# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S190 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 190 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Herrn, der in der Gemeinde waltet, im Lauf der Zeit Schritt für Schritt dieselben über⸗ wunden und ausgeschieden habe. Warum sollte die moderne Mission anders verfahren wollen, als die Apostel verfuhren? Es dürfte nicht schwer sein, darauf zu antworten. Fürs erste ist ja in unsern Tagen allgemein von Seiten aller gesunden nüchternen Christen zuge⸗ standen, daß Vielweiberei und Sclavenwesen sich mit dem Geist des wahren Christenthums nicht verträgt. Es ist dies eine Einsicht und Ueberzeugung, welche, wie es scheint, den Aposteln noch nicht in der vollen Klarheit und Bestimmtheit gegeben war, wie sie der Geist des Herrn im Laufe der Zeit seiner Gemeinde geschenkt hat. Wäre es nun recht und sollte es zu verantworten sein, wenn die Mission unsrer Tage ein Licht, das der Herr jetzt seiner Kirche geschenkt hat, unter den Scheffel stellte? Nimmermehr. Wir würden uns an den Missionsgemeinden versündigen, wollten wir in diesen Stücken dulden, was die Apostel bei dem Maß ihrer Erleuchtung dulden konnten. — Wir dagegen wollen herzlich wünschen und hoffen, daß von den Leitern der Basler Mission diese Ausführungen des Missions-Maga⸗ zins nicht getheilt werden, und daß auch der Schreiber jenes Aufsatzes sie nur in der Eile ohne reifliche Ueberlegung hat aus seiner Feder gleiten lassen. Denn daß damit ‚die Mission unsrer Tage‘ von dem festen Grunde der Schrift hinweg in den Abgrund dessen gestürzt werden würde, was unsere Väter zur Zeit der Reformation treffend mit dem Namen der Schwarmgeisterei bezeichneten, braucht für alle ‚gesunden nüchternen Christen‘ nicht erst be⸗ merkt zu werden. Für sie, die von keinem andern ‚Geist des wahren Christenthums‘ wissen, als wie er in dem apostolischen Zeugniß vorliegt, und die sich selbst oder die heutige Gemeinde nicht für erleuchteter halten, als die hohen Apostel des Herrn, kann natürlich eine solche Be⸗ weisführung nur das Gegentheil von dem beweisen, was sie beweisen sollte. Bürgschaft gegen Hierarchie. Worin der von Harms angestellte Missions⸗ superintendent Aug. Hardeland eine solche Bürgschaft sieht, spricht er in einer im Hermanns⸗ burger Missionsblatt (Jan. 1863) befindlichen Reisebeschreibung, wie folgt, aus: „Am 9. October hatten wir unsre Conferenz. Dabei führte ich auch Bruder Prigge als Vorsteher ein. Es hatten einige den Wunsch geäußert, ich möge eine recht genaue Instruction, gleich⸗ sam Constitution oder Charte geben. Ich setzte den lieben Brüdern aus einander, daß wir doch rechte Narren sein müßten, wenn wir unsre prächtige Verfassung verlassen, und, wie alle Heiden einen solch (papiernen) ‚König‘ haben wollten. Unsre ganze Mission sei eine große Familie, solle und müsse es bleiben. Auf jeglicher Station sei der Hauptmissio⸗ nar der allgemeine Hausvater, in jedem Kreise der Vorsteher des Kreises, über das Ganze der Superintendent. Hausvaterpflichten hätten die Vorsteher, sie hätten also auf Alles zu sehen, in Allem zu rathen und zu helfen, in Allem ohne Ausnahme. Das sei doch ein wunderschön Verhältniß, wenn wir's durch die eigne Sünde nicht verdürben, wenn es eben recht hausväterlich und recht hausgenossenschaftlich zugehe. Diese wunder⸗ schöne und gesegnete Verfassung könne, wie Alles, von der Sünde verdorben, und zum Druck werden. Indeß seien sie dagegen ziemlich gesichert. Vom Stationsvater könne man an den Kreishausvater, von diesem an den Superintendenten, von dem an den Papa in Deutschland sich wenden. Das sei, denke ich, Bürgschaft genug gegen etwaige herrschsüchtige Härten und Verkehrtheiten. Nun müsse ich ihnen aber auch sagen, daß ich jegliche revolutionäre, selbst⸗ willige, hochmüthige Auflehnung gegen den Vorstand aufs ernsteste ahnden werde, nach Gottes Willen, 4 Mos. 12 und Cap. 16. — So solle und müsse unsre Mission verfaßt sein und bleiben; wem das nicht anstehe, der passe nicht hinein, der möge nur von uns gehn, je eher desto lieber. Bruder Prigge gelobte ihnen dann, ein treuer und sorgsamer Haus⸗ vater zu sein; die Brüder gelobten ihm dagegen Ehrerbietung und Gehorsam.“ W. „Was haben wir von einer Synode zu erwarten?“ Auf diese Pastor Harms „hundertfach vorgelegte“ Frage antwortet derselbe in seinem Missionsblatt (Febr.) für die Verhältnisse in Deutschland gewiß ganz richtig Folgendes: „Eine Synode ist eine Versammlung von Pastoren und Gemeindegliedern, die sich über kirchliche Dinge mit einan⸗ der berathen sollen. Nun, das erste, was wir von einer Synode zu erwarten haben, ist natürlich, wie man sich bei uns auszudrücken pflegt, eine Koppel Kosten. Denn alle