# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1863_S221 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 221 von seinen Lesern Abschied und gibt als Ursache der Niederlegung seiner Redaction u. A. Folgendes an: „Die täglich hellere Einsicht in meine große Unvermögenheit, ein religiöses Blatt so zu leiten, wie es billig sein sollte. Es fehlt mir sehr viel an Bildung, an tiefer Einsicht und Erfahrung, und kurz, in jeder Hinsicht fühle ich mich weit hinter dem Ziele, eine solche wichtige Stelle länger zu begleiten.“ Wenn alle Redacteure religiöser Zeitschriften zu solcher Selbsterkenntniß kämen, wie viele solcher Zeitschriften würden dann wohl beim Leben bleiben? Und wäre das wohl ein Verlust für die Sache des Christenthums? Wir denken, nicht. Die Deutsch⸗Reformirten in den Verein. Staaten haben vor kurzem ihre Allgemeine Synodalversammlung in Tiffin abgehalten. Bei dieser Gelegenheit sind seltsame Reden geführt worden, wie der „Evangelist“ in der Nummer vom 13. Juni meldet. Pfarrer Lichtenstein sagte in Betreff des Heidelberger Katechismus, derselbe „würde selbst in Abwesenheit aller andern Dogmatiken ein hinreichendes Lehrbuch bilden.“ Gewiß ein Zeichen sehr genügsamer Theologie! Er sagte ferner: „Als erster Vorzug des Katechismus wurde hingestellt, daß er nicht gleich dem lutherischen das Gesetz dem Heil vorangehen läßt, sondern das Heil dem Gesetz.“ Der Herr scheint es also als einen Vorzug anzusehen, wenn man klüger ist, als der liebe Gott, der bekanntlich das Gesetz dem Evangelium, die Buße dem Glauben, die Sündenerkenntniß der Sündenvergebung, Christo hat voraus gehen lassen. Pfarrer Stern bemerkte: „Es gebe nur zweierlei Weise, den Ursprung unseres Heils festzusetzen. Entweder müsse man ihn mit den Lutheranern in den kirchlichen (!) Gnadenmitteln suchen, oder mit den Reformirten in Gottes freier Gnade.“ Hierbei fällt uns das Wort Luthers ein: „Die Schwärmer bekennen den gestorbenen Christum, der am Kreuz gehangen und uns selig gemacht, das ist wahr; aber sie leugnen alles, wodurch wir ihn bekommen, das ist, das Mittel, den Weg, die Brücke und den Steg, den brechen sie ein.“ (Zu 5 Mos. 4, 28.) Die Lutheraner halten eben darum so hoch von den Gnadenmitteln, weil sie den Ursprung des Heils allein in der Gnade suchen; was mag aber das für eine Gnade sein, die die Gnadenmittel zurücksetzt? — Dr. Kieffer endlich erklärte: „Ohne kirchliches Symbol sei und bleibe die Bibel ein todter Buchstabe.“ Oho! Deutsch⸗Reformirte in den Verein. St. In dieser Gemeinschaft wird gegenwärtig darüber sehr lebhaft verhandelt, ob der Name derselben in „Evangelisch⸗Reformirt“ verändert werden solle. Auf der nächsten Generalsynode soll die Sache zur Entscheidung gebracht werden. Am nüchternsten scheint uns die Classis von Ostpennsylvanien die Sache von ihrem Standpunkte aus anzusehen. Dieselbe hat bei Gelegenheit ihrer Sitzungen am 5. Mai Folgendes einstimmig angenommen: „Da die vorgeschlagene Veränderung im Namen und Titel unserer Kirche eine unserer Landmarken zu entfernen scheint, die dazu gedient hat und fernerhin dazu dienen mag, unsere eigenthümliche historische und kirchliche Stellung, die eben durch den Namen „Deutsch,“ den man ausstreichen will, der Kirche zum tiefen und lebendigen Bewußtsein gebracht worden ist: Da dies wenigstens ein Glied aus der Kette, die uns an unsere Ankergründe bindet, abschneidet und uns also mit der Gefahr droht, uns in unbekannte und unruhige Gewässer doctrineller Zwistigkeiten zu treiben: Da die Veränderung die Nothwendigkeit für die Veränderung der meisten, wo nicht aller Gemeinde-Charters in sich faßt, wodurch der Same zu Unruhen und Streitigkeiten, die gesetzlose Elemente zur Erreichung ihrer Zwecke benützen, in unsere Gemeinden ausgestreut werden möchte: Da unsere Kirche besonders in den letzten Jahren rasch an innerer Kraft und äußerer Ausdehnung unter ihrem jetzigen Namen zugenommen hat und Da endlich der Name „Deutsch“ uns mit ehrwürdigen und zärtlich gepflegten Traditionen verbindet und uns an dieselben erinnert: Darum Beschlossen, daß es die entschiedene Ueberzeugung dieser Classis sei, daß der Name unserer Kirche unverändert bleiben sollte, was er ist, Beschlossen, daß wir ungeachtet dieser unserer tiefen und ernsten Ueberzeugung, dennoch als eine gehorsame Tochter unserer Kirche, obgleich mit Sorge und Bedauern der vorgeschlagenen Veränderung uns fügen, wenn dieselbe von der Synode angenommen sein wird.“