# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S192 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 192 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. nennen gewohnt ist, sei der große Katechismus Luther's?“ — Es ist dies gewiß ein Trost, aber freilich ein trauriger, der die hannoverschen gläubigen Prediger daran erin⸗ nert, wie unrecht es war, daß sie nicht früher dem Volk das Auge über den Landeskatechis⸗ mus geöffnet, sondern denselben nur in unionistischer Weise gut gedeutet haben. Oft scheint es wohl unserer Vernunft, es sei besser, jenes Feuer nicht anzuzünden, von welchem doch der HErr sagt, daß er nichts lieber wollte, als es brennete schon, Luc. 12, 49.; aber es ist immer besser, durch rücksichtloses Aufdecken und Bekämpfen alles Falschen den Frieden zu gefährden, als durch Zumbestenkehren des Irrigen die Wahrheit retten wollen. Am Ende zeigt es sich, daß durch solche Vorsicht weder Friede noch Wahrheit erhalten, sondern beides verloren wird. Calvin. In Genf wurde durch die Evang. Allianz ein Vorschlag angeregt, bis zur 300jährigen Wiederkehr von Calvin's Todesjahr (1564) ihm ein Denkmal zu setzen. Da⸗ gegen erhob die reformirte Kirche wegen des zweiten Gebotes Bedenken. Es wird darum jetzt vorgeschlagen, das Jahr durch eine Gesammtausgabe von Calvin's Schriften zu feiern. Statistik des Jesuitenordens. Nach einer vom 11. Juni v. J. datirten, vom General der Jesuiten verfertigten offiziellen Liste soll sich die Zahl aller Mitglieder des Jesuitenordens gegenwärtig auf 37,920 belaufen. Diese Zahl vertheilt sich auf die einzel⸗ nen Länder so: Italien 8350, Oestreich 5621, Rußland 3432, Großbrittanien 5219, Deutschland 1412, Frankreich 7420, Belgien 1711, Schweiz 652, die übrige Welt zusam⸗ men 4112. Der Evang. Sonntagsbote, der diese Notiz mittheilt, fügt bei: „Solche Zahlen können Sorglosen die Augen öffnen.“ Füllsteine. „Wer nicht von Brosamen und Almosen, noch vom Raube zu leben, und für ein Schwert alles zu entbehren weiß, ist nicht geschickt zum Dienst der Wahrheit. Der werde frühe ein vernünftiger, brauchbarer, artiger Mann in der Welt, oder lerne Bücklinge machen und Teller lecken: so ist er für Hunger und Durst, für Galgen und Rad sein Lebenlang sicher.“ Ha⸗ mann, Sokratische Denkwürdigkeiten. Werke, Bd. II, S. 49. 50. „Unsere Vernunft ist eben das, was Paulus das Gesetz nennt — und das Gebot der Vernunft ist heilig, gerecht und gut. Aber ist sie uns gege⸗ ben — uns weise zu machen? eben so wenig als das Gesetz der Juden, sie gerecht zu machen, sondern uns zu überführen von dem Gegentheil, wie un⸗ vernünftig unsere Vernunft ist, und daß unsere Irrthümer durch sie zuneh⸗ men sollen, wie die Sünde durch das Gesetz zunahm.“ Derselbe, I, 405. „Der eines andern Vernunft mehr glaubt, als seiner eignen, hört auf, ein Mensch zu sein, und hat den ersten Rang unter dem servum pecus der Nachahmer. Auch das größte menschliche Genie sollte uns zu schlecht dazu sein.“ Derselbe, Brief an Kant. I, 438. „Wer ein Sonnenstäubchen erklären kann, der hat das Räthsel der gan⸗ zen Natur.“ Derselbe, I, 119. „Es ist nichts daran gelegen, was? noch wie viel? Kinder und wir Menschen überhaupt wissen; aber alles, wie?“ Derselbe, I, 158.