# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 10 13_S150 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 150 wurde der HErr für ſolche unausſprechliche Gnade den und welche traurigen Folgen ein einziger, von herzlich geprieſen und es entſtand eine ſo brün⸗ ſtige, ſelige Freude, welche keine Feder zu be⸗ ſchreiben im Stande iſt. Faſt ganz Oberdeutſch⸗ land trat der Concordia bei. „Wir ſehen aus vielen deutlichen Merkmalen, erklärten die Augs⸗ burger, daß dieſe Concordia nicht von Menſchen, ſondern von Gott komme“, und ſprachen ihre Freude darüber gegen Luther ſehr zart und edel in folgenden Worten aus: „Wir mögen billig mit dem Apoſtel St. Paulo ſagen: Gelobet ſei Gott der Vater unſeres HErrn IEſu Chriſti, der Va⸗ ter der Barmherzigkeit und Gott alles Troſtes, der uns tröſtet in allen unſern Trübſalen. Denn weil der Chriſtenheit bisher nichts beſchwerliche⸗ res hat mögen widerfahren, als dieſer Zwieſpalt zwiſchen uns: wer wollte ſich nicht tröſten und freuen dieſes neuen ſeligen Anfangs einer chriſt⸗ lichen Concordia. . . . Unſer HErr Chriſtus, wel⸗ cher iſt unſer Friede, und darum gekommen, daß er uns mit ſeinem Vater verſöhnte, und aus bei— den eins gemacht: derſelbige wolle dieſen Sinn und Herz, damit wir uns unter einander gefaſſet haben, welchen auch er ſelbſt durch ſeinen Geiſt aus Erbarmung ſeiner Chriſtenheit gegeben hat, bis ans Ende beſtändiglich mehren und erhal⸗ ten. . . Unſeres Schreibens halben ſollen E. Ehrw. nicht zweifeln, daß wir nicht eine todte Schrift, ſondern unſer lebendiges Herz E. Ehrw. zuge⸗ ſchickt haben; wie wir auch gewißlich dafür halten, daß wir nicht todte Buchſtaben, ſondern das le— bendige Herz chriſtlicher Liebe von Euch empfan— gen haben, wie E. Ehrw. Worte auch klärlich und ausdrücklich lauten: Ihr wollet Euch auch mit ſo herzlicher und rechtſchaffener chriſtlicher Liebe gegen uns erzeigen, wie wir Euch mit rechter Liebe und Treue aufnehmen. Item: Ihr ſollet Euch gewißlich des verſehen in Chriſto IEſu, daß Ihr uns nichts könnet auflegen, das wir nicht gerne und mit Freuden thun, ja auch leiden wol⸗ len, die Concordia zu bekräftigen. Da wir ſol— ches geleſen, hat es uns gedäucht, wir haben einen ſonderlichen ſüßen Geſchmack empfangen eines ganz freundlichen Herzens, und wünſchen von Gott, daß wer ſolch chriſtlich Herz und Sinn ſich wollte unterſtehen bei E. Ehrw. zu wenden oder zu verſtören, daß er von Gott wieder verſtöret werde: dagegen, wer dieſe chriſtliche Concordia hilft fördern, womit er kann, daß ihm von Gott wieder vergolten werde.“ Hermann Fick. * Warum ſind die Einſetzungsworte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, eigentlich zu verſtehen? (Fortſetzung.) 4. Wir kommen nun zu einem vierten Grund, warum wir glauben müſſen, daß dieſe Worte eigentlich zu verſtehen ſeien, und dieſer Grund iſt: weil Chriſtus allwiſſend iſt, und da⸗ her auch in die Zukunft blicken konnte. — Daß der kurzſichtige Menſch ſich oft mißver⸗ ſtändlich ausdrückt, das iſt kein Wunder, denn er ahnt oft nicht und kann es nicht vorausſehen, wie ſeine Worte vielleicht werden mißverſtanden wer⸗ ihm gebrauchter dunkler und zweideutiger Aus⸗ druck haben kann. Aber man bedenke, Chriſtus, der ewige Sohn Gottes, konnte in die Zukunft blicken; alles, was ſpäter in ſeiner Kirche ge— ſchehen iſt, ſtand einſt hell und klar, wie ſchon ge— ſchehen, vor ſeinen Augen; er ſah voraus, in wie vielen Millionen Seelen die Frage aufſteigen werde: Wie ſind die Worte zu verſtehen: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“? er ſah voraus, welch ein hitziger Kampf über dieſen Worten einſt ausbrechen werde; er ſah voraus, wie ſein treuer Knecht Luther, und viele tauſend redliche Seelen nach und mit ihm, in ihrem Gewiſſen würden gebunden ſein, von dem eigentlichen Sinne jener klaren Worte nicht abzugehen und denſelben nicht willkürlich eine verblümte Bedeutung unterzu⸗ legen; er ſah voraus, wie der Streit über den rech⸗ ten Sinn jener Worte eine große, gefährliche und verderbliche Trennung ſeiner Kirche, den Verluſt vielleicht unzähliger Seelen und überhaupt un⸗ ſäglichen, namenloſen Jammer und Herzeleid in der Kirche der letzten Zeit zur Folge haben werde. Das bedenke man und frage ſich nun: wenn es Chriſti Wille geweſen wäre, daß man die Worte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, nicht, wie ſie lauten, nicht eigentlich nehmen ſolle, wäre es dann nicht — es iſt erſchrecklich zu ſagen — höchſt unweiſe, lieblos und grauſam geweſen, daß er es nicht hinzugeſetzt hätte, daß dieſe Worte eine uneigentliche Bedeutung haben, und welches dieſe uneigentliche Bedeutung derſelben ſei? Wie? vor Chriſti Blicken lag die Zukunft wie die Ge⸗ genwart; er ſah im Voraus, welche Zwietracht über dieſen ſeinen Worten in ſeiner Kirche ent⸗ ſtehen und wie darüber unzählige Seelen um— kommen würden; er hörte ſchon das Seufzen der treueſten Herzen nach Wahrheit und Klarheit; er wußte auch, daß er dieſes alles verhüten könnte, wenn er anſtatt: „Das iſt mein Leib“ ꝛc. ſagen würde: „Das bedeutet meinen Leib oder das iſt meines Leibes Zeichen“ und dergleichen — und Chriſtus ſollte dies alles nicht geachtet und, dem Frieden ſeiner Kirche, der Ruhe und dem Heile unzähliger Seelen zum Trotz, doch verblümt, dunkel und zweideutig geredet haben? Trüge dann nicht eigentlich Chriſtus die Schuld alles des Unheils, was aus dem Mißverſtehen ſeiner Worte entſtanden wäre? Wie? deß könnte ſich ein Chriſt überreden laſſen? Nein, das ſei ferne! So ge⸗ wiß Chriſtus alle Schickſale ſeiner Kirche und auch die Kämpfe derſelben über den wahren Sinn der Stiftungsworte ſeines heiligen Sacraments vorausgewußt hat, ſo gewiß hat er gerade ſo ge⸗ redet, daß nur derjenige ſeinen Sinn verfehlt, der ſeine Worte nicht einfältig nimmt, wie ſie lauten; ſo gewiß ſind alſo die Worte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, nicht bildlich und un⸗ eigentlich, ſondern nach dem Laut der Buchſtaben oder eigentlich zu verſtehen. Ein lutheriſcher Chriſt kann deß ſo gewiß ſein, ſo gewiß er ſich der Weisheit*) und Liebe ſeines Heilandes verſichert halten kann. *) Es gibt Reformirte, welche, um ihre falſche Lehre vom heiligen Abendmahle nicht fahren laſſen zu müſſen, * 5. Einen fünften Grund für den eigentlichen Verſtand der Einſetzungsworte geben uns die Schriftſtellen an die Hand, in welchen außerdem von dem heiligen Abendmahl gehandelt wird. Alſo ſchreibt erſtlich der Apoſtel Paulus 1 Cor. 10, 16.: „Der geſegnete Kelch, welchen wir ſegnen, iſt der nicht die Gemein— ſchaft des Blutes Chriſti? Das Brod, das wir brechen, iſt das nicht die Gemeinſchaft des Leibes Chriſti?“ Von dieſer Stelle ſchreibt Luther: „Dieſen Tert habe ich gerühmet und rühme noch, als meines Her⸗ zens Freude und Krone. Das iſt einmal ein Tert ſo helle und klar, als die Schwärmer und alle Welt nicht begehren noch fordern könnten.“ (Siehe: Großes Bekenntniß von 1528.) Und wer muß nicht in dieſes Bekenntniß unſeres theu⸗ ren Luther einſtimmen? — Werden den Gegnern der Lehre, daß im heiligen Abendmahle der wahre Leib und das wahre Blut JEſu Chriſti gegen⸗ wärtig ſei und mit dem Munde genoſſen werde, die klaren, einfältigen Einſetzungsworte vorgehal⸗ ten, dann heißt es bei ihnen gewöhnlich: Ja, es ſteht wohl da: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, aber man muß es auch recht erklären. Man ſpricht, wer dürfte Chriſti eigene Worte ver⸗ werfen? Das ſei ferne! recht ausgelegt, neh⸗ men wir ſie auch an.“) Aber was verſteht man gewöhnlich unter der „rechten Auslegung“? Offen⸗ bar nichts anderes als eine Auslegung nach dem Dünken ſeiner fleiſchlichen Vernunft; denn wer die rechte Auslegung, die der Heilige Geiſt ſelbſt über Chriſti Worte gegeben hat, wirklich an⸗ nehmen will, der kann nicht anders, als die Worte Chriſti nehmen, wie ſie lauten. Klar und deutlich ſagte der Heilige Geiſt durch Paulus, der geſegnete Kelch ſei nicht ein Zeichen, ſondern die Gemeinſchaft des Blutes Chriſti, und das Brod, das wir brechen, ſei nicht eine Bedeutung, ſondern die Gemeinſchaft ſeines Leibes. Dieſe Worte ſind offenbar eine ſo heirliche Beſtätigung des eigentlichen Verſtandes der Worte Chriſti, daß ſie nicht herrlicher ſein könnte. Dieſe Worte ſind ein wahrer Donnerſchlag für alle diejenigen, welche die wahrhaftige Gegenwart des Leibes und Blutes Chriſti leugnen, denn auch ein Kind kann es ja einſehen, wenn Brod und Wein im heiligen Abendmahle die Gemeinſchaft des Leibes und Blutes Chriſti iſt, ſo kann letzteres beides nicht von den geſegneten Elementen entfernt, beides muß vielmehr damit vereinigt, wirklich und wahr— lieber den Glauden an Chriſti Weisheit fahren laſſen. So hat unter Anderen der berüchtigte Albrecht Harden⸗ berg, 1552 zu den Reformirten abgefallener Prediger in Bremen, geſagt: „Chriſtus habe, mit Todesgedanken um⸗ gehend, vor allzugroher Traurigkeit und großen Seelen⸗ ſchmerzen nicht gewußt, welcher Worte er ſich bei Einſetzung des heiligen Abendmahls bedienen ſolle.“ (Schluessel- burgii Catal. haer. Tom. III, p. 295.) Traurig auf⸗ richtiges Geſtänduiß! *) Andere ſind ſo aufrichtig, wie oben Hardenberg, und ſagen geradezu, man dürfe die Einſetzungsworte nur „mit dem linken Auge anſehen und müſſe das rechte auf die ganze chriſtliche Lehre richten“, wie Victorinus Strigelius ſchreibt, ja Schwenkfeld gibt geradezu die Regel: „Man muß dieſe Worte: „„Das iſt mein Leib““, aus den Au genthun; denn ſie hindern den geiſtlichen Verſtand!“ (S. Luthers kurzes Bekenntniß vom Jahre 1544.)