# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1863_S224 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 224 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. kirche, so wird sie sich selbst sagen, daß der Riß im Volke schon lange vorhanden gewesen und auf mannichfaltige Weise seit Jahren durch die Gymnasial- und akademische Bildung, durch die Verwaltung der Kirche und den alten Katechismus in den Schulen gefördert ist. Was im großen Ganzen planmäßig und nachhaltig verdorben ist, das wird man ohne die größte Unbilligkeit nicht ein paar Pastoren zumuthen wollen, in zehn Jahren zu verbessern. Wenn aber die Regierung um den langjährigen Riß selber wissen mußte, da er in den Städten nackt vor Augen lag, so mußte sie auch wissen, daß die Landeskirche mit oder ohne neuen Katechismus nur dadurch zu erhalten war, daß den kirchlichen Maßnahmen und Anordnungen mit Gewalt Nachdruck und Gehorsam verschafft wurde. Eine Landeskirche kann nie auf eine andere Weise bestehen, denn sie ist der Rebekka gleich, in deren Leibe Jakob und Esau mit einander ringen. Sie kann am wenigsten jetzt ohne Gewalt bestehen, und nicht der neue Katechismus ist für den zu Tage gelegten Riß verantwortlich zu machen, sondern daß die landeskirchliche Gewalt den neuen Katechismus im Stiche gelassen hat. Die Geistlichen haben nur die Macht des Wortes, welche sich erfahrungsmäßig und nach der Schrift nicht über den großen Haufen erstreckt.“ Deutschkatholicismus. Die Nr. 16 des „Sonntagsblattes“ von Uhlich enthält folgenden Nothschrei des Vorsitzenden des Aeltestenrathes der deutschkatholischen Gemeinde zu Leipzig, des Herrn E. Roßmäßler: „Vergesset Leipzig's nicht! Wenn jemals die Vertretung des religiösen Fortschrittes durch mannhafte Vorkämpfer von den Zeitumständen geboten war, und wenn diese irgendwie dringend zu wünschen gewesen ist, so ist es jetzt, so ist es in Leipzig der Fall, zu einer Zeit und an einem Orte, wo die Orthodoxie täglich entschiedener und starrer hervortritt. Seit der Entfernung des Dr. Beyer von Leipzig, seit Oktober 1860, ist unsere Gemeinde ohne eigenen Prediger und daher ohne geistige Leitung. Es ist nur dem tüchtigen Kerne, den die Gemeinde birgt, zu danken, daß sie in dieser Zeit nicht verkommen und zerfallen ist. Es wird aber nachgerade das Verlangen nach einem eigenen Prediger immer ungestümer, und schon lassen sich hie und da die unverkennbaren Zeichen der Entmuthigung wahrnehmen, und gleichen Schrittes wächst der kaum noch verhehlte Jubel unserer Gegner über den herbeigesehnten Verfall der Gemeinde.“ Missions⸗Bischof Colenso hat eine kritische Untersuchung der fünf Bücher Mosis und des Buches Josua herausgegeben, worin er leugnet, daß erstere von Moses selbst herrühren. Dies hat nicht nur unter den Christen großes Aergerniß gegeben, sondern bringt auch unter den Heiden seine bösen Früchte. Münkel schreibt: „Während erfreuliche Fortschritte des Evangeliums aus Indien gemeldet werden, hört man dagegen aus Ceylon, daß die buddhistischen Priester daselbst sich ernstlich zum Kampfe gegen das Evangelium rüsten. Sie haben eine eigene Gesellschaft zum Schutz des Buddhismus gebildet, haben die frechen ungläubigen Schriften Tom Payne's herausgegeben, die sie durch ihre Gotteslästerungen noch übertreffen, und haben schließlich sogar einen Auszug aus Bischof Colenso's kürzlich erschienenen Buche (siehe Nr. 1, S. 4) gebracht mit der Bemerkung, daß man nicht von ihnen verlangen könne, etwas zu glauben, was Bischöfe der christlichen Kirche selber nicht glauben. (!) Und Colenso ist ein Missionsbischof. Was deucht unsern Fortschrittstheologen von ihrer verbesserten Weltreligion? In Indien kann man ähnliche Wahrnehmungen machen.