# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S187 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ein neuerer lutherischer Theolog über Sclaverei. 187 Gründen des Zusammenhangs für die richtige halte) und auch 1 Pet. 2, 18. Der Apostel findet dieses Verhältniß vor und zeigt, wie die Kraft des Evangeliums auch in ihm an dem Einzelnen sich bewähren müsse. Nicht darin, daß der Einzelne sich gegen die Sclaverei sträubt, sondern darin, daß der Fluch der Knechtschaft im willigen Gehorsam zum Segen wird. Das Evangelium abrogirt nicht die äußere Folge und Strafe der Sünde so, daß es erst dann zusieht, ob aus dem nun fessellosen verkehrten Herzen etwas Gutes zu machen sei. Ja selbst dem Christen als Sclaven sagt es nicht: zerbrich deine Ketten; sondern es zerbricht die Ketten, indem es die Härte des Herrn nimmt in der Furcht vor einem höhern Herrn, das Widerstreben des Knechtes tilgt in dem willigen Gehorsam gegen den, welcher Herr des Herrn und des Sclaven ist. Die äußere Sclaverei ist eben so wenig ein Product als eine Hemmung der Kraft der evangelischen Wahrheit. Zuerst macht sich die Wahrheit Platz; was dann von Außendingen nicht mit ihrem Wesen zusammenhängt, fällt von selbst. Sie dringt in die Wurzel des erstorbenen Baumes und stößt in neuer Lebenskraft das dürre Laub ab. Die menschliche Weisheit säubert den harten Stamm vom dürren Laube, damit man seine Häßlichkeit nur um so besser sehe. Wie man aber das Bewußtsein ‚allgemeiner (?) Menschenwürde und Menschenrechte‘*) als die Lehre, mit welcher das Evangelium die Sclaverei aufgehoben habe, wie man diese Lehre als eine dem Evangelium eigenthümliche hat bezeichnen können, begreife ich nicht. Die Erkenntniß hatte das heidnische Alterthum längst. ‚Sie sind Sclaven? Nein, Menschen. Sie sind Sclaven? Nein, Gesellschafter. Sie sind Sclaven? Nein, Mitknechte (conservi),‘ sagt Seneca. An guten Maximen, an Vorschlägen zur rechten Herrschaft und zum rechten Dienste (‚diene frei, und du wirst kein Sclav sein,‘ sagt Menander) fehlt es dem Alterthum nicht; aber diese ganze Erkenntniß vermochte nicht die Sclaverei zu tilgen. Worüber das Heidenthum nicht hinaus kam: ‚Jeder Freie ist Einem Gesetz verbunden, der Sclav aber zweien, dem Gesetz und seinem Herrn,‘ und worin eben die Sclaverei Sclaverei blieb, das tilgte das Christenthum, indem es dem Herrn wie dem Sclaven Einen Erlöser gab, in welchem nur brüderliche Liebe gilt, kein Sclave und kein Freier ist (Gal. 3, 28. Philem. 16.), sondern alle nur Einer in Christo JEsu. Konnte solcher Freiheit gegenüber der Apostel nicht rathen, lieber in irdischer Knechtschaft zu bleiben? Oder mußte er das (1 Cor. 7, 21.) wenigstens nicht dann rathen, wenn man das Wesen christlicher Freiheit zur Freiheit des Fleisches mißbrauchen wollte? Daß die alte Kirche (vgl. Ignatius im Briefe an Polykarp Cap. 4.) jene Stelle nicht blos in verkehrter Askese so deutete, wie sie that können zur Genüge die Worte Theodoret's zu 1 Cor. 7, 21. lehren: ‚Diese Hyperbel hat er nicht allgemein gesetzt, sondern um dazu zu bewegen, daß man Sclaverei nicht unter dem Vorwand der Religion fliehe.‘ Und der Herr blieb Herr und Sclav Sclav, auch wenn sie Brüder in Christo geworden waren.“ *) Das Fragezeichen ist von Harleß selbst. D. R. ————◆◆————