# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S186 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 186 Ein neuerer lutherischer Theolog über Sclaverei. Nachdem wir eine Anzahl von Zeugnissen alter lutherischer Lehrer über Sclaverei mitgetheilt haben, die wir noch um viele vermehren könnten, die aber jedenfalls genügen, zu zeigen, zu welchen Grundsätzen jene der Einblick in den Zusammenhang der christlichen Lehren über dieses Verhältniß geführt hat, lassen wir nun noch einen neueren Theologen darüber reden. So schreibt nehmlich Dr. G. C. A. von Harleß in seiner Ethik: „Nicht minder ist es das christliche Bruderverhältniß, unter welchem Schein von Alters her die Dienenden Gelüsten trugen, den gottgeordneten Unterschied zwischen Herr und Diener in falsche Gleichheit umzuwandeln, oder unter dem Namen der christlichen Freiheit und der christlichen Strafpflicht an die Stelle des Gehorsams sich in Ungehorsam und Widersetzlichkeit zu ergehen (vgl. die Gegenermahnungen der Apostel Paulus und Petrus an die Sclaven: ‚Welche aber gläubige Herrn haben, sollen dieselbigen nicht verachten [mit dem Schein], daß sie Brüder sind, sondern sollen vielmehr dienstbar sein, dieweil sie gläubig und geliebet sind.‘ 1 Tim. 6, 2. ‚Ihr Knechte, seid unterthan mit aller Furcht den Herrn, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist Gnade, so jemand um des Gewissens willen zu Gott das Uebel verträgt, und leidet das Unrecht.‘ 1 Pet. 2, 18. ff.) Der verkehrten Stellung der Dienenden aber pflegt auch eben so oft eine verkehrte Stellung der Herrn zu begegnen, welche entweder meinen, in Preisgabe ihres Herrenrechtes dem Diener die Wohlthat christlichen Bruderverhältnisses fühlbar machen zu sollen, oder welche unter der Maske christlicher Behauptung ihres Rechtes selbstsüchtige und lieblose Härte bergen. Gegen allen Selbstbetrug oder alle Gleißnerei der Art reagirt der eine Geist Christi, kraft dessen man auf das Verhältniß der Familie nur das überträgt, was man als Bedeutung des irdischen Berufs und der irdischen Stellung überhaupt erkannt hat, d. h. daß auch in der Familie die Schrankenstellung göttliche Ordnung sei, welche nicht niedergerissen, sondern erfüllt sein wolle, erfüllt durch die Kraft des Geistes Christi, welcher ebensosehr ein Geist der Gerechtigkeit, als der selbstverleugnenden barmherzigen Liebe ist. So gehorchen auch nach dem Apostel die Sclaven ihren Herrn ‚als Christo‘ Ephes. 6, 5., und die Herren machen den Sclavenstand vergessen in ihrer Behandlung der Sclaven ‚als Brüder‘ vgl. Philem 15. Es wird so nichts an der Form geändert (1 Cor. 7, 21.), aber Alles neu durch den Geist der Freiheit Christi, welcher aller irdischen Form erst den rechten Inhalt gibt und jede Verkehrung der irdischen Formen durch selbstischen Mißbrauch ausscheidet (vgl. 1 Cor. 7, 22.).“ (Christliche Ethik. 5. Auflage. Stuttgart 1853. S. 287. 288.) Derselbe schreibt zu Ephes. 6, 1. ff.: „Die Sclavenverhältnisse berührt der Apostel ebenso auch Col. 3, 22. ff. vgl. Tit. 2, 9. ff. 1 Tim. 6, 1. ff. 1 Cor. 7, 21. (wo ich die Erklärung der griechischen Kirchenväter, ‚und wenn du die Freiheit erlangen könntest, so bleibe ein Sklav‘ aus sprachlichen und