# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1863_S202 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 202 Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. nichts im ganzen All, als das eine, daß diese drei und sechzig bleiernen, kupfernen, zinnernen ꝛc. ewigen Götter äußerlich ohne Zweck und Ziel einander näher oder ferner rücken. Durch ihr verschiedenes Durcheinander, Aneinander⸗ und Nebeneinanderliegen bilden sie Sonne, Mond und Sterne, die Erde und das Meer, Pflanzen, Thiere und Menschen, die todten und die lebendigen Wesen. Sie selbst haben keinen Zweck, denn sie sind bewußtlos; sie dienen keinem Zwecke, denn es ist außer ihnen selbst nichts vorhanden, das sie zu Zwecken gebrauchen könnte. „Was der Mensch Zweck nennt, wie überhaupt das gesammte geistige Leben, die Intelligenz, Urtheil, Vorsatz, Plan, Erkenntniß, Idee, Wille, Begierde, die Empfindungen des Schmerzes, der Trauer, der Freude, der Begeisterung, das Gewissen, alle sittlichen und unsittlichen Regungen, Haß und Liebe, Zorn und Sanftmuth, Bosheit und Güte, Gottlosigkeit und Frömmigkeit, Wahrheit und Lüge, Weisheit und Thorheit, Verstand und Unverstand — alles dieses sind Namen, mit welchen diejenigen Stoffanhäufungen bezeichnet werden, welche sich aus dem Stoffaggregate des Gehirns absondern, „wie der Urin aus den Nieren“ abgesondert wird, nach einem Ausspruch des Materialisten Vogt. Diese Namen selbst wiederum sind eigentlich auch nicht Namen, die etwas bezeichnen, sondern eben so selbstständige Stoffhäuschen, wie jene, für deren Namen sie gelten. Alles was der Leser hier lieset und was er sich dabei denkt, es ist alles nur eine Anzahl unabhängiger Stoffklümpchen, die sich nach ewigen Naturgesetzen, d. h. durch ansteckende Bewegungen gebildet haben. Wir müssen nun bitten, daß Jeder, welcher den Materialismus kennen lernen und ein richtiges Urtheil darüber sich bilden will, das soeben Vorgetragene einmal, wenn auch nur auf einen Augenblick, für wahr halte. Für wahr? Was heißt das? die Lehre der Materialisten besteht aus Stoffklümpchen oder Stofftröpfchen; die Lehre der Gegner ebenfalls. Beide sind durch dieselben ewigen Naturgesetze zu Stande gekommen. Beide bestehen aus ewigen, unvergänglichen, unveränderlichen Göttern. Wer dürfte einem vor dem andern unter diesen Göttern einen höheren Rang anweisen? Beide Lehren sind wahr, und jeder Gedanke ist wahr, wenn er nur da ist; oder vielmehr keiner ist wahr, außer demjenigen Stoffklümpchen, oder Stofftröpfchen, das den Namen „wahr“ trägt. Kann man durch Gedanken sich ein Bild von der Welt verschaffen, wie sie ist? Unmöglich. Es giebt kein Bild, alles ist nur der Stoff, der er selbst ist. Der Kohlenstoff im Gehirn kann kein Bild geben von dem, was Schwefel ist, und der Schwefel im Gehirn kann nicht sagen, was Anhäufung oder Lagenveränderung des Stoffs ist. Ein Thor ist der Forscher, der sich abmüht, eine Einsicht in die Natur zu gewinnen. Was thut er? Er sondert blos Stoffhäuschen oder Stofftröpfchen aus seinem Gehirn ab. Das thut der Materialist. Dasselbe sein Gegner. Welcher gewinnt denn vernünftige und richtige Einsichten? Richtige und vernünftige Einsichten? Wozu? Es giebt keine; es giebt blos Lagenverschiebungen der Stofftheilchen. Wie kann ich aber wissen, ob dies Alles auch wahr ist? Wissen? Ob's wahr sei? Wissen und wahr sind ja selbst nur verschiedene Lagenverschiebungen der