# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1863_S206 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 206 Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. nommen habe. Ist die Einrichtung der Welt ohne göttliche Kunst aufge⸗ faßt die allein wahre und richtig erkannte, so gestehe man die Wahrheit in allen Theilen ein, erkläre die Welt für völlig plan⸗ und zwecklos, erkläre die Kenntniß eines harmonisch geordneten Ganzen, einer Ordnung der Welt, für reines Product menschlicher Phantasie, das kein wahres Bild von dem gebe, was und wie die Welt wirklich ist. Warum thut man das nicht? Wa⸗ rum führt der Atheist, wenn er über diesen Gegenstand sich ausspricht, die Sprache der Teleologen und Theologen? Weil, wenn er in, dem Materia⸗ lismus und Atheismus entsprechender Weise darüber reden wollte, ihn jeder vernünftige Mensch für einen Narren halten würde. Es wird also, um der verderblichsten aller Lehren Eingang in die Gemüther zu verschaffen, sie mit richtigen Einsichten und edlen und wahren Gedanken in solcher Weise gemischt, daß der Zerstörer aller Vernunft und Sittlichkeit sich Achtung und Gehör verschafft, ohne welche er die Sinne des Leichtgläubigen nicht zu berücken ver⸗ möchte. Nach der Lehre der Materialisten kann es keine andere Nothwendig⸗ keit geben, in der gesammten Natur, als die der Einzelwirkung eines jeden Stofftheilchens, die es seiner Natur gemäß in derjenigen Verbindung mit anderen Stofftheilchen hervorbringen muß, in welche es durch rein stoffliche Thätigkeit völlig plan⸗ und zwecklos geschleudert wurde. Behauptet der Ma⸗ terialist zugleich auch die Nothwendigkeit, daß eine solche Anhäufung großer Stoffmassen in räumlichem Auseinander geschehe, welche diese Massen in vollkommenem Gleichgewicht erhält, so muß er zugeben, daß nach seiner Lehre diese Anhäufung nur in der Weise herzustellen war, daß die Stofftheilchen selbst ihr Wirken nach Naturnothwendigkeit aufgaben, um sich zu gemeinsa⸗ mer Ausführung von Zwecken, welche ein Gleichgewicht der Stoffe forderten, zu berathen und zu vereinigen, die dazu erforderlichen Verrichtungen unter sich vertheilten und sich dann an ihre entsprechenden Stellen im Universum begaben! — Wir wollen hier gleich noch einen anderen Gedanken berühren, der nahe liegt. Man kann uns folgendes entgegenhalten. Wir bedürfen für die rich⸗ tige und vollständige Auffassung der Natur jener, eine Absicht voraussetzen⸗ den, Nothwendigkeit ganz und gar nicht. Stoffe sind unleugbar vorhanden. Sie besitzen Kräfte und stehen in Verbindung und Wechselwirkung. Die Möglichkeit ist also nicht zu leugnen, daß sie ohne alle göttliche Kunst in ir⸗ gend eine Verbindung gerathen, und diese, ganz zufällig entstandene, Ver⸗ bindung kann uns gerade so zweckmäßig erscheinen, wie wir die Welt jetzt kennen. Es hätten allerdings auch andere Verbindungen sich bilden können, die weniger den Schein der Zweckmäßigkeit darböten, aber wir sind durch keinen Grund genöthigt anzunehmen, daß die wirkliche, die so gut wie jede andere ohne göttliche Kunst möglich war, nur durch Kunst entstanden sein konnte. Darauf wollen wir einen berühmten Astronomen antworten lassen und zwar durch ein Beispiel aus unzähligen anderen ausgewählt. La⸗ place schreibt in seinem Essai philosophique sur les probabilites, pag. 104: „Eines der merkwürdigsten Phänomene des Weltsystems ist das des Zusammen⸗