# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1863_S219 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ein Beispiel der von den ev.⸗luth. böhm. Exulanten in Berlin ausgeübten Kirchenz. 219 übrige Geld war in ihrer Kiste. Es machte das alles in allem, was sie gestohlen, 8 Thlr. 15 Gr.“ Gefragt von den Brüdern, ob sie sich zu dem allem bekenne, antwortete sie, vor der Gemeinde herzlich weinend: Ich gestehe es. — Ferner wurde ihr gesagt von den Brüdern, ob sie es einsehe, daß sie die Strafe verdient habe. Sie antwortete, daß sie es verdient habe und daß sie strafwürdig sei. — Es wurde wieder zu ihr gesprochen, ob sie die Strafe tragen wolle? Sie bejahte es. — Hiernach las einer der Brüder diese Worte der Gemeinde vor: „Indem diese böse Person durch ihr gottloses Betragen Gott zu erzürnen und der ganzen Gemeinde, wie auch ihrer Mutter, einen großen Schmerz zu verursachen sich unterstanden hat, so haben wir Brüder, — obwohl ihr das die Herren, welche sie bestohlen hatte, vergeben haben, sie aber doch (weil sie selbst darum vorher in der Versammlung bat) der Gemeinde zur Bestrafung übergeben haben, erwogen und beschlossen, daß diese böse Person für ihr Vergehen von ihrer eigenen Mutter in Gegenwart der ganzen Versammlung 10 Hiebe mit der Peitsche erhalten soll, weil sie gegen die 10 Gebote Gottes gesündigt hat. Denn, wer 1 Gebot des Gesetzes übertritt, ist es ganz schuldig. Haltet ihr Brüder alle dies für Recht?“ Sie antworteten: Wir halten es für gerecht. — Hierauf mußte sie ihren Rock ausziehen, indem sie schon früher ihres Schnürleibes entkleidet war. Ihre Mutter aber nahm die Peitsche und schlug sie unter inbrünstigem Gebete, daß Gott diese Züchtigung segnen möge. Nach den erhaltenen Hieben bedankte sie sich herzlich bei der Mutter und küßte sie. Hernach sprach der Bruder: „Diese Hiebe hat sie von ihrer Mutter deswegen bekommen, weil sie ihre Ermahnungen nicht annehmen wollte, und weil sie sie belogen und ihr großes Leid zugefügt hatte. Sie hat aber auch über die ganze Gemeinde eine Schmach gebracht und ihr tiefen Schmerz und großes Aergerniß verursacht; und so haben wir denn beschlossen, daß sie noch, von einem der Brüder 20 Hiebe erleiden solle, damit unter uns und unter unseren Kindern die Zucht und Gottesfurcht sei, so daß Gott um eines willen nicht die ganze Gemeinde strafe, wie um Achans willen, der auch zum Diebe wurde, wie wir es bei Josua, Cap. 7 lesen.“ Wieder wurde zu den Brüdern gesprochen: Haltet ihr Brüder dies für recht und billig? Die Antwort: Ja. — Sie wurde nun gefragt, ob sie das auch einsehe, daß sie solche Züchtigung verdient habe. Obgleich jene Herren und die ganze Gemeine für sie baten, daß man ihr das, da sie ihr Vergehen erkenne, bereue und Besserung verspreche, erlassen möge, so mußte trotzdem ein Bruder ihr 5 Hiebe versetzen. Darauf bedankte sie sich mit heißen Thränen für diese Bestrafung, bat alle um Verzeihung, daß sie ihnen so viel Leid angethan habe, und bat, daß die Gemeine für sie beten möge. Die Gemeine hat ihr nun vergeben und viele haben weinend für sie gebetet. Zum Schluß wurde sämmtlichen Eltern und Kindern eine ernste Mahnung erteilt, daß sie aus dem gegenwärtigen Beispiele Warnung ziehen soll⸗