# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1863_S218 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 218 (Aus dem Freimund.) Ein Beispiel der von den evangel.⸗luth. böhmischen Exulanten in Berlin ausgeübten Kirchenzucht. (Aus dem böhmischen Actenbuche dieser Gemeinde übersetzt von Lic. theol. Borbis.) Im Jahre 1734, den 13. August ist in unserer Kirchenversammlung die Bestrafung der Tochter Wostry, Marie mit Namen, wegen des im Dienste bei Herrn Sikrta (sprich Schicktra) in Berlin begangenen Diebstahls — in Gegenwart der ganzen Gemeinde, der älteren Gemeindeglieder sowohl, als auch der jungen Kinder in Gegenwart der Herren Sikrta und Pekar, denen sie Geld gestohlen hatte, — vollzogen worden. Die ältesten Brüder berathschlagten vor allem, wie sie bestraft werden sollte. Und so beschlossen sie denn, daß sie Angesichts der ganzen Gemeine in der Versammlung von ihrer Mutter und von einem dazu aufgeforderten Bruder mit einer Peitsche gezüchtigt werden und eine bestimmte Anzahl von Schlägen von ihrer Mutter sowohl, als von einem der Brüder erleiden sollte. Als sich nun das Volk versammelt hatte, und die oben genannte Marie ihres Schnürleibes entkleidet, mit ihrer Mutter (eine Wittwe) in die Versammlung hingebracht war, sang die Gemeine das Lied: „Der Zorn des allmächtigen Gottes“ ꝛc. (Seite 574 in dem Amsterdamischen Gesangbuche) und das andere: „Ach wie vielerlei Sorgen hat jeder“ ꝛc. (aus der Harse 162.) Dann wurde ein Gebet von einem der Brüder um den Segen der zu vollziehenden Strafe gesprochen und nach diesem mit gehobener Stimme folgendes vorgelesen: „Im Namen der glorreichen heiligen Dreieinigkeit! Euch allen, unsere herzlich gellebten Brüder, und dir, ganzes böhmisches hier versammeltes Kirchengemeindlein, machen wir zur Warnung bekannt, daß jetzt von unserer Kirchengemeinde eine Person, Marie, die Tochter der Katharina Wostry (welche mitten in der Versammlung stehen mußte), vom Teufel verführt, sich von der Sünde belügen ließ und durch ihren ruchlosen Diebstahl Gott schwer zu erzürnen und der ganzen Gemeinde große Schande zu machen gewagt hat. In ihrem Dienste bei Herrn Sikrta hat sie sich untreu und unehrlich betragen, indem sie ihm und seinem lieben Freunde Pekar aus dem Laden das Geld gestohlen, dasselbe zur gottlosen Prunksucht in Kleidern angewandt und somit sich vor Gott und der Kirche zu einer unreinen und verachtungswürdigen Person gemacht hat. Den Fortgang ihres Diebstahls bekannte sie mit ihrem Munde bei der von dem ältesten der Brüder veranstalteten Prüfung, aber erst dann, nachdem uns bereits der Herr Sikrta geklagt hatte, und sie ihres Diebstahls überführt war. Ihr Diebstahl ist, daß sie zuerst zwei Greschel, dann 2 Groschen, zum dritten Male mehr, bis sie sich einen Leibrock für 2 Thlr. 6 Gr., einen Oberrock um 1 Thlr. 10 Gr., eine Schürze um 18 Gr., ein Paar Strümpfe um 10 Gr., eine Weste um 6 Gr., eine Haube um 5 Gr. und die Waare zu einer Weste um 7 Gr. anschaffen konnte. Das