches den Weiſen und Klugen verborgen haſt und haſt es den Unmündigen geoffenbaret. Ja, Vater, es iſt alſo wohlgefällig geweſen vor Dir“, — und ſtimme in ſolchen Preis um ſo viel mehr von Herzen mit ein. (Nördl. Sonntagsblatt.) Die Lehre von der vollkommenen Heiligung nach der Erfahrung, inſonderheit in der Todesſtunde. Bekanntlich hat Wesley, der Stifter der Methodiſtenkirche, u. a. den gefährlichen Irrthum gehegt und gepredigt, daß eine völlige Ertödtung der Sünde und eine gänzliche Heiligung des Lei⸗ bes und der Seele noch in dieſem Leben für die Gläubigen erreichbar ſei. Merkwürdig iſt, daß Wesley ſelbſt nie geglaubt hat, dieſe hohe Stufe eines Chriſten erſtiegen zu haben. Noch im An⸗ geſichte des Todes hat er ausdrücklich das Gegen⸗ theil von ſich ausgeſagt Als er zu Briſtol auf der Conferenz von 1783, in ſeinem achtzigſten Jahre, ſchwer krank war und einen Schlagfluß beſorgte, ſagte er zu einem ſeiner Freunde: „Ich habe über mein verfloſſenes Leben nachgedacht; ich bin hin und her gezogen, funfzig bis ſechzig Jahre lang, und habe in meiner Armuth meinen Mitgeſchöpfen wohlzuthun geſucht, und nun bin ich nur noch einige Schritt weit vom Tode; wor⸗ auf kann ich nun meine Hoffnung gründen, um ſelig zu werden? Ich kann nichts ſehen, was ich gethan oder gelitten habe, was nur der Betrach⸗ tung werth wäre. Auf nichts kann ich mich be⸗ rufen als darauf: „„Ich bin der vornehmſte Sünder, aber JEſus iſt für mich ge⸗ ſtorben.““ (Im Engliſchen ein Vers aus einem Liede: „Ithe chief of sinners am, but Jesus died for me.“) — In ſeiner letzten Krankheit, wenige Tage vor ſeinem Tode, berief er ſich auf dieſes Bekenntniß, und als ihn Jemand fragte: „Iſt das auch jetzt noch die Sprache Ihres Her⸗ zens, und ſind Sie noch ebenſo geſinnet wie da⸗ mals?“ erwiderte er: „Ja!“ Derſelbe ſagte ihm den Vers: „Bold I approach th' eternal throne, And claim the crown, through Christ my own“ (Kühn trete ich vor den ewigen Thron, und bitte mir die Krone aus, die durch Chriſtum mein iſt), und fügte dann hinzu: „Das iſt genug, er, unſer theurer Immanuel, hat ſie erkauft, er hat ſie verheißen“; da erwiderte Wesley mit Nachdruck: „Er iſt Alles in Allem!“ Und den⸗ ſelben Abend ſagte er wieder: „Wie nothwen— dig iſt es doch für Jeden, auf dem rech⸗ ten Grunde zu ſtehen! Es iſt kein anderer als der: „„Ich bin der vornehmſte Sün⸗ der, aber JEſus iſt für mich geſtor⸗ ben.““ Am folgenden Tage, dem Tage vor ſrinem Tode, bei noch größerer Schwäche, ſagte er leiſe aber deutlich: „Es iſt kein anderer Weg ins Allerheiligſte, als durch das Blut JEſu.“ So hat er bis zum letzten Augenblick ſich ſelbſt, alſo ſowohl für ſein früheres als damaliges Le⸗ ben, der Vergebung bedürftig erklärt, und an allen ſeinen Werken die Flecken deutlich erkannt, welche ſie ganz untauglich machten, um vor Gott nach den Forderungen ſeiner Gerechtigkeit ohne Gnade zu beſtehen. — — Ein Wink für Erzieher. Ein Abt klagte im Geſpräch mit Anſelm, Erzbiſchof von Canterbury am Ende des 11. Jahrhunderts, über die unverbeſſerliche Jugend, die durch alles Schlagen ſich nicht wolle beſſern laſſen. Der Erzbiſchof antwortete: „Ein gutes Zeichen für Eure Erziehungskunſt!“ Der Abt erwiderte: „Nun, iſt es denn unſere