# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1863_S205 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. 205 ten zugeben, daß die Welt dadurch in Verwirrung gesetzt werden würde; die Gesetze der Gravitation müßten eine Störung erdulden, das nothwendige und unverrückbare Gleichgewicht der Stoffe müßte Noth leiden." Wie gewaltig sind die Spuren Gottes in der Natur! Selbst ein ent⸗ schiedener Atheist sieht sich genöthigt, sobald er ein einigermaßen vernünftiges Wort über die Natur sagen will, in die Sprache der teleologischen (die Zweck⸗ mäßigkeit in der Natur nachweisenden) Naturbetrachtung einzustimmen. Sind die „kleinsten Atome" so genau für den Bau der Welt berechnet und abgezählt, daß kein Stäubchen zu viel oder zu wenig für diesen Bau vorhan⸗ den ist, daß das Verschwinden oder Hinzutreten eines einzigen dieser „unend⸗ lich kleinen Wesen" das „harmonisch geordnete Ganze der Welt" (Humboldt), den Kosmos, in Verwirrung setzen würde, sind sie räumlich in solcher Weise vertheilt, daß ihre größeren Anhäufungen sich gegenseitig das Gleichgewicht halten, ist dieses Gleichgewicht nothwendig, so ist es nur der Unvernunft möglich zu erklären, die Annahme einer über diesen Stoffen waltenden göttli⸗ chen Intelligenz müsse von der richtigen und wahren Einsicht in die Natur als absurd zurückgewiesen werden. Welchen Sinn kann hier die Nothwendig⸗ keit eines Gleichgewichts der Stoffe haben, wenn nicht den, welcher einzig und allein möglich ist? Das ist aber dieser: Bei der Aufhebung des Gleichgewichts, bei der daraus nothwendigerweise entstehenden allgemeinen Verwirrung, bei ei⸗ nem fortdauernden Durcheinanderfallen der Stoffe, bei einem planlosen abwech⸗ selnden Zusammenfallen und Auseinanderfahren der Bestandtheile der Welt ist es rein unmöglich, daß die beabsichtigte harmonische Ordnung des Ganzen besteben bleiben, die Entstehung ganz zweckloser Bewegungen und ein peinliches Leben hinschleppender Mißgeschöpfe vermieden, etwas Schö— nes, Gutes, Edles, Nützliches, Angenehmes als bleibende Eigenschaft erzeugt werden könne. Soll darum die Absicht, etwas Schönes und Gutes in der Welt herzustellen, zur Ausführung kommen, so ist nothwendig, und al⸗ lein dieser Absicht wegen nothwendig, daß die Stoffe im Gleich⸗ gewicht gehalten werden. Absichten aber sind nur in einer Intelligenz mög⸗ lich. Geist⸗ und bewußtlose Stoffe haben weder Absichten noch Pläne. Ist nun eine solche Anordnung der Stoffe gegeben, welche das Schöne und Gute und feste Ordnung möglich macht und wirklich darstellt, wird zugleich diese Anordnung für nothwendig erklärt, so ist das ein Bekenntniß der in der Welt sich offenbarenden göttlichen Absicht, so ist damit schon ausgespro⸗ chen, daß eine in der Welt waltende und sie beherrschende Macht, Weisheit und Güte vorhanden ist, und ist damit der, wenngleich mit dem zweckmäßigen Werke selbst nicht zugleich in die Sinne fallende, Urheber bezeugt. Daß die Absicht selbst den sinnlichen Wahrnehmungen nicht zugerechnet werden kann, sondern von dem das zweckmäßige Werk Beschauenden zur sinnlichen Wahrnehmung nur hinzugedacht wird, ändert nichts an der Sache. Jeder⸗ mann würde den mit Recht für einen Thoren halten, der die Absicht der Rede eines Anderen erkennend, diese Absicht darum sich selbst zuschreiben wollte, weil er sie nicht in ausdrücklichen Worten vermittelst seiner Sinne wahrge⸗