# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 10 13_S147 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſchöpfte), mehr und minder Weſentliches, oder gar Sachliches und Perſönliches durcheinander mi⸗ ſchen, und dadurch die Erledigung des gerade zu berathenden Falles aufhalten, leicht etwas ſcharf entgegen trete, wenn der Präſes, der das Unge⸗ hörige abwehren ſoll, aus falſcher Menſchenrück⸗ ſicht zu paſſiv dafür iſt. Auch das geſtehe ich, daß ich gegen ſolche etwas kurz zu ſein pflege, die ſo ziemlich aufgeblaſen mit vielen Worten einher⸗ neten und voll Nachdruck und Wichtigkeit doch ſo gut wie Nichts beibringen, was zur rechten Entſcheidung der vorliegenden Sache dient. Habe ich nun hier und dort in der Art und Weiſe mei⸗ nes Auftretens wider die Liebe zu dieſen oder jenen Perſonen geſündiget, ſo iſt es doch, ſo weit ich mir bewußt bin, nur aus Liebe zur Sache geſchehen, hege auch durch Gottes Gnade nicht den geringſten Groll und Bitterkeit gegen ſie und andere, deren faulen und wunden Fleck ich auch berührte und die mir deshalb auch ſo ziemlich feind und widerwärtig ſind. Uebrigens bete ich täglich zu dem HErrn, daß er mir auch die verborgenen Fehler verzeihe, kann aber zugleich mit gutem Gewiſſen vor Gott und Menſchen ver⸗ ſichern, daß ich von Grund meines Herzens auch jeden Gedanken verfluche und verdamme, der nicht aus rechtſchaffener und aufrichtiger Liebe zu Gott und den Menſchen herſtammt und als ſol⸗ cher mir offenbar wird. — Möge übrigens der unirte Domkandidat Herr H., der Beſchauer und Beurtheiler hieſiger kirchlicher Zuſtände, hinfüro nicht ſo eilfertig und leichtfertig ſein, aus bloßen Gerüchten und Bemerkungen Einzelner ſofort ein abſchließendes Urtheil über Jemand zu ſtellen, ja ſogar drucken zu laſſen, der ihm perſönlich ganz unbekannt iſt und deſſen Geſinnung und Hand⸗ lungsweiſe er nicht durch unmittelbare Anſchau⸗ ung unzweifelhafter Thatſachen kennen gelernt hat. — (Eingeſandt von Hermann Zick.) Die Wittenberger Concordia, ein Beiſpiel wahrer Union. (Schluß.) Es wurden nun viel herzlicher Briefe zwiſchen Luther und den oberländiſchen Städten gewech⸗ ſelt. Zunächſt richtete er ein freundliches und liebevolles Schreiben an die Stadt Augsburg, welches dort eine unausſprechliche Freude erregte. Um dasſelbe den Straßburgern mitzutheilen, eilten auf Befehl der Obrigkeit Dr. Gereon Sey⸗ ler, ein berühmter Arzt, und Caspar Huberinus dahin, worauf ſie ſich ſofort zu Luther begaben. Sie überbrachten ihm Briefe von dem Rath und den Predigern zu Augsburg und wurden von ihm und den Seinigen auf das Freundlichſte auf⸗ genommen. Dieſem ſchönen Beiſpiele, womit die Augsburger den Anfang zur wahren Union machten, folgten die Straßburger, welche Luther meldeten, daß alle ihre Amtsgenoſſen und Mit⸗ arbeiter in den Reichsſtädten Coſtnitz, Frankfurt, Ulm, Eßlingen, Memmingen, Lindau, Kempten, Landau, Weißenburg, Biberach, Isny das Be⸗ kenntniß angenommen hätten, welches Bueer den 14² Augsburgern vorgeſchrieben hatte. Bucer ſelbſt wurde von den Straßburgern nach Stuttgart zu Brentius geſandt, um auch dieſem frommen und gelehrten Manne jede Bedenklichkeit zu nehmen, während Capito in Baſel und Zürich die Schwei⸗ zer für das Werk des Friedens zu gewinnen ſuchte. Dieſe Zeichen wiederkehrender Eintracht erfüllten das Herz Luthers in ſeinen alten Tagen mit ſeliger, unausſprechlicher Freude; denn wie der treue Streiter des HErrn damals ſelbſt von ſich bekannte, „war er nun alt, grau und faſt ganz ausgelebt, durch ſo viel Mühe und Ver⸗ ſuchung abgemattet und alles ſatt und wünſchte und ſehnte die Zeit ſeines Abſchiedes herbei, vor welchem er nur noch Einigkeit zu ſehen und zu hinterlaſſen hoffte“. Ja! es iſt wie eine köſtliche hoheprieſterliche Salbe über alle ſeine Worte aus⸗ gegoſſen, wenn er von dieſer großen Hoffnung ſpricht. „Gott, der Vater alles Troſtes, Freude und Einigkeit“, ſchreibt er an die Augsburger, „ſei gelobt in Ewigkeit, und vollbringe ſolch ſein feines Werk zum ſeligen Ende bis auf jenen Tag, Amen! Es iſt uns damit ein ſchwerer Stein vom Herzen genommen, nämlich der Arg⸗ wohn und das Mißtrauen, welches, ob Gott will, nicht wieder darauf kommen ſoll. Mir iſt nichts Fröhlicheres die ganze Zeit des wiederaufgegan⸗ genen Evangelii widerfahren, als daß ich nach dem kläglichen Zwieſpalt endlich eine Concordiam hoffen, ja ſehen kann. Denn Dr. Gereons Be⸗ richt und euer Schreiben erzeigen ſich dermaßen, daß nunmehr meine Wunde, das iſt: Argwohn, dermaßen geheilet iſt, daß auch keine Narbe übrig. Darum bitte ich euch durch Chriſtum, der ſolch' Werk in euch angefangen, fahret fort und behar⸗ ret in dieſer Frucht des Geiſtes. Ihr wollet euch auch mit ſo herzlicher und rechtſchaffener chriſtli⸗ cher Liebe gegen uns erzeigen, wie wir euch mit rechter Liebe und Treue aufnehmen; und ſollet euch gewißlich deß verſehen in Chriſto, daß ihr uns nichts könnet auflegen, das wir nicht gerne mit Freuden thun, ja auch leiden wollen, dieſe Concordia zu bekräftigen. Denn wenn dieſe Con⸗ cordia beveſtiget iſt, will ich mit freudigen Thrä⸗ nen ſingen: HErr, nun läſſeſt Du Deinen Die⸗ ner in Frieden fahren! Denn ich werde der Kirche den Frieden hinterlaſſen, das iſt: die Ehre Got⸗ tes, die Strafe des Teufels und die Rache an allen Feinden und Widerwärtigen. Seid ver⸗ ſichert, daß ich, ſo viel an mir iſt, alles treulich und fröhlich thun und leiden werde, was zur Voll⸗ endung dieſer Concordia möglich iſt. Denn ich verlange, wie vorgedacht, nichts mehr, als daß ich dieſes Leben in Friede, Liebe und Eintracht des Heiligen Geiſtes mit euch bald ſchließen möge. Chriſtus IEſus, der Urheber des Lebens und Friedens, füge uns durch das Band ſeines Gei⸗ ſtes zu immerwährender Einigkeit zuſammen!“ Somit hatte ſich Alles ſchön und lieblich ge⸗ ſtaltet, als im Anfange des Jahres 1536 alle Friedenshoffnungen zu ſchwinden drohten. In der Schweiz wurden nämlich damals wieder ge⸗ druckt Zwingli's expositio fidei (Darſtellung der Glaubenslehre), und Zwingli's und Oeco⸗ lampadius' Briefe, Schriften voll der anſtößigſten Irrthümer. Dazu waren letztere mit einer kurzen Vorrede Bucers verſehen, worin er offen ihre Rechtgläubigkeit in Schutz nimmt. Als dieſe Schriften nach Sachſen kamen, be⸗ fremdete man ſich ſehr darüber. Melanchthon verlor alle Hoffnung; auch Luther zweifelte. „Nachdem ihr es aber dafür achtet“, ſchrieb der treffliche Kurfürſt Johann Friederich an ihn, „daß der Concordia halber wenig Troſt und Hoff⸗ nung ſein ſoll: das hören wir wahrlich nicht gern. Wir ſind aber ungezweifelter Hoffnung und Zuverſicht, der allmächtige Gott werde es damit zu ſeiner Ehre wohl gnädiglich zu ſchicken wiſſen.“ Zugleich ermahnte er ihn treulich, feſt und beſtändig bei ſeiner Lehre zu verharren, mit dem Zuſatze: „wie wir auch ohne unſere Erinne⸗ rung der Beſtändigkeit wiſſen, daß an euch kein Mangel ſein wird“. Weil aber die Sachen „groß, tapfer und wichtig“ ſeien, ſo befahl er ſeinem Canzler Gregorius Brück, bei der Unterredung gegenwärtig zu ſein. Zum Orte der Zuſammenkunft war zuerſt Eiſenach beſtimmt, dann, wegen Luthers anhal⸗ tender Kränklichkeit, das näherliegende Grimma. Im Mai des Jahres 1536 kamen die Abgeord⸗ neten der oberländiſchen Städte, Martin Bucer und Wolfgang Capito von Straßburg, Martin Frecht von Ulm, Bonifacius Lycoſthenes und Wolfgang Musculus von Augsburg, Johann Bernhardi von Frankfurt am Mayn, Jacob Ot⸗ ther von Eßlingen, Gervaſius Scholaſticus von Memmingen, Matthäus Alber und Georg Schra⸗ din von Reutlingen, Martin Germanus von Surfeld, nach Gotha, wo ſie der Superintendent Friedrich Myconius freundlich empfing. Schon dort kam es zur Auseinanderſetzung der Haupt⸗ ſache; Myconius erklärte ihnen kurz und deutlich die Lehre unſerer Kirche, wodurch dem Bucer und Capito mehrere Punkte klarer wurden. Ja, ſie mußten endlich geſtehen, daß unſere Lehre mit der heiligen Schrift und den heiligen Vätern der rei⸗ nen Kirche übereinſtimme. Darauf begaben ſich Alle nach Eiſenach, wo ſich der dortige Superintendent, Juſtus Menius, ihnen anſchloß. Weil Luthers Schwachheit noch fortdauerte, kam man überein, ſtatt nach Grimma, ſogleich nach Witten berg zu gehen. Unter⸗ weges wurden die Geſpräche fortgeſetzt, wobei keine Stunde verging, da die Unſrigen nicht hät— ten etwas erklärt und tapfer erſtritten, daß das Brod im heiligen Abendmahle der wahre Leib Chriſti ſei. In Wittenberg angekommen, zogen die Fremden in die ihnen auf kurfürſtlichen Be⸗ fehl bereitete Herberge ein, Myconius und Me⸗ nius aber berichteten Luther und Melanchthon, daß ſie die Oberländiſchen auf dem Wege meiſtens gewonnen hätten. Melanchthon faßte wieder ein Herz, Luther hatte jedoch Bedenken, ob ſie es auch aufrichtig meinten. Am 22. Mai früh Morgens gingen Bucer und Capito allein zu Luther und übergaben ihm die Schreiben der oberländiſchen Städte. Nach⸗ mittags desſelben Tages kamen Bucer und Capito wieder in Luthers Wohnung, während von un⸗ ſerer Seite außer Luther und Melanchthon auch