# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1863_S233 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. 233 hat, irgend schmälern zu wollen. Schon diese Liebe zur Wissenschaft allein muß uns jedoch dazu auffordern, von dem, was die Chemie als richtige und unzweifelhafte Erfahrung gewonnen, dasjenige abzuscheiden, was als bloße Zuthat unwissenschaftlichen materialistischen Gehirns dem echten Resultate beigemischt wird. Eine solche ist hier der Satz, daß die Menge und Qualität der Grundstoffe für alle Zeiten unabänderlich bleibe, daß die Materie unvergänglich, ewig, niemals zerstörbar sei, ein Grundstoff niemals vernichtet werden könne. Davon weiß der Chemiker nichts. Diesen Satz auch nur zur Hälfte als Resultat seiner Wissenschaft darbieten zu können, hätte der Chemiker von Anfang der Welt an, oder vielmehr von Ewigkeit her bis auf diesen Augenblick nicht nur die Erde, sondern die ganze unermeßliche Welt auf seiner Wage halten müssen, um zu erfahren, daß sie diese ganze Zeit hindurch auch nicht um das Gewicht eines „unendlich kleinen Stofftheilchens“ leichter geworden sei!! Was ist's denn, das die Chemie in dieser Beziehung wirklich gefunden hat? Nichts weiter, als daß keines aus dem halben Hundert Grundstoffe, aus welchen die ihr bisher zugänglich gewordenen Theile der Erde bestehen sollen, bei ihren bis jetzt angestellten Versuchen weder von selbst vollständig verschwand, noch irgend eines aus ihrer Anzahl vernichtete. Weiß der Chemiker aus Erfahrung, daß was bisher nicht geschehen ist, unter keiner Bedingung je möglich werden kann? Nichts weniger als das. Weiß er aus seiner Erfahrung, was überall da geschieht, wo die Natur nicht in seinem Apparate gefangen ist und zur Rechenschaft ihres Thuns gezogen wird? Daß auch in den weiten unermeßlichen Himmelsräumen sich kein Grundstoff vorfindet, der unter irgend einer Bedingung das zu thun vermöchte, wovon der Materialist behauptet, es sei unmöglich, einzig darum, weil etwas Aehnliches bisher in keiner chemischen Retorte geschehen ist? Wenn nun, wie unleugbar ist, der Chemiker jenen Satz nicht aus der Erfahrung gewinnen kann, auf welchem Wege will er dazu gelangen? Daß allein die ewige unzerstörbare Natur der Grundstoffe ihr bisheriges Nichtverschwinden in der Retorte erkläre, ist offenbar nur eine Hypothese. Will er eine sichere unzweifelhafte Ueberzeugung darüber gewinnen, so kann das nur auf dem Wege metaphysischer Speculation geschehen, indem er eine Untersuchung über das Sein anstellt und ob es denkbar sei, daß ein Stoff den andern der Existenz berauben könne. Das ist aber nicht Chemie, sondern Metaphysik. Ein Schriftsteller nun, der den Unterschied zwischen Empirie und Speculation, zwischen Chemie und Metaphysik noch nicht gefaßt hat, sollte in der That nicht wagen, auf dem Gebiete der Naturwissenschaften als Lehrer aufzutreten. — Was hier von der Unvergänglichkeit der Materie gesagt ist, gilt in noch höherem Grade von ihrer sogenannten Unveränderlichkeit. In Bezug hierauf haben die chemischen Experimente z. B. das Resultat geliefert, daß Weine und ätherische Oele durch Destillation verdorben und durch das Zusammengießen des Getrennten nicht wiederhergestellt werden, was deutlich auf eine Veränderung der Stoffe hinweist.